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Schritte in Richtung Digitalisierung wurden an Bayerns Schulen gemacht. Es bleibt die Frage, ob sie groß und schnell genug waren.

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    Nach "Pakt" und "Turbo": Wie läuft die Schul-Digitalisierung?

    Die Corona-Schulschließungen zeigten unter dem Brennglas: Deutschlands Schulen haben digitalen Nachholbedarf. Die Politik gab Geld frei. Nun wird wieder über Distanzunterricht geredet: Wie weit sind die Schulen seit dem Frühjahr digital gekommen?

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    Von
    • Thomas Moßburger

    Liest man Berichte von Schülern über den Corona-bedingten Schul-Lockdown im Frühjahr, dann fallen diese höchst unterschiedlich aus: Mancher wurde über Video-Konferenzen unterrichtet, andere erhielten dagegen nur ab und an E-Mails mit Arbeitsblättern. Es zeigte sich: Von flächendeckendem, gleichwertigem digitalem Unterricht sind Deutschlands Schulen teils weit entfernt.

    Die Bundesregierung reagierte mit Geld. Der bereits seit 2019 bestehende Digitalpakt Schule wurde aufgestockt. Hunderte Millionen zur Anschaffung von Geräten für Schüler und Lehrer sowie die Schaffung von Know-How wurden bei einem Schulgipfel im September 2020 in Aussicht gestellt. Die Umsetzung der Maßnahmen erfolgt durch die für Bildung zuständigen Länder.

    Auch die erkannten das Digitalisierungsproblem aus dem Frühjahr verstärkt als Betätigungsfeld. Bayerns Ministerpräsident Söder sprach von einem Digital-Turbo, den seine Staatsregierung zünden wolle. Bereits im Juni wurden hunderte Millionen für neue digitale Plattformen, Fortbildungen und Geräte eingeplant.

    Union fordert weitere Beschleunigung

    Einige Monate später wird wegen der zweiten Corona-Welle erneut verstärkt über Distanzunterricht diskutiert. Die Schulen blieben bisher jedoch meist geöffnet. Distanzunterricht soll auch bei sehr hohen Inzidenzwerten verhindert werden. In Bayern werden Schulen etwa erst bei direkten Ausbruchsgeschehen in der Schule geschlossen. Ist also seit dem Frühjahr zu wenig geschehen, um richtigen digitalen Unterricht zu ermöglichen?

    Eine aktuelle Umfrage unter Schulträgern, von der das "Handelsblatt" berichtet, deutet darauf hin, dass die digitalen Bemühungen in den ersten Monaten seit ihrem Beschluss noch mäßig Fahrt aufgenommen haben. Vielerorts sind noch keine Gelder für Geräte beantragt worden, weswegen bei neuerlichen Schul-Schließungen auch nur wenige Geräte für Schüler verfügbar wären. Laut der Schulträger-Umfrage von Fujitsu und Rednet fehlt es zudem weiter an Qualifikation bei den Lehrern.

    Auch ein aktuelles Positionspapier der Unionsfraktion im Bundestag, deren Parteifreunde zahlreiche Länder sowie die Bundesregierung führen, hinterlässt Zweifel an der Turbo-Geschwindigkeit der Schuldigitalisierung. Dort wird nämlich gefordert, dass die Umsetzung der Schul-Digitalisierung weiter beschleunigt werden müsse. Etwa indem die Bundesländer öfter Bericht über ihren Fortschritt erstatten müssen und mehr Zusammenarbeit zwischen den Bundesländern bei Lehrer-Fortbildung, Nutzung von Tools und Umsetzung von Digitalisierungsmaßnahmen erfolgt.

    Lehrerverband: Große Unterschiede bei digitaler Schule

    Der Einschätzung, dass ein Digital-Turbo gezündet und die Schullandschaft im Schnelldurchlauf digitalisiert hat, kann die Präsidentin des Bayerischen Lehrer- und Lehrerinnenverbandes (BLLV), Simone Fleischmann, nur bedingt zustimmen. Aber: "Schulen, Lehrer und Schüler haben sich natürlich auf den Weg gemacht und sind einige Schritte gegangen", so Fleischmann gegenüber BR24.

    Einige Schüler hätten Geräte bekommen, auch sonst sei einiges geschehen. Gleichwohl warnt die Lehrerinnen- und Lehrervertreterin vor überzogenen Erwartungen. Eltern und Öffentlichkeit sollten nicht erwarten, dass Distanzunterricht auf einmal das Niveau des Live-Unterrichts erreiche. Dennoch gelte bei Corona für die Lehrer, die sie vertritt: So viel Unterricht vor Ort wie möglich, aber auch konsequent Schulen schließen und etwa digital unterrichten, wenn nötig.

    Wie digital Unterricht und Schule vor Ort letztlich sind, sei in Bayern jedoch sehr unterschiedlich und hänge von sehr vielen Rahmenbedingungen ab, so Fleischmann. Manche Kommune investiere beispielsweise seit Jahren in die Digitalisierung der Schule, andere lieber in den Schulgarten. Alle Lehrer versuchen jedoch ihr Bestes, um die Digitalisierung umzusetzen, aber es brauche eben Unterstützung und viel Zeit, dies neben dem derzeitigen Unterrichtsbetrieb auch noch zu implementieren. "Der Mythos, dass alle Schulen in Bayern gleich sind, ist durch den stark unterschiedlichen Distanzunterricht schon mal auf jeden Fall gebrochen worden", sagt Fleischmann.

    Kultusministerium: Erste Zahlen vorweisbar

    Und was sagt das Kultusministerium? Dort verweist man gegenüber BR24 auf durchaus vorhandene Erfolge in Sachen digitaler Infrastruktur. So seien im Freistaat seit 2019 mehr als 130 Millionen Euro aus dem Digitalpakt Schule beantragt und bewilligt worden. Der Pakt laufe darüber hinaus noch bis 2024.

    Auch in Sachen Endgeräte sieht man sich auf einem guten Weg. Zu Beginn der Corona-Krise seien rund 50.000 Notebooks und Laptops an den Schulen zur Verfügung gestanden. Inzwischen seien es mehr als 125.000 (zur Einordnung: rund 1,65 Millionen Kinder und Jugendliche besuchten 2018/19 in Bayern eine Schule). Zudem verweist das Ministerium darauf, dass 90.000 Lehrer sich in Online-Seminaren zum Thema Digitale Bildung fortgebildet haben (zur Einordnung: es gab 2018/19 etwa 155.000 Lehrer an Bayerns Schulen).

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