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Podcasts boomten dieses Jahr - auch dank Christian Drosten | BR24

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Prof. Dr. Christian Drosten während des Deutschen Radiopreises 2020

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    Podcasts boomten dieses Jahr - auch dank Christian Drosten

    Hunderttausende verfolgten 2020 den Coronavirus-Podcast mit Christian Drosten. Und viele wagten sich zum ersten Mal auch selbst an das Medium Podcast heran. Wie geht es jetzt weiter mit der Podcast-Branche und was lohnt es sich noch zu hören?

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    Von
    • Gregor Schmalzried

    Viele Menschen in Deutschland machten dieses Jahr eine vielleicht überraschende Entdeckung: Podcasts hören ist gar nicht so kompliziert. Auf vielen Smartphones ist eine App wie Apple Podcasts oder Google Podcasts schon vorinstalliert, auch die Musikdienste Spotify und Deezer unterstützen das Abspielen von Podcasts. Außerdem gibt es zahlreiche spezielle Podcast-Player in den App Stores und für alle öffentlich-rechtlichen Produktionen die ARD Audiothek.

    Christian Drosten katapultiert Podcasts ins Zentrum des Geschehens

    Der Grund für die zahlreichen Podcast-Firsttimer? Der Podcast “Coronavirus-Update” mit Christian Drosten vom NDR. Er erschien zum ersten Mal am 26. Februar - lange bevor in Deutschland groß über Lockdowns und Kontaktbeschränkungen gesprochen wurde. Alleine im ersten Monat wurde der Podcast über 15 Millionen Mal abgerufen - in den folgenden Monaten entwickelte sich der Podcast zu der vielleicht prägendsten Medien-Veröffentlichung des Jahres. Im September wurde Christian Drosten sogar mit dem Deutschen Radiopreis ausgezeichnet.

    Für zahlreiche Menschen in Deutschland war “Das Coronavirus-Update” der erste Podcast, den sie regelmäßig hörten. Und für die Podcast-Branche ein Durchbruch. Journalist und Podcast-Experte Sandro Schröder bezeichnete den Drosten-Podcast in seinem Newsletter als den “größten singulären Sichbarkeitsschub für das Medium Podcast” und einen “popkulturellen Moment”.

    Die USA sind schon weiter

    Manche meinen: Dieser Moment kommt reichlich spät. In den USA war es bereits Ende 2014 soweit, als der True Crime-Podcast “Serial” Millionen Hörer fesselte und zum ersten Mal dazu brachte, einen Podcast zu hören. In Deutschland wartete man Jahre auf ein ähnliches Phänomen... Einer Studie von Edison Research zufolge hörten vor einem Jahr nur 17% der Deutschen regelmäßig Podcasts - in den USA waren es 33%.

    Warum Deutschland so hinterher hinkt? Ein Grund könnte sein, dass es in den USA kein öffentlich-rechtliches Rundfunksystem gibt, wie es in den meisten europäischen Ländern existiert. Podcasts konnten daher in den USA schon früh eine Marktlücke schließen, die in Deutschland dank zahlreicher lokaler und nationaler Radiosender nicht in der gleichen Form existiert. Es ist wohl bezeichnend, dass “Das Coronavirus-Update, der wohl größte Podcast-Hit in der deutschen Mediengeschichte” von einem öffentlich-rechtlichen Anbieter stammt.

    Was als nächstes hören?

    Für viele Menschen, die durch den Drosten-Podcast dieses Jahr zum ersten Mal an das Podcast-Hören herangeführt wurden, stellt sich nun die Frage: Was als nächstes hören? Das Angebot ist reichhaltig. Viele öffentlich-rechtliche Angebote werden mittlerweile speziell im Podcast-Format produziert - darunter etwa der tägliche Bayern 2-Nachrichtenpodcast “Tagesticket” und die True Crime-Dokumentaion “Der Mörder und meine Cousine”.

    Aber auch die private Medienwirtschaft in Bayern hat viel zu bieten: Die Süddeutsche Zeitung produziert zahlreiche Nachrichten- und Recherche-Podcasts und Antenne Bayern jagt in “Dunkle Heimat” Kriminalfällen der bayerischen Geschichte nach. Auch viele Lokalzeitungen haben das Medium für sich entdeckt und berichten in Podcasts wie Augsburg, meine Stadt über lokale Nachrichten und Persönlichkeiten.

    Podcast ist nicht gleich Podcast

    Doch ausgerechnet in dem Jahr, in dem viele das Medium Podcasts zum ersten Mal für sich entdeckten, wurde auch klar, dass der Begriff “Podcast” nicht immer das Gleiche bedeutet. Nach klassischer Definition sind Podcasts frei verfügbar, lassen sich also über jeden Podcast-Player abspielen, ohne dass man dafür ein Abonnement abschließen oder sich bei einem besonderen Dienst anmelden muss.

    Immer mehr Podcasts wandern nun jedoch exklusiv zu bestimmten Anbietern. Den Podcast von Comedian Joe Rogan - der wohl weltweit meistgehörte Podcast der Welt - ist seit diesem Jahr exklusiv nur bei Spotify verfügbar, genau wie Fest und Flauschig mit Jan Böhmermann. Zudem drängen Plattformen wie die zum ProSiebenSat.1-Konzern gehörende App FYEO auf den Markt, die bieten zusätzlich zu allen frei verfügbaren Inhalten auch noch sogenannte “Originals” an, die man nur mit Abo hören kann.

    Egal ob frei verfügbar oder hinter einer “Paywall” - das Angebot an hochwertigen Audio-Inhalten war wohl noch nie so groß wie jetzt.

    Podcast-Empfehlungen gibt es auch jede Woche im Podcast-Newsletter von Bayern 2.