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Die Computerspielebranche kommt auch in Deutschland langsam voran. Interview mit Felix Falk vom Branchenverband Games.

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Online-Games – Deutscher Computerspielepreis geht nach Bayern

Der deutsche Computerspielepreis soll Aufmerksamkeit auf diese hierzulande noch etwas unterentwickelte Branche lenken. Doch es gibt auch wirklich gute und kreative Entwickler. Preisträger diesmal: das "bayerische" Spiel Desperados III von Mimimi.

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Von
  • Christian Sachsinger

And the Oscar goes… nein, nicht ganz. Aber immerhin, der deutsche Computerspielepreis ist schon so etwas wie ein kleiner Oscar für die deutschen Entwickler und Games-Designer. Auch wenn ein Teil der Branche draußen bleiben muss, denn nachdem 2012 mit Crysis 2 von Crytek ein Ego-Shooter-Spiel ausgezeichnet wurde und es dafür Kritik hagelte, kommen mittlerweile nur noch Spiele in die engere Auswahl, die das Prädikat pädagogisch wertvoll verdienen.

Unterwegs im wilden Westen mit Desperados III

Und so hat es diesmal Desperados III von Mimimi aufs Treppchen geschafft, obwohl es auch hier nicht ganz ohne Blutvergießen abgeht. Mimimi Games ist eine Münchner Spieleentwicklungsfirma, gegründet 2008 und seitdem mit einer ganzen Reihe von Preisen ausgezeichnet. Desperados III war dabei besonders erfolgreich. Schon vor dem Computerspielepreis gab es eine ganze Reihe von Titeln. Und das wohl zu Recht, Spieleprofis loben Desperados III als besonders abwechslungsreich und graphisch gelungen.

Man darf sich als Spieler durch eine Wildwestlandschaft schlagen, in der an jeder Ecke neue Gefahren lauern. Um die zu bestehen, muss man mit seinen Gegnern kurzen Prozess machen, bevor die ihren Colt ziehen, aber - immerhin - man kann wahlweise umbringen oder auch austricksen. Meistens zumindest. Und die möglichen Finten kennen kein Ende.

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Gewinner-Spiel

Mit dem Computerspielpreis erhält Mimimi nun die Auszeichnung doch noch, nachdem die bayerische Firma 2017 nominiert worden war und dann ganz knapp verloren hatte. Und: Es ist das erste Mal, dass eine bayerische Produktion die begehrte Trophäe holt. Durchsetzen konnte sich Desperados III als bestes Deutsches Spiel gegen Cloudpunk, und Iron Harvest nominiert.

Youtuberin Gnu wird Gamerin des Jahres

Preise gibt es nicht nur für das beste deutsche Computerspiel, sondern auch in 14 anderen Kategorien. Heuer erstmals auch für den oder die Gamer/in des Jahres. Nominiert war unter anderem Dennis Winkens, seit einem Moutainbike-Unfall gelähmt, trotzdem aber ungebremst beim Online-Spielen. Wir haben Dennis in unserem BR-Podcast Umbruch ausführlich vorgestellt. Den Preis gewann allerdings die Streamerin Jasmin, besser bekannt als Gnu. Sie bringt es auf Youtube mittlerweile auf eine Million Abonnenten.

Die Deutschen kaufen wie wild

Der Computerspielepreis soll in Deutschland mehr Aufmerksamkeit auf die hierzulande teilweise noch etwas unterentwickelte Branche lenken. Wobei der Trend gespalten ist. Während die Ausgaben für Games in Deutschland überdurchschnittlich wachsen, wird das Geld anderswo verdient.

So zynisch es auch klingen mag: Die Corona-Pandemie war für die Computerspiele-Branche ein Segen. Allein in Deutschland wurden letztes Jahr 8,5 Milliarden Euro mit Spielen, Konsolen und Zubehör umgesetzt worden und damit rund ein Drittel mehr, als noch 2019. Es geht auch längst nicht mehr nur darum, Kinder und Jugendliche zu unterhalten. Das Durchschnittsalter liegt in Deutschland mittlerweile bei 37 Jahren, wie der Branchenverband Game der meldet, der auch den Computerspielpreis mit ausrichtet.

Deutschland kein Onlinespiele-Entwicklungsland mehr?

Die Antwort von Game-Geschäftsführer Felix Falk fällt da nicht wirklich eindeutig aus. Als Markt ist Deutschland seiner Ansicht nach inzwischen top. Allerdings fließt das viele Geld, das für die Spiele ausgegeben wird, eben größtenteils ins Ausland. Viel landet bei den Hardwareherstellern Microsoft, Sony oder Nintendo. Aber auch die wirklich erfolgreichen Spiele werden eher selten in Deutschland entwickelt. Eine der wenigen Ausnahmen ist mit Crytek ein Unternehmen, das ursprünglich aus dem bayerischen Coburg stammt, inzwischen aber nach Frankfurt am Main übergesiedelt ist. Crytek beschäftigt mehrere hundert Mitarbeiter und gilt als einer der bedeutendsten Spieleentwickler hierzulande; Spezialgebiet: Action und Ego-Shooter, wie eben der Preisträger aus dem Jahr 2012 Crysis 2.

Wachstum auch nach Corona

Generell fehlt es laut Felix Falk in Deutschland aber an Programmieren und Entwicklern. Immerhin fließen Falk zufolge inzwischen mehr Fördergelder, so dass sich das vielleicht auf absehbare Zeit ändern könnte. Der deutsche Computerspielepreis, der vom Bundesministerium für Verkehr und digitale Infrastruktur mit getragen wird, leistet da zumindest einen kleinen Beitrag. Mimimi beispielsweise darf sich über 100.000 Euro Preisgeld freuen.

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