Explosionen auf dem Luftwaffenstützpunkt Saki auf der von Russland annektierten Krim

Explosionen auf dem Luftwaffenstützpunkt Saki auf der von Russland annektierten Krim

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    OSINT: Wie öffentliche Daten den Nebel des Krieges lichten

    OSINT: Wie öffentliche Daten den Nebel des Krieges lichten

    Satellitendaten, Handydaten, Videos: Im Internet werten Experten öffentliche Daten zum Ukraine-Krieg aus. Sie helfen dabei zu verstehen, was militärisch vor Ort passiert – und entlarven manche Kriegslüge.

    Als kürzlich gewaltige Explosionen den Luftwaffenstützpunkt Saki auf der von Russland annektierten Krim erschüttern, da ist die Verwirrung groß: Haben die ukrainischen Streitkräfte neue Waffensysteme mit mehr Reichweite? Handelt es sich um eine Sabotage-Aktion? Oder, wie Russland zunächst behauptet, um einen Unfall? Was genau auf der Krim passiert ist und was die anderen Explosionen auf der Halbinsel verursacht hat, die in den Tagen darauf folgen, ist immer noch unklar. Was man aber weiß ist, dass bei der Explosion mindestens sieben Kampfjets zerstört wurden, auch wenn Russland zunächst behauptete, kein einziges Flugzeug sei beschädigt worden.

    Was früher nur Gehemindiensten zugänglich war, steht nun sehr viel mehr Menschen offen

    Dass heute der Nebel des Krieges schneller gelüftet werden kann als vor einigen Jahren, das hat viel mit OSINT zu tun. OSINT, das steht für "Open Source Intelligence" und steht in der Welt der Nachrichtendienste für eine besondere Form der Informations-Gewinnung. Hier verschafft man sich mit Hilfe von öffentlich zugänglichen Daten ein Bild. Die Daten stammen dabei beispielsweise aus sozialen Medien, aber auch Google Maps oder, wie im Fall der Explosionen auf der Krim, Satellitendaten. Früher waren solche Daten nur Geheimdiensten und anderen staatlichen Stellen zugänglich, mittlerweile aber kann jeder auf solche Quellen zugreifen.

    OSINT ist auch eine Community

    Mit dem Aufkommen des Smartphones Ende der Nullerjahre ging eine Explosion von öffentlich nutzbaren Daten einher. Smartphones verfügen über Kameras und Mikrophone und man kann mit ihnen direkt Content in die sozialen Netzwerke teilen. Zugleich ermöglicht es das Internet, solche Daten gemeinschaftlich auszuwerten. OSINT bezeichnet also nicht nur eine besondere Form der Nachrichtengewinnung, sondern auch eine Community, die sich auf diesem Feld herausgebildet hat. Und diese Community hilft mit, im Krieg die Lüge von der Wahrheit zu trennen.

    Dank OSINT ist die Wahrheit nicht mehr das erste Opfer des Krieges

    "Und da gibt es im Ukraine-Krieg enorm viele Beispiele dafür, wie diese Community bestimmte Dinge ja sich vorgenommen hat", sagt Frank Sauer, der am Metis Institut für Strategie und Vorausschau arbeitet und den Podcast "Sicherheitshalber" betreibt.

    In den ersten Tagen des Krieges seien beispielsweise Videos kursiert, die von russischer Seite verbreitet worden waren und die Angriffe der ukrainischen Seite zeigen sollten. "Die wurden dann sehr schnell von der OSINT-Community online auseinandergenommen - und zwar innerhalb von wenigen Stunden", so Sauer. Dass der Fake so schnell aufflog, lag unter anderem daran, dass die Tonspur in dem Video komplett identisch war mit der in einem Video, das bereits zehn Jahre alt war. OSINT spielt eine große Rolle dabei, den Nebel des Krieges etwas zu lichten und auch Kriegsverbrechen zu dokumentieren und aufzuklären. So konnte im Fall der Kriegsverbrechen von Bucha mit Hilfe von OSINT-Methoden die Behauptung widerlegt werden, das Massaker sei inszeniert worden.

    Es heißt, im Krieg sei die Wahrheit das erste Opfer. Dank OSINT hat die Wahrheit nun etwas bessere Karten.

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