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Ein Trichter namens Internet
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Ruslan Amirov
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Ein Trichter namens Internet

Oben ist es breit und rund, nach unten hin wird es immer dünner, schräg abfallend dünner, bis der finale Durchmesser erreicht ist. Füllen wir in das Ding oben etwas ein, kommt es zwar unten wieder raus, aber langsamer und gezielter. Und manchmal bleibt auch etwas hängen. Dieses Ding ist: ein handelsüblicher Trichter. Legen wir aber jetzt noch einen Filter in den Trichter, dann nennt man das Ganze Internet. Denn, schaut man von oben auf das Internet sieht es auch so aus als ob es dort unendlich viele Informationen gäbe, am Ende kommen aber nur kleine Tröpfchen raus.

Ein Trichter namens Google

Nehmen wir zum Beispiel Google. Die Suchmaschine hat weltweit einen Marktanteil von rund 90%. Fast jeder Mensch auf der Welt besitzt also einen Trichter made by Google. Ganz schön mächtig, aber auch ganz schön überbewertet. Google sucht nämlich nur unter den Internetseiten, die auf ihren eigenen Servern vermerkt sind. Sind Internetseiten aber zu komplex aufgebaut oder nicht mit anderen Seiten verlinkt, kennt Google sie nicht.

Und dann wäre da noch Googles Algorithmus, der erstens Ihr persönliches Suchverhalten im Internet kennt und zweitens nach Masse bewertet. Heißt: Wird auf einer Internetseite regelmäßig neuer Inhalt zu ihrem Suchbegriff hochgeladen, landet sie im Suchergebnis auch weit oben. Bei Google ist nämlich Masse gleich Klasse. Und dann gibt es Unternehmen, die dafür bezahlen, dass sie in den Ergebnislisten weit oben landen. Wenn Sie also mit ihrem Trichter made by Google frischgepressten Orangensaft in ein Glas umfüllen möchten, ist es sehr wahrscheinlich, dass das gute Fruchtfleisch hängen bleibt und unten Tomatensaft rauskommt, der hat sich nämlich kurzfristig selbst in ihr Frühstück eingekauft.

Die Telekom untergräbt die Netzneutralität

Ein weiteres Problem in diesem Trichter namens Internet ist die Netzneutralität. Netzneutralität bedeutet, dass alle Daten im Internet gleichbehandelt werden. Damit soll Meinungsfreiheit und der faire Wettbewerb im Internet gewährleistet werden. Doch das ist schon längst nicht mehr so. In Deutschland hat etwa die Telekom deswegen immer wieder Ärger mit der Bundesnetzagentur. Wer das Packet StreamOn zu seinem Mobilfunktarif bei der Telekom hinzubucht, kann nämlich Dienste bestimmter Anbieter wie Netflix, Youtube oder Sky nutzen, ohne dass es von seinem Datenvolumen abgebucht wird. Alle anderen haben Pech gehabt. Während also der eine Saft nur so durch den Trichter schießt, tröpfelt der andere nur langsam raus.

Upload-Filter haben ein Problem mit Humor und Satire

Und dann war da ja noch der Filter. Im Internet heißt der Uploadfilter. Früher war es so: Wenn Sie eine Datei im Internet auf Facebook, Youtube, Twitter oder wo auch immer hochgeladen haben, waren Sie dafür verantwortlich, dass sie damit keine Urheberrechte verletzt haben. Erst mal durfte also alles rein. Mittlerweile können aber die Plattformen für Urheberrechtsverletzungen haftbar gemacht werden. Und die schützen sich davor mit Programmen, sogenannten Uploadfiltern, die Dateien vorher überprüfen. Schön für den, der es sich leisten kann. Youtube hat sowas zum Beispiel schon seit 2007. Die Entwicklung soll rund 100 Millionen Dollar gekostet haben. Mit dem Erkennen von Humor oder Satire haben diese Filter aber so ihre Schwierigkeiten. Jede Menge Saft, der niemals im Glas landet.

Netzneutralität und Uploadfilter gehen auch Sie etwas an!

Tja, dass man im Internet also beinahe das komplette Wissen der Welt im Trichter hat, bedeutet leider nicht, dass man es auch wieder rausbekommt. Aber sie können etwas tun. Benutzen sie ruhig mal einen anderen Trichter als den von Google. Der ist dann zwar auch nicht perfekt, aber lässt vielleicht die Teile von ihrem Saft durch, die bei Google hängenbleiben. Und Debatten um Netzneutralität und Uploadfilter gehen auch Sie etwas an: Überlegen Sie mal kurz wieviel sie heute schon online erledigen. Zum Glück gibt es Menschen, die sich dafür einsetzen, dass der Filter nicht noch kleiner wird.

Autoren

Ruslan Amirov

Sendung

Notizbuch vom 04.02.2019 - 10:00 Uhr