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Ein Rummelplatz namens Internet | BR24

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Wohl selten haben Medien und Gesellschaft so viel über das Internet berichtet wie in der vergangenen zwei Wochen. Aber wo stehen wir eigentlich - ein Terrorvideo aus Neuseeland und eine umstrittene Urheberreform später?

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Ein Rummelplatz namens Internet

Wohl selten haben Medien und Gesellschaft so viel über das Internet berichtet wie in der vergangenen zwei Wochen. Aber wo stehen wir eigentlich - ein Terrorvideo aus Neuseeland und eine umstrittene Urheberreform später?

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Erst Christchurch. Anscheinend war ich in die Geisterbahn gestolpert. Aber was war hier los? Statt Skeletten aus Plastik und Spinnweben aus Watte gab es eine Mischung aus Ego Shooter und realem Irrsinn. Auf den Jahrmärkten der Vergangenheit soll es ja Hinrichtungen gegeben haben – als volkstümliche Unterhaltung sozusagen. Meine unfreiwillige Fahrt in dieser Geisterbahn des Internets? Eine Reise in die dunkelsten Winkel der menschlichen Seele.

EU-Urheberrecht: Wie im Auto-Scooter

Doch kaum hatte mich die Geisterbahn ausgespuckt - und während ich noch blinzelnd in die Sonne blickte und mich fragte: Was war da nur passiert?! – wurde ich ins nächste Fahrgeschäft gezogen. Autoscooter. Jetzt endlich würde ich mich aber wirklich ein bisschen entspannen, dieses Internet ein bisschen genießen. Einen Remix hören, einfach so herumcruisen, surfen, ein paar Memes gucken. Doch dann:

"Mit dieser Reform schaffen wir Rechtssicherheit für den rechtssicheren Umgang mit urheberrechtlich geschützten Werken." Axel Voss

Doch da, neben mir taucht plötzlich ein weiteres Auto auf, dann noch eines und noch eines - vorne auf einer Motorhaube steht eine Frau, in ihrer Hand eine Fahne. „Rettet das freite Internet“ steht darauf. Ja, ich will und gebe Gas wie die anderen. Doch was ist das?

Die Musik ist aus. Die Autos gleiten noch ein Stückchen weiter. Die Menschen sehen enttäuscht aus. Doch der Mann am Kassenhäuschen schüttelt den Kopf und hängt die Kette vor.

Beim Autoscooter ist noch Pause

Was bleibt mir jetzt hier noch zu tun? Auf das meiste habe ich keine Lust. Rechts ein Varieté: „Sieh dir die Frau mit dem längsten Bart an!“, links ein Billiger Jakob: „Du liebst blaue Turnschuhe! Ich habe hier 23.000 verschiedene blaue Turnschuhe. Kaufe bei mir dieses Paar zum einmaligen Preis von…“

Doch am Ende des Platzes steht es. Das Riesenrad. Da will ich hin. Ich steige ein und schwebe nach oben. Unter mir jede Menge winziger Menschen. Von hier oben sehen sie so gleich aus, harmlos. Hin und her bewegen sie sich, ganz emsig, wie kleine Ameisen, da unten auf diesem Rummelplatz namens Internet. Vor der Geisterbahn hat sich eine Schlange gebildet. Ein große Absperrung wird gerade vor dem Eingang aufgebaut.

„Facebook bans white nationalism and white separatism“ - Das soziale Netzwerk Facebook will ab nächster Woche rechte Hassgruppen verbieten. Menschen, die Inhalte dieser Art posten wollen, sollen auf Seiten von Organisationen weitergeleitet werden, die ihnen beim Ausstieg aus der Szene helfen können.

Beim Autoscooter ist scheinbar immer noch Pause. Hier oben ist es ganz ruhig. Doch gleich geht wieder abwärts, und dann bin ich wieder mittendrin in diesem Rummelplatz namens Internet.