Zurück zur Startseite
Netzwelt
Zurück zur Startseite
Netzwelt

Münchner Blockchain: Bargeldlos bezahlen im Flüchtlingslager | BR24

© picture-alliance/dpa

Laden im Flüchtlingslager Zaatari

Per Mail sharen

    Münchner Blockchain: Bargeldlos bezahlen im Flüchtlingslager

    Einkaufen im jordanischen Flüchtlingslager Zaatari funktioniert bargeldlos: Ein neues System des Welternährungsprogramms ermöglicht den Bewohnern, im Supermarkt per Iris-Scan zu bezahlen. Das System dafür kommt aus München.

    Per Mail sharen

    Bohnen, Kichererbsen, Reis - Siham legt große, schwere Packungen auf das Band an der Kasse. Mehrmals im Monat kauft sie für die ganze Familie ein: für sich, ihren Mann und die drei Kinder.

    Im Supermarkt Tazweed im Flüchtlingslager Zaatari braucht sie kein Bargeld zum Bezahlen. Siham schaut dafür in ein kleines, schwarzes Gerät. Das scannt ihre Iris - schon ist der Betrag für den Einkauf von Sihams Konto abgebucht.

    "Das neue System hilft, Diebstähle zu vermeiden. Zum Beispiel, dass jemand seine Karte verliert, ein anderer sie findet und benutzt. Das Augen-Scannen ist sicherer für uns." Siham

    Iris-Scan an der Kasse soll Missbrauch erschweren

    Seit gut zwei Jahren bezahlen die Bewohner von Zaatari auf diese Weise ihre Nahrungsmittel. Auch Verkäufer Mohammed sieht darin Vorteile.

    "Das neue System erleichtert uns sehr viel. Vorher, mit den Geldkarten, war es komplizierter. Man musste den Benutzernamen, das Kennwort und andere Daten eingeben, und das hat zu Fehlern und Verwirrung geführt." Verkäufer Mohammed

    Immer wieder habe es mit den Geldkarten Probleme gegeben. Darüber hinaus seien sie anfällig gewesen für Missbrauch, erzählt Walaa Elshabrawy vom Welternährungsprogramm in Amman. Etwa, wenn ein Flüchtling das Land verlassen habe, seine Karte aber anderen überließ.

    "Am Ende hat dann eine Person Hilfe für mehrere Familien beansprucht und Geld genommen, das ihr nicht zusteht. Heute gilt: Entweder man ist hier oder nicht." Walaa Elshabrawy, Welternährungsprogramm

    Eigenes Konto innerhalb eines Blockchain-Netzwerks

    Wer in Zaatari einkauft, zahlt sozusagen mit einem Augenblick. Das funktioniert, weil die Iris eines Menschen so individuell ist wie sein Fingerabdruck. Jeder Bewohner des Flüchtlingslagers in Jordanien kann sich so zweifelsfrei ausweisen - und jeder hat ein Konto. Nicht bei einer Bank, sondern innerhalb eines Blockchain-Netzwerkes.

    Das ist ein verschlüsseltes System, das für dezentrale Buchführung genutzt wird und als so gut wie fälschungssicher gilt.

    Blockchain-Bezahlsystem in München programmiert

    Programmiert wurde das System zum bargeldlosen Bezahlen im jordanischen Flüchtlingslager von der Münchner Firma Datarella. Die eigentliche Banküberweisung des Hilfsgeldes an den Supermarkt erfolgt nur noch einmal pro Woche in einem einzigen Banktransfer.

    Das spart dem Welternährungsprogramm erhebliche Kosten, denn es muss kaum noch Bankgebühren zahlen.

    Welternährungsprogramm spart 98 Prozent der Bankgebühren

    Wenn pro Transaktion ein bis drei Prozent Gebühr gespart wird, kommen schnell Millionen zusammen bei 80 Millionen Menschen weltweit, die vom Welternährungsprogramm Unterstützung erhalten.

    2019, so dass Ziel, werden alle 500.000 Flüchtlinge in Jordanien das Buidling Blocks System benutzen.

    Walaa Elshabrawy hofft, dass künftig auch andere Einrichtungen wie Kliniken, Schulen oder Universitäten die neue Technologie nutzen.

    Die über Blockchain-Netzwerke gespeicherten Daten können als Belege dienen - ob es um die eigene Identität geht, um Krankendaten oder Leistungsnachweise. Diese können die Flüchtlings dann mitnehmen, wenn sie nach Hause zurückkehren.