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Smartphone mit Kopfhörern und Clubhouse auf dem Display

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    Nach Clubhouse-Hype: Welche Zukunft hat Social Audio?

    Anfang des Jahres gab es einen riesigen Hype um Clubhouse. Inzwischen spricht kaum noch jemand über die App. Ist das Thema Social Audio damit durch? Mitnichten. Die großen Tech-Giganten fangen gerade erst an.

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    Von
    • Christian Orth

    Für viele ist Clubhouse heute nur wieder eine App von vielen, für Nadja Pia Wagner ist es auch heute noch "Magie". Sie habe durch die App Menschen kennengelernt, die ihr zuhören, für sie da sind, gar zu echten Freunden geworden seien. Das habe noch keine Social Media App geschafft.

    Entdeckt hat die TV-Journalistin die App wie so viele Anfang des Jahres. Im Februar erhält die Münchnerin eine der begehrten Clubhouse-Einladungen und ist sofort angefixt. Durchschnittlich drei Stunden verbringt sie pro Tag auf der Live-Audio-Plattform, manchmal auch mehr. In dieser ersten Phase sind viele Prominente aus Politik, Wirtschaft und Medien auf Clubhouse, Thomas Gottschalk sei plötzlich ebenso "greifbar" gewesen wie TV-Moderatorin Dunja Hayali, sagt Nadja Pia Wagner.

    Ist auf Clubhouse Platz für Journalismus?

    Schnell testet sie auch ein eigenes journalistisches Format, das sie "Klartext" nennt und in dem sie mit Experten über ein Thema spricht. Einige hundert Personen hören über mehrere Stunden zu und diskutieren mit.

    Kann man in Social-Audio-Apps wie Clubhouse Journalismus anbieten? Das ist auch für etablierte Medienmarken früh ein Thema, auch für den Bayerischen Rundfunk. BR24 testet im Februar erste Formate, setzt dabei auf spitze Themen mit bayerischer Prominenz: Zum Thema "Frauen in der Politik" sind CSU-Digitalpolitikerin Dorothee Bär und Katharina Schulze von den Grünen angefragt und sprechen so offen wie selten. Das sei eine große Stärke des ungezwungenen Social-Audio-Formats, sagt Hendrik Loven, der bei BR24 für die Entwicklung neuer digitaler Formate verantwortlich ist.

    Clubhouse: Wenig Datenschutz, immer weniger Nutzer

    Aber es gibt aus öffentlich-rechtlicher Sicht auch zwei entscheidende Probleme mit Clubhouse: Einerseits gibt es große Mängel, was den Datenschutz betrifft. Zum anderen ist Clubhouse anfangs nur für Apple-Nutzer und nur mit einer Einladung verfügbar und damit für die meisten Menschen gar nicht zugänglich. Alle Clubhouse-Gespräche wurden deshalb wie eine Konferenz und damit als Impulse für einen Artikel auf BR24 behandelt, so Loven. Schließlich habe man die Clubhouse-Talks aber relativ schnell wieder eingestellt – die Bedenken wurden größer, die Nutzerzahlen immer geringer. Obwohl Clubhouse im Mai eine App für Android-Smartphones auf den Markt bringt und in Indien gerade zu einem neuen Hype ansetzt – in Deutschland ist die Aufregung um Clubhouse längst vorbei.

    "Ganz viele Faktoren haben von Anfang an gegen Clubhouse gesprochen"

    Für Martin Hoffmann ist das keine überraschende Entwicklung: "Ganz viele Faktoren haben von Anfang an gegen Clubhouse gesprochen", so der Digitalexperte. Clubhouse habe von Beginn an kein Mittel gegen Falschbehauptungen, Hass und Hetze in einzelnen Räumen gehabt, prominente Nutzer seien zu schnell abgesprungen. Dadurch sei die App schnell wieder in eine Abwärtsspirale geraten. Das Hauptproblem ist für Martin Hoffmann aber ein anderes: "Es ist einfach, die App zu kopieren. Damit ist es ein extrem angreifbares Modell, weil man sich gegen die Großen der Branche nur ganz schwer verteidigen kann."

    Twitter, Facebook & Co. testen eigene Social-Audio-Angebote

    Kaufen oder kopieren - das ist im Social-Media-Geschäft üblich. Und Social Audio ist längst ein Thema für Giganten wie Twitter, Facebook oder Spotify. Alle arbeiten an ihrem eigenen Clubhouse - als App oder als neues Feature in den bestehenden Netzwerken. Twitter nennt es "Spaces", Facebook testet "Live Audio", Spotify hat die App "Locker Room" gekauft und jetzt den "Greenroom" gestartet. Auch Linkedin, Discord und Reddit setzen auf Social Audio.

    Der Vorteil der großen Plattformen: Viele Nutzer, auch Prominente, sind ohnehin schon registriert, Medienmarken haben bereits einen Account. Auch BR24 könnte schon bald Formate in den neuen Social-Audio-Apps testen, sagt Hendrik Loven – aktuell werden die neuen Anbieter aber noch beobachtet. Für Clubhouse-Fan und Journalistin Nadja Pia Wagner kommt ein Wechsel zu einer anderen Social-Audio-App dagegen nicht in Frage. Sie habe einfach Gefallen an Clubhouse gefunden und Freundschaften geschlossen, "die bleiben werden". Bleiben dürfte auch Social Audio, selbst wenn’s im Klubhaus noch ruhiger wird.

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