BR24 Logo
BR24 Logo
Startseite

Politik will tauschbare Akkus - Samsung warnt vor dicken Handys | BR24

© dpa-Bildfunk/Lisa Ducret
Bildrechte: dpa-Bildfunk/Lisa Ducret

Eine Rückkehr alter Riesenhandys ist wohl auch mit Wechselakkus nicht zu befürchten.

1
Per Mail sharen

    Politik will tauschbare Akkus - Samsung warnt vor dicken Handys

    Elektroschrott, aber auch die Herstellung immer neuer Geräte belasten die Umwelt. Politiker in der EU und in Deutschland fordern daher unter anderem tauschbare Handy-Akkus. Samsung hält davon wenig. Wie stichhaltig sind die Argumente des Herstellers?

    1
    Per Mail sharen
    Von
    • Thomas Moßburger

    Acht Prozent der in Deutschland benutzten Smartphones sind älter als 24 Monate, sagt eine Statistik des Branchenverbandes Bitkom aus dem Februar 2021. Heißt: Noch immer werden Smartphones in Deutschland nicht besonders alt - auch wenn Verbraucher in Umfragen angeben, dass Nachhaltigkeit für sie ein wichtiger Faktor beim Handy-Kauf ist.

    Dem stehen mehrere Faktoren entgegen. Einer, den die Politik in Zukunft stärker angehen möchte, ist die Reparierbarkeit von Smartphones. So dürfte gerade bei Smartphones oft nicht zuletzt der Akku ein Argument für einen Neukauf sein. Nach mehreren Jahren des Dauer-Auf- und Entladens wird der zunehmend schwächer und das Gerät muss nicht einmal sondern mehrmals täglich an den Strom.

    Politik will Wechsel-Akkus - Samsung nicht

    Eine Strategie, die sowohl das EU als auch die deutschen Gesetzgeber im Kampf gegen Elektromüll fahren, ist daher, modularere, reparierbarere Geräte von den Herstellern zu fordern. Konkret: Wird ein Handy altersschwach, sollen Verbraucher den Akku nachrüsten können, statt komplett neu kaufen zu müssen. Das ist bei den aktuell meist fest verbauten Akkus nicht möglich.

    Dass die Hersteller sich den Plänen der Politik nicht kampflos ergeben wollen, zeigte sich am Mittwoch im Bundestag. Bei einer Anhörung zu einem Regierungsentwurf einer Reform des Elektrogerätegesetzes warnte der Samsung-Vertreter Andreas Beck vor Nachteilen für Kunden und Umwelt, falls Deutschland austauschbare Akkus zur Pflicht machen würde.

    "Wir müssten Produkte speziell für Deutsche entwickeln. Die wären automatisch etwas klobiger", so der Serviceleiter von Samsung Electronic laut "Heise". Das würde Kunden zum Bestellen im Ausland verleiten. Zudem müsste Samsung in diesem Fall mehr Material bei der Herstellung einsetzen als bei fest verbauten Akkus. Auch der Staub- und Wasserschutz im Handy-Inneren sei weniger gewährleistet.

    Experte: Klobiger ja, aber nicht extrem

    Klingt nach ganz schön vielen Nachteilen für den Kunden und auch die Umwelt. Wolfgang Pauler, Testcenter-Chef beim Fachmedium Chip relativiert die Warnungen des Samsung-Experten. "Wenn Wechsel-Akkus gewünscht sind, die früher ein Nokia 3210 hatte, dann wäre das für die Nutzer sicher die beste Variante, um einfach selbst den Akku auszutauschen. Allerdings wird das Gerät dadurch in der Regel tatsächlich dicker ausfallen, falls die Akku-Kapazität gleichbleiben soll“, so Pauler gegenüber BR24. Es gehe hier aber eher um Millimeter als um die Rückkehr zur Dicke früherer Handy-Generationen.

    "Die zweite Variante wären austauschbare Akkus, die mit etwas Aufwand ausgetauscht werden können, aber nicht unbedingt in eine Fachwerkstatt müssen. Diese Variante würde ich vom Platzbedarf her zwischen komplett fest verbaut und Wechsel-Akku einsortieren", erklärt der Chip-Experte weiter. Der Materialaufwand für Handys mit leichter wechselbaren Akkus dürfte dagegen gerade bei der zweiten Variante nicht zwingend merklich höher sein. Auch Spritzwasser- und Staubschutz sei mit Dichtungen und Verschraubungen statt mit Kleber möglich, würde die Geräte aber nochmals etwas dicker machen, so Pauler.

    Zusammengefasst: Die Ingenieure von Samsung und Co., die laut Erfahrung des Chip-Testcenters bei der Handy-Entwicklung tatsächlich um jeden Kubikmillimeter im Inneren kämpfen, müssten sich wohl tatsächlich umstellen. Auch leicht dickere Smartphones könnten - je nach Wechsel-Variante - eine Folge sein. Eine Rückkehr klobiger Handyknochen aus dem letzten Jahrtausend scheint allerdings nicht zu befürchten.

    Hersteller sind nur ein Faktor

    Allgemein ist der tauschbare Akku für Smartphones und weitere Geräte aber ohnehin nur ein Aspekt der aktuell geplanten Initiativen gegen Elektroschrott. In Deutschland stehen darüber hinaus auch neue Regeln zur Rücknahme von Altgeräten zur Debatte.

    Aus dem EU-Parlament kommt außerdem etwa die Forderung, Elektrogeräte mit einer Art Mindesthaltbarkeitsdatum zu versehen, um den Kunden den Kauf nachhaltiger Produkte zu erleichtern. Auch ein Recht auf Reparatur und standardisierte Ersatzteile würden die Abgeordneten gerne sehen. Daneben gibt es den Vorschlag, mit nationalen Kampagnen bei den Bürgern dafür zu werben, Geräte länger zu nutzen.

    Der Faktor Mensch beziehungsweise Konsument ist bei aller Diskussion über die Technik-Hersteller ein nicht zu unterschätzender Punkt. Oftmals sind gar nicht mangelnde Haltbarkeit oder Reparaturfähigkeiten der Grund für einen Neukauf, vor allem bei Handys. In einer Studie von TU Berlin und Fraunhofer Institut aus dem Jahr 2019 gaben 67 Prozent der Befragten an, ein neues Handy gekauft zu haben, obwohl das alte noch funktionierte. Als Motivation nannten sie etwa den Wunsch nach mehr Leistung oder Freude an neuer Technik oder Innovationslust.

    "Darüber spricht Bayern": Der neue BR24-Newsletter informiert Sie immer montags bis freitags zum Feierabend über das Wichtigste vom Tag auf einen Blick – kompakt und direkt in Ihrem privaten Postfach. Hier geht’s zur Anmeldung!