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Podcast boomt: Internationale Trends | BR24

© BR/Jonathan Schulenburg

Seit Jahren liegen Audio und vor allem Podcasts im Trend. Kaum eine Woche ohne neue Podcasts. Das merken nicht nur die Hörer, sondern auch diejenigen, die damit Geld verdienen wollen: Denn der Werbemarkt will auf den Podcast Zug aufspringen.

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Podcast boomt: Internationale Trends

Seit Jahren liegen Audio und vor allem Podcasts im Trend. Kaum eine Woche ohne neue Podcasts. Das merken nicht nur die Hörer, sondern auch diejenigen, die damit Geld verdienen wollen: Denn der Werbemarkt will auf den Podcast Zug aufspringen.

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Der Podcast ist auf dem Vormarsch. Gerade junge Leute hören sich gerne - auch unterwegs - vorproduzierte Sendungen an. Für manche ist es sogar fast schon das "bessere Radio", auch weil es keine Werbeunterbrechungen gibt. Vor allem gefällt den Usern, dass sie nach Themenschwerpunkten suchen können. Auch beim Autofahren schätzen sie es, sich gezielt etwas mitzubringen und sich mit Podcasts weiterzubilden.

Mehr als ein Viertel der Deutschen hört Podcasts

Podcasts haben sich aus der kleinen Fan-Nische heraus ins Rampenlicht geschmuggelt. In Deutschland sind es mittlerweile 26 Prozent der Bevölkerung, die Podcasts hören. In den USA sogar noch mehr: Da hört ein Drittel mindestens einen Podcast im Monat.

"Personalisierung" heißt das Zauberwort

NPR, das gemeinnützige Radio in den USA, versucht sich auf neuen Wegen und experimentiert mit Sprachassistenten und Podcasts. So brachten sie ihre erfolgreiche Quiz Show "Wait Wait ... don’t tell" auch als interaktives Quiz für Smart-Speaker raus.

"Wir bei NPR wollen eine Atmosphäre schaffen, in der der Nutzer nur Play drücken oder sagen muss. Anders als beim Radio können wir jetzt Algorithmen nutzen, um Inhalte zu personalisieren. Natürlich in einer verantwortungsvollen Weise, ohne Filter-Bubble." Tamar Charney, NPR

Die modernen Plattformen bieten die Möglichkeit auszuwählen, zum Pause drücken oder zum Vorspulen, so Charney. Aber nicht so, dass man davon überfordert wäre, man muss kein Radiomacher sein.

Podcast für fast jedes Thema

Auch in Deutschland will jeder Podcasts machen: Der TÜV-SÜD z.B. macht einen "Safety First"-Podcast. Ratgeber benennen "Sechs Schritte zum erfolgreichen Podcast". Sogar einen speziellen Podcast zur Darts-WM gibt es. Manche Podcasts dauern zwei Stunden, andere fassen in 15 Minuten die wichtigsten Informationen zusammen.

Einer der größten Podcast Dienstleister weltweit ist Acast. Stefan Zilch war vorher bei Spotify und soll nun bei Acast deutschsprachigen Content aufbauen.

"Der Podcast ist meiner Meinung nach tatsächlich das, was ein Blog ist oder was früher Fachzeitschriften gemacht haben - also Special-Interest-Angebote. Ich finde einen Podcast für fast jedes Thema." Stefan Zilch, Acast

BR-Therapie-Podcast

Zur Selbstfindung zum Beispiel. Beim Psychologie-Podcast "Die Lösung" von puls, dem Jungen Angebot beim BR, legt sich jede Woche jemand anderes auf die Therapie-Couch und spricht dort über seine echten Probleme und echten Gefühle. Lena Schiestel, eine Diplom Psychologin, kann die Probleme einordnen und gibt dabei Tipps für alle, denen es ähnlich geht.

12.000 neue Nachrichten-Podcasts 2019

Es wird viel experimentiert - auch bei den Öffentlich-Rechtlichen. Und weltweit: Allein 2019 sollen zwischen Januar und Oktober 12.000 neue Nachrichten-Podcasts dazugekommen sein. Das zeigt eine Analyse des Unternehmens Chartable. In Deutschland ist Gabor Steingarts "Morning Briefing" einer der erfolgreichsten Podcasts überhaupt mit 400.000 Downloads pro Woche.

Das Problem: Bei Podcasts ist die Reichweiten-Messung noch nicht ausgereift, sagt Stefan Zilch vom Podcast-Dienstleister Acast. Manche faken auch, um für die Werbegelder Traffic zu generieren.

Auch der Werbemarkt bei Podcasts wächst

NPR hat angekündigt, dass sie 2020 mit Podcasts erstmals mehr Umsatz machen werden als mit dem traditionellen Radio. Und der Markt in den USA wächst und wächst. Der Werbemarkt bei Podcasts soll im nächsten Jahr rund 660 Millionen Dollar erreichen.

Beim Podcast bleibt der Hörer länger dran als bei anderen Medien

Podcasts sind für die Werbung enorm interessant. Die Verweildauer der Hörer ist länger als beim Fernsehen oder Radio und die Bereitschaft, Werbung zu hören auch. Im Moment sieht es so aus, dass Werbeverbände einen Standard zur Reichweiten-Messung festlegen wollen. Dann soll es valide Abrufzahlen geben.

"In dem Moment, wo die Reichweitenmessung zertifiziert und transparent ist, werden wir einen enormen Zuwachs an Werbeeinnahmen sehen. Dann kommen wir dahin, wo die USA heute schon sind." Stefan Zilch, Acast

Das Golden Age of Audio lockt also auch das große Geld. Viele Podcasts gibt es nur noch bei Spotify oder anderen exklusiven Partnern hinter Bezahlschranken. Der Musikanbieter hat dieses Jahr ganze 230 Millionen Dollar für zwei Podcastfirmen ausgegeben. Ein wegweisender Schritt in die glorreiche Podcast-Zukunft.