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Podcast "Umbruch": Roboter als Dienstleister in Bett und Fabrik | BR24

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Metropolis Photoshooting mit Sarah Specker als Menschmaschine und Paul Skupin als Käufer des Roboters

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    Podcast "Umbruch": Roboter als Dienstleister in Bett und Fabrik

    Die Robotik macht Fortschritte, Maschinen übernehmen immer mehr Tätigkeiten. Sie sollen zum Beispiel als Sex-Roboter unser Leben bereichern oder als Fabrik-Roboter den Standort Deutschland sichern. Das verändert Gesellschaft und Arbeitswelt.

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    Was ist eigentlich ein Sex-Roboter? Zählen Hightech-Druckwellen-Vibratoren, die sich per Smartphone steuern lassen, bereits dazu. Oder sind es androide Puppen für männliche Bedürfnisse. Rein optisch zählt man wohl eher letzteres zur Robotik. Wobei sich Sex-Roboter derzeit noch stark an der Pornoindustrie orientieren. Das sei ein Problem, glaubt etwa Tanja Kubes, die an der TU Berlin arbeitet und dort in einem Forschungsprojekt der Frage nachgeht, welche Geschlechterstereotypen, Sexismen und Rassismen über Erotik-Maschinen entstehen. Sie hat dabei beobachtet, dass Sex-Roboter fast immer mit den klassisch-weiblichen Attributen ausgestattet werden, die sich angeblich alle Männer wünschen: riesige Oberweite, volle Lippen, super-schmale Taille, lange Haare, schlanke Beine.

    Laszive Mimik- viel mehr geht nicht

    Wobei die aktuellen Modelle eher entmenschlicht wirken. Sie können nur ihren Kopf bewegen. Der Körper ist der einer starren Puppe, der zur Benutzung erst einmal in die gewünschte Position gebracht werden muss. Das heißt, der Roboter kann niemanden anfassen, streicheln oder ähnliches. Lediglich der Kopf des Sex-Roboters hat etwas mehr zu bieten. Hier gibt es verschiedene Gesichtsausdrücke, Augen und Mund bewegen sich beim Sprechen und es wird möglichst eine laszive Mimik simuliert.

    Es gibt viel Kritik an solchen Sex-Robotern. Ein Vorwurf: solche Modelle, bei denen es vor allem um typische Geschlechtsmerkmale geht, stellen eine Rolle rückwärts in den Emanzipationsbemühungen dar. Frauen werden als willige Paarungsobjekte dargestellt. Eine weitere Sorge ist, dass: durch Sex-Roboter, wie sie derzeit hergestellt werden, gesellschaftliche Tabus aufgeweicht werden, wenn nicht schnell wichtigste Fragen geklärt werden:

    "Ist es möglich, einen Roboter zu vergewaltigen, oder sollte ein Roboter sexuellen Handlungen zustimmen können? Wie jung dürfen Sex-Roboter aussehen?" Dr. Tanja Kubes, TU Berlin

    Roboter für mehr Selbständigkeit im Alter

    Den Begriff Pflegeroboter mögen viele Forscher nicht so gerne, weil das ihrer Ansicht nach eher abschreckt. Auch der Münchner Robotik-Professor Sami Haddadin versucht die modernen Helfer eher als tapsige, niedliche Blechbüchsen auf Rädern zu konstruieren und lässt sich dabei vom Roboter Marwin aus dem Film „Per Anhalter durch die Galaxis“ inspirieren. Derzeit baut Haddadin in Garmisch-Partenkirchen ein Institut für Geriatronik auf. Diese neue Disziplin versucht Geriatrie und Robotik zusammenzubringen. Im Forschungszentrum wurde eine vollständig eingerichtete Musterwohnung aufgebaut. Hier testen Haddadin und seine Mitarbeiter, wie die automatischen Helfer älteren Menschen zur Hand gehen können. Das reicht vom Zudecken in der Nacht, wenn die Decke runtergerutscht ist über Getränkeholen bis hin zum Kaffee kochen und Pizza im Ofen aufbacken. Alle diese Tätigkeiten wurden schon erfolgreich getestet.

