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Petfluencer: Das gruselige Geschäft mit den Internet-Tieren | BR24

© www.instagram.com/wilfredwarrior Screenshot: BR

Der Kater Wilfred Warrior

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    Petfluencer: Das gruselige Geschäft mit den Internet-Tieren

    Flirrender Blick, zerzaustes Fell – und irre erfolgreich: Der Kater Wilfred Warrior mutiert gerade zum Instagram-Star. Er ist nicht der erste „Petfluencer“, dem Tausende folgen. Doch der Preis der Instagram-Tauglichkeit ist manchmal Tierquälerei.

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    87.000 Menschen folgen dem Kater Wilfred Warrior gerade auf Instagram. Das ist weniger als bei anderen „Petfluencern“, wie die tierischen Pendants zu sogenannten den menschlichen „Influencern“ genannt werden. Dem possierlichen Wuschelhund Boo folgen beispielsweise eine halbe Million Menschen, der grimmigen Katze Grumpy Cat, dem Inbegriff des tierischen Internet-Stars, 2,4 Millionen. Der Igel Mr. Pokee hat es schon auf 1 Millionen Follower gebracht, der Mops Doug the Pug auf 3,6 Millionen.

    Das Internet-Tier der Stunde, doch zu welchem Preis?

    Trotzdem: Wilfred Warrior ist das Internet-Tier der Stunde. Vor einigen Tagen wurde ein Video hochgeladen, das zeigt, wie der Kater eine Frau erschrickt und das bereits über 840.000 mal angeklickt wurde. Die wachsende Popularität verdankt das Tier dabei vor allem seinem irritierenden Äußeren: Der Kater sieht recht verstörend aus mit seinem zerzausten Fell und seinem fiebrig-flirrenden Blick. Das macht Wilfred Warrior zu etwas Besonderem – und das wiederum könnte sich für die Besitzerin auszahlen.

    Denn das Geschäft mit den perfekt ins Szene gesetzten Petfluncern boomt. Längst gibt es Agenturen, die sich auf die Vermarktung von fotogenen Internet-Tieren spezialisiert haben. Alleine Grumpy Cat soll angeblich seit 2012 einen Umsatz von 100 Millionen Dollar generiert haben, der Hund Boo immerhin ganze sechs Millionen. Oft verdienen die Tiere Geld mit Marketing-Aktivitäten, der Igel Mr. Pokee beispielsweise findet sich auf Handyhüllen und Tassen. Doch das Petfluencer-Business ist hart, manchmal sogar so hart, dass es womöglich an Tierquälerei grenzt.

    Leid für Likes

    Oft wird Tieren Leid zugefügt, um an Likes zu kommen: 2012 sorgte das Video eines scheinbar entspannt sitzenden Frosches für viele Klicks. Tierschützer allerdings wiesen darauf hin, dass dies keine natürliche Haltung für ein solches Tier sei, möglicherweise sei der Frosch betäubt worden. Und in Argentinien starb ein Delphin-Junges, weil Touristen das Tier für Selfies an den Strand schleppten. Ähnlich erging es einem Hai.

    Erst im August sorgte ein zweifelhafter Trend aus Südkorea für Kontroversen: Hunde werden so klein gezüchtet, bis sie in eine Kaffeetasse passen, aus denen sie dann Instagram-gerecht über den Rand in die Kamera lugen - was gut für die Like-Sammlung sein mag, aber schlecht für die Tiere. Stichwort „Qualzucht“. Auch Wilfred Warrior könnte in eine bestimmte Richtung gezüchtet worden sein, meint Lea Schmitz, die Pressesprecherin der Deutschen Tierschutzbundes. Der Kater weise eine ausgeprägte Kurzköpfigkeit und den hervorstehen Augen auf, was auf ein brachyzephales Syndrom hinweise. Häufige Folgen: Gebissanomalien, Hautentzündungen und Atemnot.

    Schmitz sieht den Trend zu den Petfluencern generell kritisch: „Tieren Kleidung anzuziehen, sie in Angst- oder Gefahrensituationen zu bringen, sie in ihrem Wach- und Ruherhythmus zu stören oder sie ihrer Artgenossen zu berauben, nur damit Menschen sich daran belustigen können, ist inakzeptabel“, so die Sprecherin des Deutschen Tierschutzbundes. Besonders kritisch sei die Jagd auf Likes vor allem dann, wenn es sich bei dem Petfluencer nicht um ein Haustier, sondern um ein Wildtier handele. Das sei auch bei Weißbauchigel „Mr. Pokee“ der Fall. Viele Bilder seien im Freien bei Tage entstanden, obwohl Weißbauchigel nachtaktive Tiere sind, die tagsüber schlafen. Auf keinem Bild sehe man das Tier in einer Umgebung, die seinem natürlichen Habitat entspricht.

    Vor allem die Tatsache, dass mit Petfluencern gutes Geld verdient werden kann, sorgt möglicherweise dafür, dass die Tiere immer öfter vermenschlicht und unnatürlichen Situationen ausgesetzt werden. Tierfreunde sollten solche Fotos und Video zunächst hinterfragen, oft finden sich auch in den Kommentaren auch Hinweise, die dann dazu führen, dass man nicht mehr auf "Like" klicken möchte.