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Neue Anstöße bei der Organspende: Per Instagram zum Ausweis | BR24

© Junge Helden e.V. / Andre Levy

Eines von verschiedenen Designs für den digitalen Organspendeausweis.

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    Neue Anstöße bei der Organspende: Per Instagram zum Ausweis

    In Deutschland warten etwa 10.000 Menschen auf ein Spenderorgan, in Bayern sind es mehr als tausend. Mit neuen Vorstößen wird versucht, das Thema Organspende zugänglicher zu machen – per Handy und zukünftig auch im Schulunterricht.

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    Deutschland hat zu wenige Organspender, da sind sich Bund und Länder einig. Obwohl die Bereitschaft in diesem Jahr wieder gestiegen ist, warten noch immer tausende Menschen auf ein Spenderorgan. Neue digitale Initiativen versuchen, den Weg zum Organspender jetzt noch einfacher zu gestalten. Auch im bayerischen Schulunterricht soll das Thema künftig mehr im Vordergrund stehen.

    Handy-Hintergrund als Organspendeausweis

    Wer einen Organspendeausweis möchte, kann diesen bequem online ausfüllen und ausdrucken oder kostenlos per Infotelefon Organspende, Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung und der Deutschen Stiftung Organtransplantation bestellen. Viele Apotheken, Krankenhäuser und Vereine stellen die Ausweise ebenfalls bereit.

    Seit rund einer Woche können Instagram-User mit ihrem Handy außerdem einen speziellen Organspendeausweis erhalten und als Wallpaper (Bildschirmhintergrund) festlegen. Das Ganze nennt sich "Life Saving Wallpapers" und ist eine Aktion des Vereins Junge Helden e.V., der seinen Sitz in München hat. Der Ausweis ähnelt dabei jedoch nicht der herkömmlichen Variante. Viele Künstler beteiligen sich an der Aktion und es kann somit zwischen 50 verschiedenen Designs gewählt werden. Eine Anleitung gibt es auf dem Instagram-Kanal, der Vorgang ist jedoch simple: User wählen ein Design, machen ein Bildschirmfoto davon, füllen und unterschreiben es digital und legen es dann als Handy-Hintergrund fest.

    © Junge Helden e.V. / Ekaterina Koroleva

    User müssen ihre Daten im unteren Teil des Ausweis angeben.

    Organisatoren sind zufrieden

    "Die Resonanz ist überwältigend. Allein in den ersten Tagen hat unsere Kampagne über 500.000 User erreicht und unsere Follower-Anzahl verdreifacht. Die Rückmeldungen sind sehr positiv, die User freuen sich darüber, den Ausweis auf so einfachem Weg zur Verfügung gestellt zu bekommen", sagt Angela Ipach, Mitgründerin von Junge Helden e.V.

    Momentan werde überlegt, wie die Aktion auch außerhalb Instagrams zugänglich gemacht werden könne. Die Kampagne ersetze den offiziellen Organspendeausweis nicht, sondern ziele darauf, den Ausweis an das digitale Zeitalter anzupassen, in den Lebensalltag zu integrieren und für Gesprächsstoff zu sorgen, so Ipach.

    Organspende wird Thema im Schulunterricht

    Auch in Bayern soll die Organspende künftig thematisch mehr aufgegriffen werden. Wie die CSU-Landtagsfraktion erklärte, wird das Thema im kommenden Schuljahr Teil des Schulunterrichts sein. Das Bündnis Organspende, das auf eine Initiative der Fraktion zurückgeht, hatte eine entsprechende Resolution zur Änderung des Lehrplans im Kultusministerium eingereicht, die nun angenommen wurde. Ziel sei es, durch entsprechende Aufklärung die generelle Bereitschaft zur Organspende zu erhöhen. Momentan stünden etwa 1.300 Menschen in Bayern auf der Warteliste für ein Spender-Organ.

    "Wir wollen vermeidbare Informationsdefizite zu Transplantationen in Bayern im Schulunterricht angehen. Ethische, medizinische, aber auch rechtliche Fragen zur Organspende werden künftig im Religions- und Ethikunterricht sowie im Fach Biologie diskutiert. In den oberen Jahrgangsstufen haben die Schüler genau das richtige Alter, um sich selbst zu fragen, ob sie bereit wären, ein postmortal gespendetes Organ anzunehmen oder ihre eigenen Organe nach ihrem Tod zu verschenken", sagt Dr. Beate Merk, stellvertretende Vorsitzende des Arbeitskreises Gesundheit und Pflege der CSU-Fraktion.

    Neues Gesetz zur Organspende

    Erst im Januar hatte der Bundestag gegen die von Gesundheitsminister Jens Spahn vorangetriebene Widerspruchslösung gestimmt. Spahns Vorschlag sah vor, dass Personen, die nicht aktiv gegen die Organspende widersprechen, nach ihrem Tod automatisch zum Organspender werden - es sei denn die Angehörigen sind dagegen. Der Vorschlag stieß bei vielen auf Widerstand. Stattdessen wurde für eine Entscheidungslösung votiert. Diese sieht vor, dass Bundesbürger künftig stärker beraten und über Organspenden informiert werden sollen, etwa durch regelmäßige Abfragen bei der Ausweisstelle oder beim Hausarzt.

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