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    Der Roboter Marvin als Vorbild für künftige Pfelegeroboter

    In Zukunft soll Garmi, wie der Pflegeroboter in Garmisch-Partenkirchen heißt, auch beim Waschen oder beim Gang zur Toilette helfen. Manche Dinge, die ältere Personen als unangenehm oder peinlich empfinden, wenn sie sie mit einer menschlichen Pflegekraft machen müssen – die sie ja meist noch nicht einmal richtig kennen – könnten künftig mit einem Roboter erledigt werden. Die Idee ist, älteren Menschen mit Hilfe der Maschinen wieder etwas mehr Selbständigkeit zurückzugeben.

    Roboter durchdringen die Fabriken

    Deutschland liegt, beim Einsatz von Robotern im internationalen Vergleich, ziemlich weit vorne. Einer Studie zufolge kommen hierzulande auf 10.000 Arbeitskräfte im Schnitt 338 Roboter. Deutschland landet damit auf Platz drei, hinter Singapur und Südkorea und hat inzwischen sogar Japan überholt. Die USA zum Beispiel, sind mit nur gut 200 weit abgeschlagen.

    Bayern ist, was den Einsatz von Robotern angeht, dabei besonders aktiv. Viele große und mittelständische Unternehmen haben eine hochautomatisierte Fertigung. So lässt der Getränkeabfüllanlagenhersteller Krones in seinen Produktionshallen fertige Maschinenteile von sogenannten FTS-Fahrzeugen vom jeweiligen Arbeitsplatz abholen und zur nächsten Station oder in einen LKW zum Abtransport bringen. Wenn sich ein Mensch in die Fahrbahn dieser Roboterwägen stellt, hält er automatisch an und gibt ein Warnsignal ab. Damit zählen diese Wägelchen zu einer neuen Form von Robotern, den sogenannten kollaborativen Robotern, also Robotern, die mit Menschen zusammenarbeiten können.

    Wo Roboter an ihre Grenzen stoßen

    Die Branche, die am meisten auf Roboter setzt, ist das Autogewerbe. Beim Bau der PKWs gibt es Tätigkeiten, die zwar komplex sind, aber sich ständig in exakt der gleichen Form wiederholen, wie etwa Schweißen oder Verschrauben.

    In Logistikzentren, etwa bei Amazon, werden Roboter zwar auch eingesetzt. Dort holen sie ganze Regale, in denen ein Artikel liegt, der verschickt werden soll, und halten diese Regale menschlichen Arbeitnehmern zum Verpacken hin. Die Waren in den verschiedenen Größen in Kartons hineinzulegen und mit Packband zu verschließen, das können die Roboter allerdings nicht.

    Was auch nicht funktioniert, ist der Einsatz von Robotern in Wäscherein. Hemden, Hosen und Jacken sehen alle anders aus. Außerdem sind Kleidungsstücke nie genau gleich groß. Und: Kleidung ist labbrig und nicht fest, damit kommen Roboter nicht klar. Zwei Beispiel, die schnell klar machen, wo die Grenzen sind.

    „Der Roboter ist der Hammer von heute, nicht weniger aber auch nicht viel mehr.“ Prof. Sami Haddadin, TU München

    Neue anspruchsvollere Tätigkeiten für Arbeitnehmer

    Insofern sollte man Roboter auch nicht überschätzen, wenn es um die Frage geht, ob sie uns Menschen bald alle Arbeit wegnehmen werden. Professor Wolfgang Dauth, Arbeitsmarktforscher an der Uni Würzburg, versucht herauszufinden, wie Roboter unsere Arbeitswelt verändern werden. Eines seiner zentralen Ergebnisse: es bleibt genug Arbeit übrig, aber sie wird anspruchsvoller. Menschen werden in den Fabriken immer weniger schrauben, schweißen, lackieren und zusammenstecken, dafür aber öfter in Computer Aufgaben eingeben, die die Roboter als nächstes ausführen sollen, sie werde die Roboter überwachen und wenn etwas schief läuft eingreifen.

    Die große Frage ist nun, ob der Übergang, von den einfachen zu komplizierten Tätigkeiten reibungslos klappen kann, also, ob alle Leute in einer Fabrik in der Lage sind, sich schnell genug fortbilden zu lassen, um den Wandel mitzugehen. Darauf wissen Arbeitsmarktforscher derzeit leider noch keine klare Antwort.

    Die aktuelle Folge des Podcasts Umbruch "Roboter als Sex-Dienstleister und Fabrikarbeiter" gibt´s hier.