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Podcasts: Boom, Hype oder Trend? | BR24

© dpa/pa/Stephan Jansen

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Podcasts: Boom, Hype oder Trend?

Seit Jahren liegen Audio und vor allem Podcasts im Trend - schon gut ein Viertel aller Deutschen hört laut einer Studie regelmäßig Podcasts. Auf den Münchner Medientagen wurde deutlich: Die Kommerzialisierung der Angebote schreitet voran.

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Podcasts sind in aller Munde. Auf den Münchner Medientagen gibt es sogar eine Masterclass, also einen Workshop, der sich damit beschäftigt. 40 Leute lauschen interessiert. Auf die Frage, warum Podcasts so beliebt sind, gibt es viele Antworten.:

"Ich finde es einfach das bessere Radio" - "Weil es nicht so schwer ist, selber zu machen." - "Aber ich finde es abgesehen vom aktiven Hören auch ein schönes Begleitmedium" - "Mit Podcasts kann man sich ja auch weiterbilden." Besucher der Medientage zum Thema Podcasts

Rob Szymoniak war jahrelang beim Radio. Jetzt hat er eine eigene Podcast-Firma. Sie berät, wie man Podcasts am besten produziert. Er erklärt: "Der Podcast-Markt hat sich vor allem in den letzten zwei Jahren rasant entwickelt. Vor allem im deutschsprachigen Raum." Großbritannien und USA seien "Laber-Völker", die "hören sich gerne reden", das sei eine ganz andere Kultur.

Umso erstaunlicher ist es für Szymoniak, dass die Podcast-Welle jetzt auch im deutschsprachigen Raum ankommt beziehungsweise eine neue Entwicklung nimmt. Im Übrigen müssten sich deutsche Produktionen überhaupt nicht verstecken.

26 Prozent der Deutschen hören Podcasts

Der Podcast-Boom ist eigentlich nicht neu in Deutschland. Nur jetzt haben sich Podcasts langsam aus der Fan-Nische emanzipiert. Nach einer neuen Umfrage des Branchenverbandes Bitkom gaben 26 Prozent der Deutschen an, Podcasts zu hören. Vor allem bei den Jungen Leuten sind sie enorm beliebt. Rob Szymoniak hat einen Erklärungsversuch, warum Podcasts auch bei Jungen so gut funktionieren:

"Durch Instagram und Facebook und so scrollen, drei bis sieben Sekunden Aufmerksamkeitsspanne. Das ist denen einfach zu viel, einfach zu krass. Sie wollen bewusst was Ruhiges haben. wo sie sich 20 oder 50 Minuten darauf konzentrieren können." Rob Szymoniak, Podcast-Experte

Werbemarkt macht Millionen mit Podcasts

Boom, Hype, Trend oder eigentlich schon angekommen? Womöglich alles auf einmal. Das zeigen andere Zahlen aus dem Markt. In den USA stiegen die Werbeeinnahmen im Podcast-Markt um die Hälfte auf 479 Millionen Dollar.

Gabor Steingarts "Morning Briefing" ist einer der reichweitenstärksten Podcasts in Deutschland. 400.000 Downloads pro Woche soll er haben. Täglich die neuesten Nachrichten mit Hintergründen, Interviews und Analysen mit Musik untermalt. Häppchenweise. Acht Journalisten sollen sich jeden Tag um den Podcast kümmern. Bei den Hörern kommt das an.

Erfolg mit Nischenthemen

Aber man kann auch mit Spezialthemen Erfolg haben. Wie mit dem Podcast von PULS, dem jungen Content Netzwerk des BR. Der Podcast "Schacht und Wasabi" kümmert sich nur um den deutschen Rap. Der Podcast ist erfolgreich. Florian Meyer-Hawranek ist bei PULS der sogenannte "Head of Content". Er erklärt: "Dann manchen wir einen Podcast, der sich nur an Deutschrap-Fans wendet. Dann kriegen die wöchentlich ihre Updates. Dann kriegen die da ihre Infos. Und alle, die Deutschrap nicht interessiert, für die ist es nichts. Es ist ein gezieltes Angebot auf ein gezieltes Bedürfnis." Das sei der Unterschied zu früher; das sei auch der "wichtigste Schritt, den man mal erkennen muss".

Kommerzialisierung der Podcasts

Podcasts sind für viele fester Bestandteil ihres täglichen Lebens. Die Professionalisierung und damit auch die Kommerzialisierung werden immer deutlicher. Viele Podcasts gibt es nur noch bei Spotify oder anderen exklusiven Partnern. Der Musikanbieter hat dieses Jahr satte 230 Millionen Dollar für zwei Podcast-Firmen ausgegeben.

Ein deutliches Zeichen, findet auch Florian Meyer-Hawranek von PULS: "Das wird viel kommerzieller. Man sieht ja auch, wer da mit einsteigt: Das sind nicht mehr nur die klassischen Radio- oder Audioanbieter. Das sind Verlage, das sind große Medienhäuser - Pro Sieben, Sat.1, RTL - die erkennen: Das ist quasi Audio im Netz und damit lässt sich Geld verdienen."

Was da noch passieren wird, sei spannend. Florian Meyer-Hawranek aber ist sich sicher: Weggehen wird das Thema nicht mehr.

© BR

Auch Journalisten müssen sich immer wieder an die eigene Nase fassen und ihre Arbeit kritisch hinterfragen. So geschehen auf den Medientagen in München. Dort diskutierten Experten intensiv über die Frage: Wie halten wir es mit der Haltung?