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Die Corona-Warn-App bekommt zu Ostern eine Check-In-Funktion

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    Nun doch: Corona-Warn-App bekommt anonyme Check-In-Funktion

    Besser spät als nie: Die Corona-Warn-App (CWA) bekommt ab Ostern eine anonyme Check-In-Funktion. So können CWA-Nutzer nach einer Infektion gewarnt werden. Doch für die Kontaktverfolgung setzen immer mehr Gesundheitsämter auf eine private Tracing-App.

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    Von
    • Bernd Oswald

    Es kommt nicht allzu oft vor, dass die Corona-Warn-App (CWA) Thema in den Bund-Länder-Videokonferenzen zur Corona-Pandemie ist. Doch am Montag wird das so sein. Der Grund: Die CWA bekommt eine Reihe neuer Funktionen, die helfen sollen, Infektionsketten frühzeitig zu unterbrechen.

    Die Wichtigste: Eine anonyme Check-In-Funktion. Damit können sich Nutzerinnen und Nutzer bei einer Veranstaltung wie einer privaten Geburtstagsfeier oder einem Restaurantbesuch digital einchecken, indem sie einen QR-Code scannen. Sollte es im Anschluss an die Veranstaltung einen positiven Corona-Fall geben, würden alle, die daran teilnahmen, gewarnt, wie es in einem Entwurf zur Beschlussvorlage für die heutige Bund-Länder-Konferenz heißt, der BR24 vorliegt.

    Check-In-Funktion soll Kontaktverfolgung auf Papier ergänzen

    Die Regierungschefs erhoffen sich durch diese Eventregistrierung, Infektionscluster besser erfassen und Infektionsrisiken speziell in geschlossenen Räumen besser adressieren zu können. Diese Check-In-Funktion soll die bisherige "Zettelwirtschaft" bei Besuchen in der Gastronomie aber nicht ersetzen, sondern lediglich ergänzen. Wie die Kontaktverfolgung konkret geregelt ist, regeln die Bundesländer in ihren Corona-Schutzverordnungen.

    FDP-Bundesvorstandsmitglied Johannes Vogel hält diesen Schritt für längst überfällig: Schon letztes Jahr hätten sogar Datenschützer dafür geworben, dass die Corona-Warn-App auch Clustererkennung können sollte, schrieb Vogel auf Twitter. Über ein Vierteljahr später werde diese nun angekündigt. "Das Tempo ist echt zum Mäusemelken. Nicht ‘der Datenschutz’ macht uns langsam, sondern diese Regierung!" Auch SPD-Gesundheitsexperte Karl Lauterbach hatte bereits im Oktober 2020 vorgeschlagen, die CWA so weiterzuentwickeln, dass sie bei Clustersituationen die Nutzenden warnt.

    Luca-App setzt Check-In-Funktion schon um

    Mit der Check-In-Funktion führt die CWA ein Feature ein, für das bislang vor allem die private Luca-App bekannt war. Nach dem Download trägt man dort einmal seine Kontaktdaten ein. Wenn man als Gast ein Event besucht, checkt man dort ein, indem man einen QR-Code scannt. Auch der Gastgeber benötigt ein Handy mit der Luca-App.

    Die dabei entstehenden Daten werden nach Angaben des App-Betreibers Luca dezentral verschlüsselt und zentral auf unterschiedlichen Servern gespeichert, sind aber nur bei einem Infektionsfall für die Gesundheitsämter sichtbar. App-Entwickler hätten keinen Zugriff auf die Daten.

    Die CWA-2.0-Version, die um Ostern herum erscheinen soll, wählt wieder einen dezentralen Ansatz: Die bei einem Check-In erzeugten Kontaktdaten werden im Gegensatz zur Luca-App nicht auf Servern, sondern nur auf den Smartphones der Nutzenden gespeichert. Vorbild ist das Protokoll Crowd Notifier, das in der quelloffenen Schweizer App NotifyMe getestet wird.

    Weil die Check-In-Funktion der CWA anonym ist, dabei also keine personenbezogenen Daten erhoben werden, eignet sie sich auch nicht zur Kontaktnachverfolgung. Dafür ist die Luca-App gedacht, die bereits bei 60 von 375 Gesundheitsämtern in Deutschland genutzt werde, wie die Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung berichtet. Weitere Gesundheitsämter hätten bestätigt, die App einsetzen zu wollen. Bisher hat nur Mecklenburg-Vorpommern eine Lizenz für die App erworben, Berlin will demnächst folgen.

