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Pisa-Sonderauswertung: Deutsche Schulen sind digital hintendran | BR24

© dpa/Marijan Murat

In Sachen Digitalisierung hat Deutschland laut der Pisa-Studie 2018 einigen Nachholbedarf.

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    Pisa-Sonderauswertung: Deutsche Schulen sind digital hintendran

    Was viele, gerade während der Corona-Krise, schon ahnten und mahnten, ist nun wissenschaftlich bestätigt: Deutschlands Schulen hinken digital hinterher. Das zeigt eine neue Auswertung der letzten Pisa-Studie. Doch Corona scheint etwas zu bewegen.

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    ...und dann waren die Schulen zu. Ab 16. März 2020 blieben Bayerns Schulen wegen der Corona-Krise geschlossen. Schüler sollten zuhause lernen, es gab Abschlussprüfungen und erste Präsenzphasen, aber erst seit September läuft der Unterricht wieder einigermaßen regulär.

    Viel Zeit für Eltern, Lehrer, Schüler und Politik, um zu erkennen, dass Deutschlands Schulen in Sachen Digitalisierung einiges aufzuholen haben. Fehlende Ausstattung, mangelndes Know-How bei Schülern und Lehrern, ungeklärte Fragen bei Datenschutz und Sicherheit wurden benannt. Eine aktuelle Sonder-Auswertung der letzten Pisa-Studie 2018 (veröffentlicht am 29. September 2020) bestätigt einen Teil der Probleme nun nochmals wissenschaftlich.

    Deutschland unter OECD-Schnitt

    So wurden 2018 Schulleiter in 79 Staaten zu verschiedensten Bildungsthemen weltweit befragt, auch zur materiellen Ausstattung ihrer Schulen mit digitalen Mitteln. Deutschland schneidet hier quasi durchweg unterdurchschnittlich ab.

    So hatten zum Zeitpunkt der Erhebung laut der Studie nur 33 Prozent der Schüler Zugang zu einer Online-Lernplattform. Im Schnitt der OECD*-Länder waren es 54 Prozent, Schulleiter in Ländern wie Singapur oder Dänemark konnten knapp 90 Prozent Verfügbarkeit angeben.

    Wenige Computer, weniger Kompetenz

    Auch was Geräte angeht, zeigen die Zahlen für Deutschland unterdurchschnittliche Verfügbarkeiten. So kamen laut der Schulleiterbefragung 2018 in Deutschland 0,6 Computer auf einen Schüler. In Luxemburg und Großbritannien kommen 1,6 beziehungsweise 1,5 Computer auf einen Schüler. Im Schnitt der OECD-Staaten sind es 0,8.

    Hinzu kommt das Problem, dass die Lehrkräfte auch bei vorhandener Ausstattung nicht zwingend für den Einsatz der digitalen Mittel geschult sind. Nur 40 Prozent der deutschen Schüler besuchten demnach 2018 eine Schule, an der den Lehrern - laut der Schulleitung - ausreichend digitale Fortbildung zur Verfügung standen. In Singapur gaben dagegen 90 Prozent der Schulleiter an, dass ihre Lehrkräfte solche Fortbildungen nutzen könnten.

    Mehr PCs heißt nicht bessere Schüler

    Den einfachen Schluss, dass mehr verfügbare Computer direkt zu besserer Leistung im Pisa-Test führen kann man jedoch nicht machen. Laut dem Sonderbericht der Pisa-Studie schneiden in manchen Ländern Schüler mit mehr verfügbaren PCs an der Schule besser ab, in anderen wiederum schlechter.

    Das liegt laut dem Sonderbericht eben auch daran, dass Lehrer nicht entsprechende angeleitet werden, wie sie die neuen Geräte in der Praxis einsetzen können.

    Corona machte diese Probleme klar

    Will man einen positiven Effekt der Corona-Krise finden, kann man wohl unter anderem darauf verweisen, dass sie die digitalen Probleme deutscher Schulen auch schon vor dem Pisa-Sonderbericht deutlich offenbarte. Und dass dies wiederum die Politik durchaus zu einigen Entschlüssen und Absichtserklärungen bewegte.

    Schulgipfel im Kanzleramt ergaben etwa, dass jeder Lehrer von seinem Arbeitgeber, dem Staat, mit einem Dienst-Laptop ausgestattet wird und, dass Schülern ein relativ günstiger Zugang zum Internet garantiert werden soll.

    „Digitaler Turbo“ soll zünden

    Auch die in Sachen Schulbildung federführenden Bundesländer wurden aktiver. Bayerns Staatsregierung nennt das plakativ einen „digitalen Turbo“. Bund und Land wollen bis 2024 zwei Milliarden in die Digitalisierung der Schulen stecken.

    Vorgesehen sind etwa professionelle IT-Systemadministratoren an den Schulen, ein Schulrechenzentrum und mehr Leihgeräte für Schüler und Lehrer. Auch die Lernplattform MEBIS soll aufgebohrt und erweitert werden mit Lernvideos, Podcasts und vor allem auch der Möglichkeit zu Videokonferenzen, die Schulen während der Corona-Pause vor große Probleme stellten.

    Hinzu kommen Lehrerfortbildungen. Gerade im Bereich Distanzunterricht. So startete einen Tag vor dem bayerischen Schulbeginn ein für Lehrer verpflichtendes Online-Seminar mit Titel „Lernen zu Hause“.

    * die OECD ist die Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung. Ihr gehören aktuell folgende 37 Staaten an: Belgien, Dänemark, Deutschland, Frankreich, Griechenland, Irland, Island, Italien, Kanada, Luxemburg, Niederlande, Norwegen, Österreich, Portugal, Schweden, Schweiz, Spanien, Türkei, Vereinigte Staaten, Vereinigtes Königreich, Japan, Finnland, Australien, Neuseeland, Mexiko, Tschechien, Südkorea, Ungarn, Polen, Slowakei, Chile, Slowenien, Israel, Estland, Lettland, Litauen (seit 2018), Kolumbien (seit 2020)

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