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Polnisches Startup sorgt mit Gesichtserkennung für Unruhe | BR24

© picture alliance/Zoonar

Gesichtserkennung bleibt ein umkämpftes politisches Thema

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    Polnisches Startup sorgt mit Gesichtserkennung für Unruhe

    Ein Foto reicht - schon findet die Suchmaschine von PimEyes dutzende weitere Fotos von der gleichen Person im Internet. Eine Recherche sieht die Anonymität des Menschen bedroht.

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    Eine Recherche von netzpolitik.org sorgt für Wirbel: Ein polnisches Startup hat eine Suchmaschine für Gesichter entwickelt - und gefährdet damit möglicherweise die Sicherheit zahlreicher Menschen. Die Diskussion um die Gefahren durch Gesichtserkennung ist damit erneut entbrannt.

    Ein Startup macht Gesichter suchbar

    Das Startup PimEyes macht der breiten Öffentlichkeit eine Technologie zugänglich, wie sie bisher vor allem durch die umstrittene amerikanische Software-Firma Clearview AI bekannt war. Doch anders als Clearview AI verkauft PimEyes seine Technologie nicht an Behörden und Unternehmen, sondern stellt sie frei verfügbar ins Internet. Und jeder kann sich selbst ein Bild davon machen, wozu die Software in der Lage ist.

    In der Datenbank von PimEyes sollen sich die Gesichter von 900 Millionen Menschen befinden - das wäre über ein Zehntel der Weltbevölkerung. Für diese Sammlung wurden laut Angaben des Unternehmens nur frei im Netz verfügbare Fotos analysiert. Bei vielen Menschen wären das etwa Facebook-Fotos oder Bilder von der Website des Arbeitgebers.

    Aber: Auch Menschen, die sich nie online präsentierten, können in der Datenbank landen. Denn wenn sie jemand in der Öffentlichkeit fotografiert, haben sie keinen Einfluss mehr, was mit dem Bildmaterial geschieht, und wo es landet. Ein einfaches Beispiel: Jemand, der vor ein paar Jahren bei einer Demonstration mitgelaufen ist, könnte mit einer einfachen Gesichtssuche nachträglich identifiziert werden.

    Ein Paradies für Stalker?

    Auf der Basis dieser gigantischen Datensammlung lassen sich nun Fotos als Suchobjekt verwenden - ähnlich wie Wörter in einer herkömmlichen Suchmaschine. Und die Gesichtsabgleichs-Software spuckt im nächsten Schritt nicht nur Fotos aus, die ein gleiches oder sehr ähnliches Bild zeigen (wie es Google Bilder-Suche bereits seit einigen Jahren kann). Sie geht einen Schritt weiter und analysiert nicht das Bild selbst, sondern das Gesicht darin, um es in anderen Kontexten des Internets wiederzufinden.

    Ganz perfekt ist die Software noch nicht: Im Regelfall spuckt sie neben einigen richtigen Treffern auch einige falsche aus. Trotzdem: Dem Bericht von netzpolitik.org zufolge könnte die Software etwa von Stalkern missbraucht werden oder die Identifikation von Demo-Teilnehmern möglich machen. Zudem bestehen Zweifel daran, ob die Technologie im Rahmen der Datenschutzgrundverordnung überhaupt legal ist.

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