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Interview mit Ronny Jahn vom vzbv zum "Roaming-Tauziehen" der Verbraucherschützer mit O2.

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Mobilfunk - O2 muss wegen Roaming Geld zurückzahlen

Eigentlich gilt seit Juni 2017 das EU-Roaming zu Inlandspreisen. Doch O2 Telefonica fand Wege, einigen Kunden dieses Recht auf kostenlose Handynutzung im Ausland vorzuenthalten. Nun wird nachgebessert und manche Betroffene erhalten Geld zurück.

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Von
  • Christian Sachsinger

Roam like at home – unter diesem Motto hat die EU vor knapp vier Jahren ein Recht auf kostenloses Roaming etabliert. Die Idee: Telefonieren, Simsen und Surfen dürfen in anderen EU-Ländern keine Extra-Kosten verursachen. Größtenteils hat das so auch geklappt. Doch vor allem Telefonica Deutschland hat einige Kunden bis gerade eben von diesem Recht ausgespart. Ein O2-Kunde bekam in dieser Woche folgende SMS:

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Ausschnitt aus SMS an O2-Kunden

Der "regulierte Roaming-Tarif", von dem in der SMS die Rede ist, steht für die beschriebene kostenfreie Weiternutzung des Handys im Ausland. Telefonica bestätigt auf Anfrage, dass man die automatische Umstellung jetzt gestartet habe. Es handelt sich hierbei um Personen mit Altverträgen, die sich bisher nicht gemeldet und die Umstellung verlangt hatten.

Warum braucht es überhaupt neue Verträge?

Der eine oder die andere hatte wohl tatsächlich gezögert, weil sich mit dem neueren Roaming-Tarif andere Konditionen verschlechtert hätten. Fragt sich, warum O2 die Kunden nicht in ihren alten Verträgen beließ und sie einfach umsonst das Handy im Ausland weiternutzen konnten. Telefonica-Pressesprecher Guido Heitmann sagt auf diese Frage, man könne nicht einfach so an bestehenden Tarifen herumschrauben und einzelne Details ändern. Außerdem sei das Ganze eine Mischkalkulation, die dann, wenn die Roaminggebühren wegfallen, für das Unternehmen nicht mehr aufgehe, wie Heitmann erklärt.

Die EU wollte den Mobilfunkkonzernen aber bewusst einen Strich durch die Rechnung machen, die mit dem Roaming lange viel Geld verdient hatten. Telefonica muss sich also schon vorwerfen lassen, auch den Grundgedanken der EU-Roaming-Regelung nicht beherzigt zu haben. Da überzeugt auch nicht, wenn sich Pressesprecher Heitmann darauf beruft, dass die Bundesnetzagentur angeblich abgesegnet hat, dass O2 nicht automatisch auf kostenfreies Roaming umstellte.

O2 lenkt erst nach zähem Ringen ein

Es sieht danach aus, als wollte das Unternehmen auf Zeit spielen, um zumindest bei den Wechselunwilligen die Roaming-Gebühren weiter kassieren zu können. Dem musste in einem langwierigen Gerichtsverfahren ein Ende gesetzt werden.

Geklagt hatte der Verbraucherzentrale Bundesverband (vzbv) und am Ende Recht bekommen. Im September 2020 entschied der Europäische Gerichtshof: Telekommunikationsanbieter mussten auch laufende Verträge zum 15. Juni 2017 automatisch auf den "Roam-Like-At-Home"-Tarif umstellen, sofern die Klienten der Umstellung nicht widersprachen. Diese automatische Umstellung erfolgt also jetzt, nachdem noch einmal gut ein halbes Jahr seit dem Urteil vergangen ist. Immerhin wurden laut Pressesprecher Heitmann seit September bei den betroffenen Altverträgen keine Roaming-Gebühren mehr verlangt.

In manchen Fällen gibt es Geld zurück

In Reaktion auf dieses Urteil hatte der vzbv von Telefonica zudem verlangt, die bis dahin zu Unrecht erhobenen Roaming-Entgelte zu erstatten. Darauf hat sich das Unternehmen eingelassen. Wer also nach Juni 2017, für Telefonate innerhalb der EU bezahlen musste, oder für Internetverbindungen zum Beispiel ein "Roaming Day Pack" gekauft hat und das mit einer Rechnung belegen kann, bekommt diese Kosten zurückbezahlt.

Telefonica hat dazu einen Bereich in seinem Kundenportal eingerichtet. Die Verbraucherzentralen stellen ausführliche Informationen hier zur Verfügung.

Roaming scheint nun endgültig geklärt

Die strittigen Fälle betreffen explizit Verträge mit O2 und nicht solche mit anderen Mobilfunkprovidern, auch wenn die Kunden dort das Telefonica-Netz mitbenutzten. O2 scheint das einzige Unternehmen zu sein, das sich mit einer konsequenten Umsetzung der EU-Roaming-Regeln so lange Zeit gelassen hat. Ronny Jahn vom vzbv sagt, ihm sei kein anderer Fall bekannt. Nach vier Jahren scheint das Thema Roaming nun allerdings definitiv für alle geregelt zu sein, Handynutzung im EU-Ausland ist kostenfrei.

Ronny Jahn verweist noch auf zwei Spezialfälle: Wer zu lange (über mehrere Monate) im Ausland verweilt und dort viel das Handy nutzt, kann nachträglich doch noch zur Kasse gebeten werden. Und auch auf Schiffen gibt es Ausnahmen. Das Smartphone auf hoher See (auch in europäischen Gewässern) zu verwenden, kann sogar schnell sehr teuer werden.

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