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“Online-Spielsucht” – Die wichtigsten Fragen und Antworten | BR24

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Kürzlich hat die Weltgesundheitsorganisation WHO "Online-Spielsucht" offiziell als Krankheit anerkannt. Doch ab wann genau ist man online-spielsüchtig? Und was sagen die Kritiker dieser Entscheidung?

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“Online-Spielsucht” – Die wichtigsten Fragen und Antworten

Kürzlich hat die Weltgesundheitsorganisation WHO "Online-Spielsucht" offiziell als Krankheit anerkannt. Doch ab wann genau ist man online-spielsüchtig? Und was sagen die Kritiker zu dieser Entscheidung?

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Ab wann gilt man als online-spielsüchtig?

Die WHO hat einige Kriterien definiert, um Online-Spielsucht zu charakterisieren. Online-spielsüchtig ist demnach, wer die Kontrolle über sein Spieleverhalten verliert. Also wenn er zu viel spielt oder auch dann mit dem Onlinespiel beschäftigt ist, wenn er eigentlich etwas Anderes tun sollte.

Ein weiteres Kriterium: Spiele bekommen Vorrang vor allen anderen Interessen. Freunde, Arbeit und Gesundheit werden vernachlässigt.

Um Online-Spielsucht zu diagnostizieren, müssen die Symptome mindestens zwölf Monate vorliegen. Bei besonders schweren Symptomen kann der Zeitraum auch kürzer sein. Durch die Entscheidung der WHO sollen Behandlungen in Deutschland leichter möglich sein und von Krankenkassen übernommen werden können.

Wie groß ist das Problem?

Laut dem Verband der deutschen Games-Branche spielen mehr als 34 Millionen Deutsche Computer- und Videospiele, wobei in der Statistik nicht unterschieden wird, ob jemand nur mal schnell mit ein paar Runden Candy Crush die Wartezeit auf den Bus überbrückt oder opulente Blogbuster-Spiele an der Konsole zockt.

Laut einer Studie vom April gelten rund 465.000 Jugendliche als sogenannte "Risikogamer“, welche besonders exzessiv spielen. Problematisch sind auch bestimmte Geschäftsmodelle, die dazu verleiten, besonders viel Geld auszugeben, etwa sogenannte "Lootboxen“.

Dabei handelt es sich um virtuelle Wundertüten, bei denen vorher nicht klar ist, ob man einen besonders wertvollen virtuellen Gegenstand bekommt oder nur wertlosen Tand. Im berühmten Fußballspiel FIFA beispielsweise weiß der Käufer vorher nicht, ob er Ronaldo und Messi ziehen wird - oder doch nur Bankdrücker vom FC Nürnberg. Und anders als früher beim Sammeln von Panini-Bildchen, wird das "Album“ hier nie voll. Jedes Jahre erscheint eine neue Version, bei der man von Null anfangen muss.

In den USA wurde kürzlich eine Senats-Initiative auf den Weg gebracht, um Loot-Boxen zu verbieten. In Deutschland sprechen sich Politiker, aber auch viele Spieler dafür aus, Lootboxen zumindest als Glücksspiel einzustufen.

Gibt es Kritik an der WHO-Entscheidung?

Die Entscheidung der WHO ist in der Fachwelt umstritten. 30 Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler aus den USA und Europa haben sich dagegen ausgesprochen, Online-Spielsucht als Krankheit anzuerkennen. Die Kritik: Die Kriterien, um Online-Spielesicht zu definieren, seien viel zu unkonkret, man laufe Gefahr, viele Spieler unnötig zu pathologisieren.

Es sei zudem nicht einmal richtig klar, was genau ein Online-Spiel ist: Single-Spiele, die man auch online spielen kann, wie etwa das populäre Fußball-Spiel FIFA? Oder Spiele wie World of Warcraft, Online-Rollenspiele also, die aber völlig anders funktionieren als beispielsweise FIFA? Zudem sei Online-Spielsucht ein Verhalten, das sich den Kritikern zufolge nach einiger Zeit von selbst legt, da die meisten exzessiven Spieler irgendwann die Lust an ihrem Spiel verlieren.

Die Zahlen scheinen ihnen recht zu geben: Die Nutzerzahlen von "World of Warcraft“ sind im Laufe der Zeit massiv eingebrochen. Waren es vor zehn Jahren noch 12 Millionen Spieler, die das Fantasy-Spiel spielten, sind es heute nicht einmal mehr 2 Millionen. Dabei galt "World of Warcraft" als die Bildschirmdroge schlechthin und wurde sogar als "Heroin aus der Steckdose“ bezeichnet.

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Wenn das Daddeln am Computer wichtiger wird als Freunde, Job oder sogar Schlafen - dann können das Anzeichen einer Sucht sein. Wann genau bin ich onlinespielsüchtig?