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Schüler in Bayern müssen sich unter Umständen auf neue digitale Konferenz-Tools einstellen.

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    Müssen Bayerns Schulen das etablierte Microsoft Teams ersetzen?

    2019 noch fast unbekannt, geht heute ohne Microsoft Teams in vielen Firmen und Schulen nichts mehr. Hauptvorteil des Programms in vielen Augen: Es funktioniert. Trotzdem steht an einigen Schulen in Bayern wohl ein Wechsel an.

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    Von
    • Thomas Moßburger

    Tests, Luftfilter, Mebis, Schulbusse, der Drei-Stufen-Plan. Die Liste von Dingen, die an Bayerns Schulen während der Pandemie nicht funktioniert haben, ist lang. Einen kleinen Lichtblick im Distanzunterricht gab es aber offenbar auch: das Programm Microsoft Teams.

    Viele Eltern kennen Teams aus dem Homeoffice

    Zu Beginn kurzfristig für Bayerns Schulen besorgt, wurde das Programm, das Videokonferenzen, Text-Chats sowie den Austausch von Dateien ermöglicht, zu einem zentralen Tool des Distanzunterrichts. Aktuell "nicht mehr wegzudenken" und "etabliert" sei die Software, so der Vorsitzende des Münchner Lehrerinnen- und Lehrerverbands Martin Schmidt zu BR24. Hinzu komme der Vorteil, dass viele Eltern MS Teams von ihrer Arbeit her kennen würden. Tatsächlich arbeiten auch viele Firmen mit dem Microsoft-Programm, das bei allem Lob auch durchaus bereits Kritik auf sich gezogen hat.

    Auch Moritz Meusel, Landesschülersprecher der Gymnasien in Bayern, sieht in Teams zwar keine optimale Lösung, es sei aber doch das Programm, in das sich viele nun eingearbeitet hätten, wie er gegenüber BR24 angibt.

    München plant wohl Teams-Abkehr

    Und doch scheint die Zukunft des Programms an Bayerns Schulen ungewiss. Es wird aktuell nur dank einer Art Datenschutz-Notfallzulassung genutzt. Denn auch wenn an Bayerns Schulen eine Datenschutz-angepasste Version zum Einsatz kommt, sind grundsätzliche Bedenken gegen das Programm der US-Firma Microsoft keineswegs ausgeräumt. Die Lizenz wurde Ende 2020 vorerst verlängert. Schon damals hatten Schulen sich dafür stark gemacht.

    Nun berichtet die "Süddeutsche Zeitung", dass die Stadt München auf absehbare Zeit einen Wechsel von Teams zu einem Videokonferenz-Programm der Telekom plant. Ein Sprecher des städtischen Bildungsreferates weist auch auf Datenschutz-Gründe hin. Schließlich habe der Landesbeauftragte für den Datenschutz den Einsatz von MS Teams nur vorübergehend für den Zeitraum der Corona-Pandemie gebilligt, so der Sprecher laut der Zeitung.

    Lehrer und Schüler üben Kritik

    Lehrervertreter Martin übt an diesen Plänen, die offenbar noch nicht final sind, auf BR24-Anfrage scharfe Kritik: "Ich verstehe nicht, warum es insbesondere in München immer Sonderwege sein müssen, wo es doch einen Pfad gibt auf dem alle im Moment bequem laufen." Immerhin sei das Programm laut Schmidt auch gut genug für Dax-Unternehmen.

    Das verärgert die Lehrer auch beruflich: "Die Lehrerschaft hat größte Anstrengungen unternommen, um auch hier sehr vertieft und professionell arbeiten zu können. Und das soll jetzt alles weg? Ist da überhaupt ein Lehrer, ein Schulleiter nach seinen Erfahrungen gefragt worden?", fragt Schmidt, der angesichts des Münchner Vorpreschens eine bayernweit einheitliche Softwarelösung anmahnt.

    Auch Landesschülersprecher Meusel wäre eine flächendeckende, einheitliche Lern- und Videoplattform für ganz Bayern wichtig. Angesichts der aktuellen Berichte zum möglichen Teams-Aus in München bestätigt er die Sichtweise der Lehrer: "Kurz- und mittelfristig von Teams abzusehen, wäre ein herber Rückschlag für den Distanz- aber auch normalen Schulbetrieb, da sich bereits viele in das Programm eingearbeitet haben."

    In sozialen Medien finden sich entsprechende Stimmen, die Twitter-üblich sarkastisch kommentieren, dass mit MS Teams eines der wenigen funktionierenden Elemente des Homeschoolings abgeschafft würde:

    Und wie sieht es im Rest von Bayern aus? Das Kultusministerium betont auf Anfrage von BR24 folgendes: "Zu Beginn der Pandemie hat das Staatsministerium für Unterricht und Kultus den weiterführenden Schulen als zusätzliches zentrales Angebot Microsoft Teams temporär zur Verfügung gestellt." Inwiefern aus der temporären eine langfristige Nutzung werden könnte, konnte das Ministerium nicht sagen. Im November 2020 habe man ein dauerhaft nutzbares Videokonferenztool ausgeschrieben, das Verfahren laufe noch.

    Ohnehin gilt laut dem Ministerium: "Die Nutzung für Schulen, Lehrkräfte und Schüler erfolgt auf freiwilliger Basis." Allgemein sei der Einsatz digitaler Werkzeuge eine Entscheidung der Schulen und der kommunalen beziehungsweise privaten Träger - unter Beachtung des Schul- und Datenschutzrechtes.

    Einheitliche Lösung und Teams-Nutzung ungewiss

    Dass Microsoft Teams mittel- und langfristig Teil des bayerischen Unterrichts bleibt, ist also alles andere als gewiss. Auch wenn Lehrer, Schüler, Eltern, Schulleitungen und Elternbeiräte das Tool laut Lehrervertreter Schmidt akzeptieren und mit Leben gefüllt haben, könnten am Ende Datenschutz-Erwägungen oder auch andere Gründe gegen das Unternehmen aus den USA als landesweiten Anbieter sprechen.

    Dass ein neues vom Kultusministerium bereitgestelltes Programm, sei es nun Teams oder ein anderes, nach der Ausschreibung bayernweit Anwendung fände, ist aber ohnehin nicht sicher. Das zeigt der Hinweis des Ministeriums auf die kommunalen Entscheidungsträger, aber auch der Münchner Vorstoß, offenbar noch vor Ausschreibungsende.

    Auch wenn Schüler und Lehrer landesweit einheitliche Lösungen anmahnen, bleibt so wohl festzuhalten: Welche digitalen Tools die Schüler, Eltern und Lehrer nutzen, entscheidet am Ende wohl auch künftig die Grenze der Stadt oder des Landkreises.

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