Mindgeek-Fabian Thylmann stilisiert

Pornhub ist die beliebteste Seite, die nie jemand besucht hat

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    Neuer BR-Podcast: Der Pornhub Effekt

    Neuer BR-Podcast: Der Pornhub Effekt

    Schmuddelig, umstritten und extrem erfolgreich: Pornhub ist die beliebsteste Seite der Welt, die niemand jemals besucht hat. Ein BR-Podcast widmet sich nun dem Portal, das die Porno-Welt umgekrempelt und unser Sex-Leben für immer verändert hat.

    "Wenn es existiert, dann gibt es davon Pornografie. Ohne Ausnahme", so lautet die berühmte Regel 34 des Internets und kaum eine Gegenwartsbeobachtung könnte zutreffender sein. Im Internet gibt es Pornografie zu allem, Schmuddelfilme für jeden Geschmack, jede Lebenslage und jeden Fetisch. 27 Prozent des gesamten Videostreamings soll laut dem Statistikportal Statista 2019 auf Pornos entfallen sein und weil das Bedürfnis nach etwas erotischer Zerstreuung im Lockdown besonders groß war, dürfte dieser Anteil in der Pandemie sogar noch größer geworden sein. 2003 wurde am Broadway "The Internet ist for porn" gesungen, nun, gut zwanzig Jahre später lässt sich konstatieren: Ja, beträchtliche Teile des Internetinfrastruktur werden dafür genutzt, Menschen beim Sex zuzusehen.

    Die Internet-Pornografie hat das Internet verändert und beispielsweise die Entwicklung von Bezahlsystemen mit vorangetrieben. Vor allem aber ist Internet-Pornografie ein großes Geschäft und niemand profitiert davon so sehr wie der Erotik-Riese Mindgeek zu dessen Angebot Seiten wie YouPorn, RedTube, Brazzers oder Mydirtyhobby gehören. Der Kopf hinter Mindgeek hieß lange Zeit Fabian Thylmann. Der Deutsche wurde in wenigen Jahren vom Statistik-Nerd zum mächtigsten Porno-Unternehmer der Welt. Und das bekannteste Produkt seines Imperiums heißt Pornhub.

    Deutsche suchen vor allem nach "deutsch"

    Im Dezember 2021 stand Pornhub auf Platz 24 der meistbesuchten Seiten in Deutschland, knapp hinter Twitter aber noch vor Reddit. Alleine 2019 wurden hier 1,36 Millionen Stunden Videomaterial hochgeladen. Pornhub gibt sich cool und selbstironisch. Einmal im Jahr gibt das Unternehmen einen umfassenden Jahresrückblick heraus, in dem Pornhub allerlei kuriose Fakten zusammenträgt, etwa dass in Deutschland die beliebtesten Porno-Suchbegriffe "deutsch" und "German" sind und in keinem Land der Porno-Konsum während des Eurovision Song Contests stärker zurück ging als in Malta.

    Der Jahresrückblick wird allerdings auch kritisiert, weil er unter anderem auch Zahlen dazu enthält, welche Hollywood-Schauspielerinnen und Pop-Sängerinen auf Pornhub am meisten gesucht wurden. Dabei sind die meisten Clips, die angeblich Miley Cyrus, Selena Gomez oder Taylor Swift beim Sex zeigen, sogenannte Deep Fakes, Videos, die mit Hilfe von künstlicher Intelligenz manipuliert wurden – ohne das Einverständnis der gezeigten Personen.

    Pornhub steht unter Druck

    Pornhub steht nicht nur deswegen in der Kritik, zu wenig zu tun gegen höchst fragwürdig Inhalte auf der eigenen Plattform. Der Pornhub-Mutter Mindgeek wird vorgeworfen Geld zu machen mit Rachepornos und mit Videos, die nicht-einvernehmlichen Sex zeigen oder ohne die Zustimmung der Betroffenen hochgeladen wurden. Letztes Jahr wurde Mindgeek deswegen in den USA verklagt, im Oktober schloss das Unternehmen einen Vergleich mit den betroffenen Frauen. Wie groß das Problem ist, zeigte sich Ende 2020: Damals löschte Pornhub etwa 80 Prozent der Videos und erlaubt seither nur noch Inhalte von verifizierten Accounts.

    BR-Podcast: Wild Wild Web Staffel 2 – Der Pornhub Effekt

    Kaum eine Internetseit hat das Leben von so vielen Menschen verändert - und das, obwohl über Pornhub in der Öffentlichkeit kaum diskutiert wird. Nun widmet sich ein neuer BR Podcast dem Porno-Portal und der Frage, wie die Plattform die Sexfilm-Industrie und das Liebesleben der Menschen verändert hat. Geschildert wird der Fall einer Frau, deren intime Videos auf Pornhub landeten. Zu Wort kommen aber auch Menschen, die für Mindgeek-Plattformen drehen oder versuchen, sich mit ihren alternativen Porno-Produktionen dem Pornhub-System zu entziehen. Denn trotz Pornhub ist Porno am Ende immer auch das, was man daraus macht.

    Den Podcast "Wild Wild Web – Der Pornhub Effekt" gibt es hier.

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