    Viele Tracing-Apps am Markt

    Einen ganz ähnlichen Ansatz verfolgt die Web-Anwendung "Darf ich rein": Auf der Website können Veranstalter einen QR-Code generieren, ausdrucken und bei ihren Veranstaltungen auslegen. Auch hier ist die Idee, dass Besucher dann diesen QR-Code einscannen und ihre Kontaktdaten eintragen. Die Daten werden 28 Tage auf dem Server der Anstalt für kommunale Datenverarbeitung (AKDB) gespeichert und nur im Bedarfsfall für die behördliche Kontaktverfolgung verwendet. Auch der Landkreis München prüft gerade den Einsatz von “Darf ich rein”.

    Je mehr Tracing-Apps es gibt, desto unübersichtlicher wird die Lage: einerseits für die Bürgerinnen und Bürger, andererseits für die Gesundheitsämter. Nun wollen verschiedene Anbieter von Tracing-Apps im Rahmen der Initiative "Wir für Digitalisierung" ein Gesundheitsportal aufbauen, an das sich die verschiedenen Check-In-Anbieter andocken können, egal ob Luca, "Darf ich rein" oder andere Dienste. Die Idee dahinter: Die Gesundheitsämter in Deutschland sollen ihren Anfragen gebündelt über diese Plattform laufen lassen können.

    Wie gut die Luca-App oder andere Tracing-Apps geeignet sind, um nach Corona-Infektionen Kontakte nachzuverfolgen, kann man aber erst testen, wenn wieder mehr Veranstaltungen erlaubt sind.

    CWA soll auch Schnelltestergebnisse anzeigen können

    Neben der Check-In-Funktion soll die CWA noch weitere Features erhalten. Version 2.0 soll Schnelltestergebnisse anzeigen können und in einem zweiten Schritt auch eine Warn-Funktion bekommen: Dabei wird den Gewarnten angezeigt, ob die Warnung durch einen PCR- oder durch einen Schnelltest verursacht wurde. Testzentren sollen sich an das System der CWA anschließen können. “Die Bundeskanzlerin und die Ministerpräsidentinnen und Ministerpräsidenten unterstützen diese neue Funktion und appellieren an die Testzentrenbetreiber, diese neue Funktion der CWA in ihre Systeme zu integrieren und zu unterstützen”, heißt es in der Beschlussvorlage zur Bund-Länder-Videokonferenz.

    Noch vor der Version 2.0 werden weitere Modifikationen in der CWA eingeführt: So wurde das Risikomodell angepasst, um eine höhere Infektiosität durch die mutierten Virusvarianten zu berücksichtigen. So werden kurze Kontaktzeiten mit später positiv getesteten Personen nicht mehr ausgefiltert, sondern individuell bewertet und über den Tag summiert, wie es im Entwicklerblog heißt. Jenseits des Nahbereichs bis 1,5 Meter fließen auch Kontaktzeiten in einem Abstand bis 2,5 Meter in die Berechnung des Infektionsrisikos ein, allerdings nur mit 50 Prozent, da das Infektionsrisiko über Tröpfchen mit zunehmendem Abstand abnimmt.

    Im Laufe dieser Woche wird zudem die Interoperabilität mit der Schweizer Warn App umgesetzt, das heißt die deutsche und die Schweizer Warn App können dann Infektionsdaten miteinander austauschen.

    CWA: 26 Millionen Mal heruntergeladen

    Seit der Veröffentlichung der App im Juni 2020 ist die Corona-Warn-App mehr als 26 Millionen Mal heruntergeladen worden. Über die CWA sind bislang 291.828 positive Testergebnisse geteilt worden. Der 7-Tage-Mittelwert von Nutzenden, die ihr positives Testergebnis teilen, liegt bei 2.040 Personen. Weil die App auf einem dezentralen Ansatz basiert, gibt es keine Daten dazu, wie viele Menschen mit Hilfe der CWA über eine mögliche Risiko-Begegnung informiert wurden.

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