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ūüéß Umbruch - Leben und sterben in Zeiten der Digitalisierung | BR24

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Gibt es bald einen Facebook-Friedhof?

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ūüéß Umbruch - Leben und sterben in Zeiten der Digitalisierung

Das Thema Tod ist so alt wie die Menschheit. Wie aber um die Verstorbenen getrauert wird, das ver√§ndert sich. Heute gedenkt man der Toten oft im Netz - und das hat Folgen. F√ľr die Angeh√∂rigen, aber auch f√ľr soziale Netzwerke wie Facebook & Co.

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Menschen sterben, das war schon immer so. Wie aber um Verstorbene getrauert wird, das hat sich √ľber all die Jahrhunderte ver√§ndert und ist auch von Kultur zu Kultur unterschiedlich. In den letzten Jahren ist aber ein rasanter Wandel zu beobachten und der hat eine Menge mit dem Internet zu tun, sagen Internetforscher.

"Im 20. Jahrhundert war Trauer und Tod meist etwas Privates und Verborgenes. Aber mit dem Aufkommen der sozialen Medien geht diesbez√ľglich ein kultureller Wandel einher, Menschen trauern nun sehr viel √∂ffentlicher. Sie suchen die Social Media-Profile von Verstorbenen auf und kommunizieren dann manchmal mit dem Verstorbenen." - Carl √Ėhman, University of Oxford

Facebook: Wird es zum "digitalen Friedhof"?

2,4 Milliarden Menschen nutzen weltweit beispielsweise Facebook. 2,4 Milliarden Menschen, die krank werden k√∂nnen, √§lter werden und irgendwann sterben. Carl √Ėhman sagt, Mark Zuckerberg und Co. werden sich etwas einfallen lassen m√ľssen. Im Mai 2019 hat er eine Studie vorgelegt, in der er herausfinden wollte, wann es auf Facebook mehr Tote geben k√∂nnte, als Lebende. √Ėhman geht davon aus, dass in 50 Jahren ein Gro√üteil der Facebook-Profile toten Menschen geh√∂ren werde. Aber Facebook wird aus kommerziellen Erw√§gungen ein Interesse daran haben, das Reich der Toten von dem der Lebenden zu trennen.

Ein riesiger, digitaler Friedhof, mit Milliarden Profilen von Toten, die hier ihre letzte Ruhe finden, das also k√∂nnte Facebook in einigen Jahrzehnten sein. Facebook selbst gibt sich bei dem Thema eher zugekn√∂pft. Auf Anfrage m√∂chte man sich lieber nicht √§u√üern, aber immerhin versorgt einen der Konzern mit ein paar Zahlen. Insgesamt g√§be es mittlerweile einige hunderttausende Profile toter Facebook-Kunden, 30 Millionen Menschen w√ľrden solche Profile jeden Monat besuchen, um zu trauern.

Wie umgehen mit den Daten von Verstorbenen?

Das Problem: Das Friedhofswesen ist in der Regel Sache der öffentlichen Hand. Facebook hingegen ist ein börsennotiertes Unternehmen. Das ist sollte man immer bedenken. 

‚ÄěFacebook m√∂chte Geld verdienen. Profile von Toten bringen aber kein Geld, also werden sie m√∂glicherweise irgendwann einmal die Nutzer zur Kasse bitten, damit die Profile ihrer verstorbenen Angeh√∂rigen nicht gel√∂scht werden. Vielleicht werden solche Profile auch einfach gel√∂scht oder, schlimmer noch, verkauft. Tote k√∂nnen sich nicht auf den Datenschutz berufen. Es gibt also gewisse Risiken, den digitalen Tod, und alles was damit zusammenh√§ngt, einem kommerziellen Unternehmen zu √ľberlassen.‚Äú - Carl √Ėhman, University of Oxford

Wie also Facebook & Co. mit dem Gedenken Verstorbener umgeht, wird in Zukunft immer wichtiger werden. Und damit auch die Frage: Wem geh√∂rt das, was von uns am Ende √ľbrig bleibt?

Unser Podcast Umbruch erscheint alle vier Wochen. Zu finden ist er hier oder √ľberall wo¬īs Podcasts gibt.