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© Screenshot: Lasch-O-Mat
Bildrechte: Screenshot: Lasch-O-Mat

Die Website Lasch-O-Mat setzt zu jedem Thema ein fiktives Zitat von Armin Laschet zusammen.

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    Netz-Humor im Wahlkampf: Laschets Phrasen, Baerbocks Buch

    Satire ist heute zentraler Baustein des politischen Streits im Netz. Selbst CSU-Fans versuchen sich an Meme-Humor. Nach vielen Witzen über Annalena Baerbock bekommt nun Armin Laschet sein Fett weg: fürs Lachen zur Flut und phrasenreiche Interviews.

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    Von
    • Thomas Moßburger

    In gut zwei Monaten wird in Deutschland ein neuer Bundestag gewählt. Es wird dann auch einen neuen Kanzler oder eine Kanzlerin geben. Trotz politischer Sommerpause scheint langsam die heiße Phase des Wahlkampfes zu beginnen.

    Auch wegen ausführlicher TV-Gespräche, denen sich die Spitzen der Parteien aktuell in den Sommerinterview-Reihen von ARD und ZDF stellen. Diese Sendungen sollen dem Zuschauer helfen, Kandidaten und ihre Haltungen zu aktuellen Themen kennenzulernen. Bei Unions-Kanzlerkandidat Laschet blieb das jedoch schwierig. Klare Ansagen oder Festlegungen meidet der CDU-Chef, vermerkte etwa der "Spiegel" jüngst zu Laschets Interview im ZDF.

    Lasch-o-Mat baut Laschet-Sprüche

    Die Angewohnheit im Allgemeinen zu verbleiben, verschaffte Laschet nun die Ehre im Zentrum eines der bisher größten PR-Coups des Wahlkampfes zu stehen. Die Mainzer Digital-Marketing-Firma Visual Tech stellte den sogenannten Lasch-O-Mat ins Netz. Der stößt in sozialen Medien auf so großes Interesse, dass die Seite bis dato immer wieder abstürzt oder nicht erreichbar ist.

    Die Funktionsweise des Satire-Onlinetools: Der User gibt ein beliebiges Thema ein und der Lasch-O-Mat spuckt ein Statement dazu aus. Zusammengesetzt aus Laschet-Statements zu anderen Themen. "Zufällige Zitate, die von Armin Laschet stammen könnten" - so nennen die Macher das. Das fertige Fake-Zitat kann man sich dann als direkt als Zitat-Tafel mit Laschet-Bild herunterladen, wie man es von Social-Media-Kanälen wie auch BR24 kennt.

    Heraus kommen zumeist Statements ohne genaue Festlegung oder Aussage und viel Allgemeinem, wie die Macher sie offenbar für Laschet-typisch halten. Hier ein einige Beispiele:

    Unions-Kandidat Laschet ist jedoch beileibe nicht der einzige Kandidat, der im bisherigen Wahlkampf schon mit Hilfe mehr oder minder gelungener Satire angegriffen wurde. So schaltete etwa Autovermieter Sixt eine Werbekampagne, die die Plagiatsvorwürfe um Annalena Baerbock (Grüne) humoristisch aufgriff.

    Die wirtschaftsliberale Lobbyorganisation Initiative Neue Soziale Marktwirtschaft (INSM) zeigte Baerbock in großen Zeitungsanzeigen als Moses, der statt Gebote Verbote bringe. Eine Anspielung darauf, dass die Grünen im Kampf gegen den Klimawandel auch über Mittel wie ein Tempolimit auf Autobahnen nachdenken. Bei Instagram veröffentlichte die INSM etwa auch Bildbearbeitungen von SPD-Kanzlerkandidat und Finanzminister Olaf Scholz als Schuldenkönig.

    Neben solchen Aktionen sind im Netz zudem natürlich zahllose weitere Memes und Witze zu finden, die sich mit Schwächen und Fehltritten der Kandidaten beschäftigen. So wurde etwa Laschets Lachen während einer Ansprache des Bundespräsidenten zu Betroffenen der Flut in Westdeutschland schnell zu Meme-Material:

    Ganz neu sind solche humoristischen Mittel in der Politik natürlich keineswegs. So plakatierten die Jusos schon zur Wahl 1980 etwa: "Viele Blumen aber keinen Strauß", in Anspielung auf Franz-Josef Strauß (CSU), der in diesem Jahr für die Union als Kanzlerkandidat antrat. Auch satirische Artikel oder Bingo-Spiele mit Politikerphrasen sind seit Längerem bekannt.

    2021 hat jedoch tatsächlich fast jede größere Partei eine Meme-Seite bei Instagram, wo der politische Gegner mit Hilfe aktueller Trends und Memes aus dem Netz verballhornt wird. Es handelt sich hier allerdings dem Anschein nach um private Initiativen von Anhängern oder Fans der Parteien, keine offiziellen Accounts. Daneben gibt es auch Meme-Seiten, die sich weniger an einzelne Parteien gebunden fühlen, aber dennoch tagesaktuelle Ereignisse und Statements von Politikern aufs Korn nehmen. Sie nennen sich beispielsweise "Neoliberale Aktion" und schießen gegen die Grünen oder "Antifa Memes" und machen sich über CDU und AfD lustig.

    Auch wenn es sich um Witz-Seiten handelt: Für bedeutungslos sollte man die Kanäle mit ihren teils mehr als zehntausend Followern nicht halten. Gerade jüngeren Wählern könnten gerade solche Bildwitze, Satire-Accounts oder eben der Lasch-O-Mat einen Einstieg in die Themen des Wahlkampfes ermöglichen - auch wenn sie nicht jedes Sommerinterview verfolgen.

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