Zurück zur Startseite
Netzwelt
Zurück zur Startseite
Netzwelt

Neuer Kettenbrief zum Tank-Boykott nach altem Muster | BR24

© dpa/Bildfunk

Zapfpistole, aus der nur ein Tropfen Benzin fließt.

Per Mail sharen

    Neuer Kettenbrief zum Tank-Boykott nach altem Muster

    Derzeit bekommen viele über WhatsApp oder Facebook einen Kettenbrief mit Aufruf zum Tank-Boykott. Unbekannt ist, wer dahinter steckt. Bekannt ist: Solche Kettenbriefe werden seit zig Jahren immer wieder in Umlauf gebracht.

    Per Mail sharen

    Über Benzinpreise ärgern sich die Autofahrer nicht erst seit heute. Auch Kettenbriefe, die zum Tank-Boykott aufrufen, haben eine lange Tradition. Derzeit kursiert in WhatsApp und Facebook folgender Aufruf: Man soll nicht am Montag, 26. November, sondern am Sonntag davor tanken.

    "Der Aufruf folgt dem seit fast 20 Jahren bekannten Muster", sagt Frank Ziemann. Der IT-Spezialist betreibt an der TU Berlin eine Webseite, die vor allem auf Kettenpost per Mail aufmerksam macht. Schon ein Text aus dem Jahr 2000 arbeitete mit demselben Schema: "Nicht am 30. April 2000 Tanken!! (…) Tanken Sie vor oder nach dem 30. April 2000 aber: TANKEN SIE AM 30. APRIL 2000 KEINEN TREIBSTOFF !!“ Der letzte Eintrag zu den Ketten-Mails auf der TU-Webseite ist von 2012.

    Kettenbriefe früher als Mail, jetzt in Social Media

    "Ich gehe davon aus, dass sich derartige Kettenbriefe in den letzten Jahren weg vom Medium E-Mail und hin zu den sozialen Medien verlagert haben", sagt Frank Ziemann. „Da es sich dabei stets um persönliche Nachrichten handelt, von Facebook mal abgesehen, kann man danach ja nicht aktiv suchen.“ Deshalb gab es lange keine neuen Einträge auf seiner Webseite, auch wenn das Thema längst nicht vom Tisch ist.

    Anonymer Ursprung

    Woher der derzeitige WhatsApp-Aufruf und die Facebook-Appelle ursprünglich stammen, ist unklar. Das Ziel ist angeblich, ein "Zeichen" zu setzen. Am Sonntag statt am Montag zu tanken, erscheint allerdings wenig sinnvoll, denn: "Der Sonntag ist teurer als der Montag", sagt Andreas Hölzel vom ADAC. Etliche Social-Media-Nutzer machen sich auch schon lustig über die Aktion. So schreibt zum Beispiel @wintermohn auf Twitter: "Lesen Sie nächste Woche: 'Boykottiert Fleisch! Hortet Schnitzel' und 'Aktion gegen Plastik! Wir wickeln uns in Folie ein und verstreuen Zahnbürsten im Wald'."

    Stellt sich die Frage, warum jemand einen solchen Kettenbrief in die Welt schickt. Im Text lautet die Begründung "ein Zeichen" setzen. Doch oft sind Kettenbriefe auch eine Art Experiment, mit dem der oder die Verursacher sehen wollen, welche Wirkung sie damit auslösen.

    Gerne geteilt, aber keine oder sehr geringe Resonanz

    Nach der Erfahrung von Frank Ziemann zeigen die Aufrufe durch solche Kettenbriefe keine sichtbaren Auswirkungen: "Bisherige Aktionsaufrufe dieser Art wurden zwar gerne geteilt/weitergeleitet, ein Erfolg ließ sich jedoch nie feststellen - nicht einmal eine nennenswerte Beteiligung."

    Einige Social-Media-User nehmen die Aktion ernst und sehen die Proteste in Frankreich als Vorbild. Ob und wenn ja, wie viele Menschen am 26. November mitmachen, steht in den Sternen. Ein – von einem anonymen Account - erstellter Facebook-Event dazu verzeichnet bis Donnerstag, 11.30 Uhr, allerdings nur 138 Zusagen.