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Nach Panne bei Coburger Ämtern: So geht Daten-Löschen richtig | BR24

© dpa/Andrea Warnecke

Mit Gewalt die Festplatte zerstören, muss man nur im Notfall.

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    Nach Panne bei Coburger Ämtern: So geht Daten-Löschen richtig

    Weil eine Behörden-Festplatte nicht richtig geleert wurde, landeten Datensätze von Bürgern in falschen Händen. Das Problem betrifft aber nicht nur Ämter. Wie wird man Daten auf PCs und Handys los, bevor man die Geräte abgibt?

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    Eigentlich wollte der Mann aus Nürnberg nur eine gebrauchte Festplatte bei Ebay kaufen. Als kostenlose Dreingabe fand er zu seiner Verwunderung darauf jedoch tausende E-Mails, Passwörter, Dokumente des Landratsamtes Coburg.

    Zum Glück für die Behörde wandte der ehrliche Datenfinder sich damit nicht an Cyberkriminelle, sondern an die Computer-Zeitschrift C’t. Die fand dann heraus, dass wohl bei der Datenvernichtung etwas schiefgegangen war. Das Löschverfahren war nicht für den Festplattentyp SSD geeignet. So ging der Speicher mitsamt Bürgerdaten in den Verkauf.

    Private digitale Daten loswerden

    Auch, wenn die wenigsten Otto-Normal-Verbraucher solch sensible Daten anderer Menschen auf ihren PC-, Tablet- oder Handy-Festplatten gespeichert haben: Auch die Aussicht, dass Fremde auf so persönliche Daten wie Urlaubsbilder, Briefe an den Arzt oder Gehaltsabrechnungen zugreifen könnten, ist für viele sicherlich Horrorvorstellung genug.

    Was also tun, wenn man einen alten Computer, eine externe Festplatte oder auch Handy an einen Verwandten weitergeben, im Internet verkaufen oder schlicht sicher wegwerfen möchte? BR24 hat Christoph Schmidt, Hardware-Redakteur beim Computer-Magazin "Chip", gefragt.

    Eins vorneweg: Vor dem Löschen sollten Sie Dateien, also Fotos, Texte oder Videos, die Sie behalten möchten, sicher auf einem anderen Computer oder einer externen Festplatte speichern.

    Leichtes Spiel bei Handys und Co.

    Bei Handys und Tablets ist das Daten-Löschen keine große Sache. "Aktuelle Apple-iOS- und Android-Geräte verschlüsseln den eingebauten Gerätespeicher. Das Zurücksetzen auf Werkseinstellungen verwirft dabei den Schlüssel, sodass die Daten als sicher gelöscht gelten", erklärt Experte Schmidt.

    Es reicht also, das Gerät auf Werkseinstellungen zurückzusetzen. Diese Funktion finden Sie in den Einstellungen des Gerätes. Falls Sie eine zusätzliche SD-Speicherkarte in ihr Smartphone oder Tablet eingelegt haben, ist es am einfachsten diese schlicht herausnehmen und zu behalten, bevor sie das Gerät weitergeben.

    PC-Festplatten: HDD oder SSD?

    Schwieriger ist das sichere Löschen von Daten von PC-Festplatten. Auch, weil – wie im Coburger Fall – die Festplattenarten HDD und SSD verschiedene Löschvorgänge erfordern. Welche Art von Festplatte in Ihrem PC eingebaut ist, erfahren Sie letztlich am einfachsten aus den mitgelieferten Dokumenten Ihres Gerätes.

    Haben Sie diese nicht mehr vorliegen, können Sie technisch versierte Nutzer dies über das Defragmentierungstool des PCs herausfinden. Wie das geht, erklären wir weiter unten*. Wer sich das nicht zutraut, könnte zum Beispiel einen Bekannten oder Verwandten um Hilfe bitten.

    Zusatz-Programm nötig

    Zur Löschung einer HDD-Festplatte, erklärt "Chip"-Redakteur Schmidt, sollten Sie zunächst schlicht die Dateien wie gewohnt löschen und auch aus dem Papierkorb leeren. Dies reicht jedoch nicht: "Danach sind nur die Dateinamen weg, aber sämtliche Dateiinhalte liegen noch auf dem Laufwerk und lassen sich leicht wiederherstellen", erklärt er.

    Daher sollten Sie für wirkliche Sicherheit ein Open-Source-Programm wie das kostenlose "Bleachbit" die Speicher bereinigen lassen. Das kann mehrere Stunden in Anspruch nehmen. "Das Tool überschreibt den gesamten Speicherplatz und damit erst tatsächlich die Inhalte aller jemals gelöschten Dateien auf dem Laufwerk", so der Experte.

    Manchmal hilft nur rohe Gewalt

    Bei SSD-Festplatten ist das Vorgehen im Grunde laut Christoph Schmidt gleich. Allerdings ist es möglich, dass dort aufgrund bestimmter Eigenschaften von SSDs auch nach dem Überschreiben durch ein Programm Dateireste übrig bleiben. Mehr Sicherheit bieten hier die hauseigenen Speicherverwaltungs-Programme der SSD-Hersteller wie "Samsung Magician" von Samsung oder "Crucial Storage Executive" des Herstellers Crucial. Sie bieten einen "Secure Erase" der Platten an: "Das geht schnell, schont das Laufwerk und die Daten sind nach heutigem Kenntnisstand unwiederbringlich zerstört".

    Ist die Festplatte veraltet oder so kaputt, dass man sie über den PC gar nicht mehr steuern können, hilft darüber hinaus nur eines: die Festplatte physikalisch zerstören. Das bieten etwa Dienstleister als "HDD-Shreddern" an. "Zuhause muss man vor allem Festplatten mit roher Gewalt in ihre Einzelteile zertrümmern und die Magnetscheiben zersplittern, um 100 Prozent sicher zu sein", erklärt der Experte von "Chip".

    * Falls Sie etwas mehr Erfahrung mit PCs haben, können Sie folgendermaßen herausfinden, ob eine SSD- oder HDD-Festplatte in Ihrem Windows-Computer verbaut ist, erklärt Experte Schmidt: Die Tastenkombination [Windows-Taste] + [r] drücken, „dfrgui“ eingeben und [Enter] drücken. Alternativ das Startmenü öffnen und anfangen zu tippen: "Laufwerke defragmentieren", bis die entsprechende App angezeigt wird, dann diese mit einem Klick starten. In beiden Fällen startet das Defragmentierungstool mit einer Übersicht der Laufwerke im Rechner mit der Angabe "Festplatte" (heißt HDD) oder "Solid-State-Laufwerk" (heißt SSD).