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Einige soziale Netzwerke scheinen nun härter gegen Hate Speech und Fake News vorgehen zu wollen.

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    Neue Regeln: Plattformen verschärfen Kampf gegen Hate Speech

    Die sozialen Medien haben ein Hate-Speech-Problem. Das machen nicht nur die Themen Rassismus und Klimawandel, sondern gerade auch Corona deutlich. Doch es kommt Bewegung in die Sache: Facebook und Twitter ziehen offenbar die Zügel an.

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    Von
    • Thomas Moßburger

    Wer in sozialen Netzwerken sich und seine Meinung präsentiert, muss mit Gegenrede rechnen. Allzu oft verlässt die Kritik jedoch den Boden einer zivilisierten Debatte und wird zu Hate Speech, mit Beleidigungen, rassistischen Kommentaren oder Verleumdungen.

    Kritisiert wird das seit Jahren, trotzdem bekommen die Plattformen das Problem nicht in den Griff. Auch, wenn Facebook, Twitter und Co. stets Besserung gelobten, wurde dies für den User oft kaum sichtbar. Hass und Hetze blieb in den Kommentarspalten der Websites stets allgegenwärtig. Doch nun haben sowohl Facebook als auch Twitter neue, schärfere Regeln verkündet.

    Corona macht Probleme deutlicher

    Erst kürzlich waren mit Blick auf Falschbehauptungen zu Corona und die US-Wahl 2020 erste Veränderungen spürbar geworden. So sagten beide Unternehmen zuletzt Fake-News den Kampf an. Treiber war hier vor allem die Corona-Pandemie. Fake News zu Gesundheitsthemen können schwere Folgen haben, wie Ärzte bereits im Mai 2020 warnten. Tatsächlich geht eine US-Metastudie davon aus, dass weltweit rund 800 Menschen wegen Corona-Fake-News gestorben sind.

    Auch aus diesem Grund löschte allein Facebook nach eigenen Angaben seit April sieben Millionen Beiträge und versah 98 Millionen weitere mit Warnhinweisen. Neben Fake News soll auch der Kampf gegen Hass verschärft werden.

    So kamen nun zwei neue Vorgaben in den Katalog der bei Facebook nicht erlaubten Inhalte. Das Netzwerk will – auch bei der Unternehmenstochter Instagram – künftig erstens Inhalte löschen, in denen behauptet wird, es gebe eine jüdische Weltverschwörung oder -herrschaft, und zweitens Fotos, Videos und Co. mit sogenanntem Blackfacing. Damit ist etwa gemeint, dass Menschen sich eine andere Hautfarbe aufmalen, etwa ein weißer Mensch, der sich schwarz anmalt, um einen Afroamerikaner zu parodieren. Laut Facebook sollen hier jedoch auch Nuancen, wie etwa die Absicht des Postings, beachtet werden. Möglicherweise könnten so gewisse Varianten des Hautfarbe-Schminkens weiterhin geduldet bleiben.

    Twitter ändert Kommentarfunktion radikal

    Auch bei Twitter gibt es derweil neue Regeln. So werden Accounts von staatsnahen, in der Regel vom Staat finanzierten Medien künftig als solche gekennzeichnet und vom Algorithmus mit weniger Reichweite bedacht. Beispiele sind hier "Russia Today" und "China Daily".

    Eine im Alltag wohl noch deutlich spürbarere neue Funktion führt Twitter bei seinen Kommentaren ein. So können Twitter-User jetzt entscheiden, wer auf ihre Tweets antworten kann. Entweder alle, wie bisher, oder aber nur Follower oder sogar nur Accounts, die im Tweet erwähnt werden. So können Twitter-User es Hass-Rednern schwieriger machen, ihre Tweets mit Hetze und Beleidigungen zu versehen.

    Viele neue Hate-Speech-Maßnahmen 2020

    Die neuen Regeln bei Facebook und Twitter sind nicht die ersten Reaktionen der Unternehmen auf Hate Speech in diesem Jahr. So hatte Facebook vor kurzem schon eine Art "Obersten Gerichtshof" aus internationalen Experten ins Leben gerufen, der künftig bei der Bewertung von Hass und Hetze helfen soll. Twitter stach besonders dadurch hervor, den US-Präsidenten Trump durch Faktenchecks seiner Tweets härter ranzunehmen. Auch Facebook löschte bereits Beiträge von Trumps Team. Zudem löschten Facebook, Twitter und Youtube kürzlich Profile der rechtsextremen Identitären Bewegung.

    Gerade Facebook war zuletzt jedoch auch zunehmend unter Druck geraten. Im Juni verkündeten einige Werbekunden – auch im Zuge der "Black Lives Matter"-Bewegung – keine Anzeigen mehr auf der Plattform zu schalten, bis das Problem mit, auch rassistischen, Hasskommentaren gelöst sei.

    Die sozialen Netzwerke versprachen in ihrer Geschichte bereits oft, das Problem von Fake News und Hate Speech konsequenter anzugehen. Ob die aktuellen Maßnahmen besser fruchten als die der Vergangenheit, müssen die nächsten Monate zeigen.

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