BR24 Logo
BR24 Logo
Startseite
© BR
Bildrechte: BR

Bayerische Verwaltung verschickt verwirrende Mails

Per Mail sharen
  • Artikel mit Audio-Inhalten

Online-Verwaltung – Verwirrung um die BayernID

Die Verwaltung im Freistaat gibt sich digital. Auch die sogenannte BayernID soll helfen, Behördendinge schnell online zu erledigen. Allerdings sind nun reihenweise Mails verschickt worden, die viele Bürger und Bürgerinnen wohl ratlos machen.

Per Mail sharen
Von
  • Christian Sachsinger

Solche Mails, wie sie von der bayerischen Verwaltung in den letzten Tagen kamen, erinnern an Spam oder Schlimmeres. Hackerattacken laufen zum Teil ganz ähnlich ab. Immer wieder wurden nämlich innerhalb kürzester Zeit Nachrichten von einer Adresse verschickt, die man zuvor vielleicht noch nie gesehen hatte: BayernID@digitales-bayern.de. In alarmierendem Ton wurden die User darauf hingewiesen, dass ihr Account demnächst abläuft und sie schnell reagieren müssen. Vier solcher Nachrichten liefen im Minutentakt in den digitalen Briefkästen ein. Auch in der Redaktion von BR24 gab es Betroffene:

© BR
Bildrechte: BR

Mailtext

Panne bei der Systemumstellung

Was also war da los? Zuständig für die BayernID ist die Anstalt für kommunale Datenverarbeitung in Bayern (AKDB). Pressesprecher Florian Kunstein gibt Entwarnung. Das Computer-System sei umgestellt worden und dabei habe man eine automatische Benachrichtigungsfunktion übersehen. Die neue Software stieß ein Prozedere an, das eigentlich im Zuge des Datenschutzes normal ist: nicht benutzte Konten und die dazugehörigen Daten werden nach einem bestimmten Zeitraum gelöscht, zuvor gibt es Warnhinweise. Mit der Software-Umstellung wurde das bei der BayernID nun nachgeholt und alle ungenutzten Konten benachrichtigt. Nur dass die AKDB-Rechner die drei üblichen Warnmails und auch gleich noch den Hinweis, dass das Konto nun gelöscht worden ist, mehr oder weniger in einem Rutsch losschickten.

Es wurden keine Daten gelöscht

Bei den benachrichtigten Nutzern und Nutzerinnen handelte es sich laut dem Pressesprecher nur um solche, die ihr Konto tatsächlich nicht in Verwendung hatten. Sie können die Mails trotzdem erst einmal vergessen, es wurde nichts gelöscht. Die Benachrichtigungsroutine soll noch einmal angestoßen werden, so dass man demnächst wohl erneut Warnmails bekommt – dann aber mit einem Abstand von mehreren Wochen, damit genug Zeit bleibt, sich zu überlegen, ob man die BayernID braucht oder nicht. Inzwischen hat die AKDB auch eine weitere Mail nachgereicht, in der der Vorfall erklärt wird. Darin heißt es unter anderem: "Ihre Daten sind weiterhin gespeichert und Ihre BayernID damit nicht verloren. Sie müssen aufgrund dieser E-Mails keine Befürchtungen über gelöschte Daten haben, Sie können wie gewohnt auf Ihre BayernID zugreifen."

Was bringt die BayernID eigentlich?

Die BayernID ist Teil des Bürgerkontos, über das sich, je nach Landkreis und Gemeinde, mehr oder weniger viele Behördengänge übers Internet erledigen lassen. Laut AKDB gibt es inzwischen rund 120 Anwendungsfälle, wie zum Beispiel Kfz-Zulassung, Beantragung von Briefwahlunterlagen oder Kitaplatz-Bedarfsanmeldung. Im Jahr 2015 hatte Markus Söder, damals noch Finanz- und Heimatminister, den Startschuss für das Bayernportal und damit auch die BayernID gegeben – und dabei übrigens sogar 150 Onlinedienstleistungen versprochen.

Corona schiebt Online-Verwaltung an

Die BayernID dient also dazu, sich im Internet gegenüber Behörden eindeutig zu identifizieren. Die virtuellen Amtsgänge werden laut AKDB immer mehr genutzt. Vor allem die Corona-Pandemie hat den Verwaltungs-Onlinediensten demnach einen kräftigen Schub beschert. Wobei vielen Bürgern und Bürgerinnen wohl auch gar nichts anderes übrig blieb, als ihre Anträge online zu stellen, da viele Behörden ja wochen- und monatelang kaum mehr erreichbar waren.

Die BayernID nutzen inzwischen über 300.000 Personen. Wie viele davon Karteileichen sind, die nun die beschriebene Mailattacke über sich ergehen lassen mussten, konnte die AKDB nicht mitteilen.

"Darüber spricht Bayern": Der neue BR24-Newsletter informiert Sie immer montags bis freitags zum Feierabend über das Wichtigste vom Tag auf einen Blick – kompakt und direkt in Ihrem privaten Postfach. Hier geht’s zur Anmeldung!