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Netznotizen: "Topf Secret" macht Hygieneberichte öffentlich | BR24

© picture alliance/Sebastian Gollnow/dpa

Die Hygienezustände in Restaurantküchen sollen öffentlich werden

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    Netznotizen: "Topf Secret" macht Hygieneberichte öffentlich

    Immer wieder finden Lebensmittelkontrolleure in Imbissen, Bäckereien oder Restaurants Ekelküchen – aber die Ergebnisse dieser Kontrollen werden kaum öffentlich. Das Projekt "Topf Secret" will das nun ändern.

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    Ob Kakerlaken in der Küche oder Dreck in den Töpfen... Hygienekontrollen sind ein wichtiges staatliches Mittel, um für gute Zustände in Restaurants und anderen gastronomischen Geschäften zu sorgen. Nur: Die Ergebnisse dieser Kontrollen sind kaum einsehbar - obwohl sie eigentlich öffentlich verfügbar sein müssen.

    Hygieneberichte frei verfügbar

    Die Verbraucherschutzorganisation Foodwatch hat sich jetzt mit der Initiative "Frag den Staat" zusammengetan und will für mehr Transparenz in der Lebensmittelüberwachung sorgen. Auf ihrer Seite „Topf Secret“ gibt man in ein Formular Namen und Adresse des Lokals ein, über das man Auskunft haben will. Die Anfrage geht dann direkt an das zuständige Hygieneamt mit der Bitte, die Ergebnisse der amtlichen Kontrollen zu veröffentlichen.

    Solche Anfragen waren schon immer möglich, allerdings waren die notorisch langsam und kompliziert. Das neue Projekt soll den Prozess vereinfachen - und Hygieneberichte leichter zugänglich machen. In Ländern wie Norwegen oder Wales ist der Status eines Restaurants noch um einiges leichter einzusehen. Da hängt das Ergebnis der Kontrollen an jeder Ladentür, erklärt Oliver Huizinga von Foodwatch: "Das hat dazu geführt, dass die Betriebe in Hygiene investieren und dass die Beanstandungen zurückgegangen sind."

    Kritik an der Plattform

    In den Tagen seit ihrer Bekanntgabe ist die Seite auf massive Kritik gestoßen - sowohl vom Gastro-Gewerbe als auch von Lebensmittelkontrolleuren selbst. Der Bundesverband der Lebensmittelkontrolleure (BVLK) teilte in einer Pressemitteilung mit, "dass die vorgesehene Verbraucherplattform "Topf Secret" nicht benötigt wird. [...] Nach Ansicht des BVLK widerspricht die mögliche Veröffentlichung von Kontrollberichten durch Private und/oder Nichtregierungsorganisationen, die aufgrund von Anfragen gemäß VIG herausgegeben worden sind, zudem dem Grundsatz des Aktengeheimnisses und der Vertraulichkeit."

    Besonders wird gefürchtet, dass eine überstarke Transparenz zu Anfeindungen und Prangersituationen im Internet führen könnte. Auf Bewertungsportalen, Google und in sozialen Medien wäre es in Zukunft leicht, Geschäfte öffentlich anzugehen, auch wenn Hygieneverstöße womöglich lange zurück liegen oder beseitigt sind. Im Feld der Online-Bewertungen ist das kein neues Problem: Sie sind immer ein schmaler Grad zwischen Transparenz und Anklage. Zwischen Offenheit und Verleumdung.

    Was bedeutet Topf Secret für die Demokratie?

    Der Start von Topf Secret zeigt also, dass die Behörden immer noch nicht begriffen haben, dass die Zeiten vorbei sind, in denen ihre Mühlen langsam und intransparent mahlen konnten. Sie müssen ihre Ergebnisse schneller und verständlicher an die Öffentlichkeit bringen. Sonst steigt die Gefahr, dass die Bürger ihren Demokratie-Deal aufkündigen und selbst die Aufgaben übernehmen, die eigentlich die demokratischen Institutionen übernehmen sollten, weil sie – zumindest in einer Idealwelt – gerechter und weitsichtiger handeln als der aufgebrachte Mob, der sich über Mäuse-Kot in der Semmel ärgert.

    Der Start zeigt aber auch, dass wir in einer Kultur des Misstrauens leben – die im Internet ihr ideales Zuhause gefunden hat. Natürlich stellt nicht jeder Tripadvisoreintrag, jeder Ärztecheck und jede Hotelbewertung die Demokratie in Frage. Aber im Fall von Topf Secret sollten wir uns schon fragen – wenn wir Behörden und Staat nicht einmal mehr zutrauen, dass sie uns ausreichend vor Kakerlaken und Mäusen in Imbissen warnen, was sagt das über unser Vertrauen in die wirklich wichtigen Bereichen der Demokratie und des Zusammenlebens?