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Nachbarschaftshilfe-App – Mit dem Handy zur Ritterlichkeit | BR24

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Einen Helfer aus der Umgebung per Knopfdruck auf´s Handy. Eine App, die in die Corona-Zeit passt.

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Nachbarschaftshilfe-App – Mit dem Handy zur Ritterlichkeit

Kein Werkzeug, kein handwerkliches Gespür. So geht es vielen und trotzdem möchte man nicht für jeden tropfenden Wasserhahn einen Fachmann bestellen. Genau hier setzt Zwopr mit seiner Nachbarschaftshilfe-App an - und passt damit in die Corona-Zeit.

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Von
  • Marlene Thiele

Zwopr vermittelt hilfsbereite Nachbarn – ohne Bezahlung. Bernhard Koller ist einer der Firmen-Gründer und ein sehr aktives Mitglied der eigenen Plattform. "Das fühlt sich ziemlich ritterlich an. Wenn du da rausgehst und hilfst. Die freuen sich einfach. Das muss man mal erlebt haben." Wer auf Zwopr hilft, erwartet keine Gegenleistung. Es gehe eher um die Community, sagt der Gründer, dass man jemandem helfe und sich dadurch vielleicht sogar Freundschaften ergeben würden. Die "Kundschaft" kann trotzdem einen Obolus leisten – und zwar bei Mutter Natur. Zwopr unterstützt das Baumpflanzprojekt Trees for the future. Als Dank für die Hilfe kann man für bis zu fünfzig gepflanzte Bäume in Afrika spenden. Das sei ein "Nice-to-Have", eine Empfehlung von Zwopr, aber keine Pflicht.

Eine App für ungebundenes Ehrenamt

Bei Zwopr funktioniert alles über eine App. Sobald man sie heruntergeladen und sich einen Account angelegt hat, kann man durch verschiedene Hilfegesuche scrollen. Einer der Klassiker sei Hunde-Gassi, außerdem kleine handwerkliche Dinge, wie Möbel montieren, so Berhard Koller.

Das eigene Hilfegesuch ist schnell erstellt. Es gibt vorgefertigte Kategorien, man kann ein Foto hochladen und einen kurzen Text schreiben. Ganz wichtig ist der ungefähre Standort. Denn die Gesuche werden nur Helfer und Helferinnen in der Nähe angezeigt. Die entscheiden jedes Mal aufs Neue, ob sie Lust und Zeit haben. Das sei quasi ein ungebundenes Ehrenamt und der Einstieg in soziales Engagement.

Das Projekt passt in die Corona-Zeit

Die Idee kam den Zwopr-Gründern 2018. Bernhard Koller und Christian Ebert lebten damals noch in Traunstein, waren langjährige Freunde und wollten eh schon immer zusammen ein Business starten. In seiner jetzigen Form existiert die App nun seit Anfang 2020. Aktuell finanziert sich das Team noch über eigene Rücklagen und Business-Angels, also Investoren, außerdem nutzen sie einen kleinen Teil der Spenden für den Aufbau der Plattform. In diesem Jahr sollen weitere Finanzierungsquellen hinzukommen, etwa durch Premium-Mitgliedschaften und durch Crowdfundings. Außerdem bewerben sie sich um eine EU-Förderung.

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Zwopr-Gründer Bernhard Koller und Christian Ebert.

Derweil wächst die Community. Zwopr beginnt mit gemeinnützigen Vereinen zu kooperieren: Seit März 2020 suchen sie in Zusammenarbeit mit dem Roten Kreuz Berlin nach Einkaufshelfern für Corona-Risikogruppen. Ausgerechnet die Pandemie mit Quarantäne und neu entdeckter Häuslichkeit hat für einen Schub gesorgt.

"Die Gesellschaft erkennt plötzlich die Wertigkeit von Nachbarschaftshilfe. Dieses Zurück zu seinem Umfeld, zu den Nachbarn, das ist so viel stärker geworden." Unternehmensgründer Bernhard Koller

Aktuell gibt es rund 9.000 aktive Mitglieder, die meisten leben in Berlin und München. In Regionen, in denen Zwopr noch nicht so bekannt ist, bleiben die Hilfegesuche mitunter lange unbeantwortet. Manchmal bleiben sie das aber auch, weil der oder die Hilfesuchende vielleicht ein bisschen zu viel verlangt: Einige Probleme sind dann doch zu groß für die Helfer von nebenan und man sollte sich damit lieber an einen Fachmann oder eine Fachfrau wenden.

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