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Mobilfunk: Kauf von 5G-Handys lohnt noch nicht | BR24

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Samsung Foldable

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    Mobilfunk: Kauf von 5G-Handys lohnt noch nicht

    Weihnachten ist für Viele der Zeitpunkt für ein neues Smartphone. Zumal die Mobilfunkindustrie ganz neue Geschwindigkeiten mittels 5G verspricht. Allerdings ist es womöglich zu früh, denn Handys und Netze passen oft noch nicht richtig zusammen.

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    Von
    • Christian Sachsinger

    Die Mobilfunkgesellschaften versuchen derzeit Gas zu geben und liefern sich ein Wettrennen, beim Aufbau der superschnelle Mobilfunktechnik 5G . Immerhin sind - rein theoretisch zumindest – Datengeschwindigkeiten von zehn Gigabit pro Sekunde denkbar. Die aktuellen LTE-Netze erreichen selten mehr als 0,1 Gigabit bzw. 100 Mbit. Außerdem sollen die 5G-Netze mehr Daten auf einmal durchschleusen und schnellere Reaktionszeiten bieten. Wer einen Befehl in das Handy eingibt, muss also nicht mehr warten, bis etwas passiert – so zumindest das Versprechen von Telekom, Vodafone und O2.

    Die Realität sieht allerdings noch gaaaaanz anders aus. Auch wenn die Telekom behauptet, bis Ende des Jahres die Hälfte der deutschen Bevölkerung mit dem neuen superschnellen Netz zu erreichen, so werden die wenigsten wirklich Spaß haben mit ihren neu erworbenen 5G-Handys. Sogar wenn man mit einem solchen Gerät direkt vor einem 5G-Funkmasten steht, kann es passieren, dass nur mit 4G (also LTE) gesurft werden kann. Wie die Tester der Zeitschrift Chip herausgefunden haben, haben viele 5G-Handys Schwierigkeiten, sich in das Netz einzubuchen. Der technische Hintergrund für diese Probleme ist nicht ganz trivial.

    Eine 5G-Verbindung läuft meist noch über zwei „Kanäle“

    Derzeit versuchen die Mobilfunkgesellschaften Gas zu geben beim Aufbau der Netze. Um möglichst schnell voranzukommen, werden nicht nur neue extra für 5G konzipierte Sendestationen aufgebaut, was zwar die besten Ergebnisse beim Empfang garantieren würde, aber länger dauert und mehr kostet. Man rüstet deshalb parallel dazu bestehende LTE-Stationen kurzerhand auf und nutzt deren Frequenzen (zum Beispiel 800 MHz, 1800 MHz, 2600 MHz) auch für 5G. Und hier kommt nun der komplizierte Teil: die 5G-Kommunikation braucht bei diesen umgerüsteten Sendestationen zwei Frequenzen. Eine wird zur Steuern der Funksignale benötigt (also um die Verbindung im Netz zu managen), die andere Frequenz ist der eigentliche 5G-Datenkanal. Beides kann aber eben nicht auf der gleichen Frequenz laufen. Das bedeutet für 5G-Handys, dass sie zwei unterschiedliche Frequenzen kombinieren müssen. Die Netzbetreiber kombinieren dabei auch nicht immer die gleichen Frequenzen, sondern von Mast zu Mast entstehen ganz unterschiedliche Frequenz-Paare.

    iPhones und Samsung-Handys kommen mit Vodafone-Netz oft nicht klar

    Die Netzbetreiber haben also zahlreiche verschiedene Frequenzen im Einsatz und bauen derzeit Stationen, in denen sogar noch neue Hertz-Zahlen mit dazu kommen. Damit entstehen noch mehr Frequenzpaare, die die Smartphones beherrschen müssten, um überall 5G empfangen zu können. Vodafone beispielsweise setzt derzeit 700 MHz (die aus dem abgeschalteten DVB-T-Fernsehen frei geworden sind) ein, um damit auf dem Land 5G-Netze aufzubauen. Dabei werden die 700 MHz oft 800 MHz kombiniert. Diese Kombination beherrschen laut Chip-Tester Markus Mandau die Top-Geräte von Samsung und Apple nicht. Wer also als Vodafone-Kunde unbedingt 5G nutzen möchte, sollte sich kein iPhone 12 und kein Galaxy S20 kaufen. Leider wirbt Vodafone derzeit mit iPhones und 5G.

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    Vodafone-Seite

    Nur wenige Smartphones bestehen den 5G-Test

    Unter den zehn Spitzen-Geräten die Mandau untersucht hat, bestanden im Vodafone-Netz nur zwei den Praxis-Test relativ sicher: das Oppo Find X2 Pro und das Huawei P40 Pro. Wobei das Huawei derzeit mit einem großen Manko behaftet ist: der chinesische Hersteller ist vom Google-Play-Store (wegen der Spionagevorwürfe der USA) abgekoppelt, so dass viele Apps mit diesem Gerät nicht genutzt werden können.

    Auch im Telekom-Netz klappt es oft noch nicht

    Auch Telekom-Kunden können ihr persönliches 5G-Funkloch-Erlebnis haben, weil eben die Geräte die entsprechenden Frequenzkombinationen nicht beherrschen. Laut Chip ist das bei rund 20 Prozent der Verbindungen der Fall. Einigermaßen problemlos funktionieren, dem Test zufolge, im Telekom-Netz drei Geräte: Oppo Find X2 Pro, Xiaomi Mi 10 Pro und Motorola Moto G 5G Plus.

    Fazit: kein 5G-Handy zu Weihnachten

    Das Zusammenspiel von Netzen und Endgeräten funktioniert einfach noch nicht gut genug. In einem halben Jahr könnte die Sache schon ganz anders aussehen. Die nächste Smartphone-Generation bekomme neue 5G-Komponenten, so dass sie mehr Frequenzen für 5G unterstützen werde, so Markus Mandau. Damit verbindet sich noch eine Hoffnung: Die neuen Smartphones sollen bei 5G energiesparsamer arbeiten und den Akku nicht mehr so schnell leer pumpen, wie das im Moment noch der Fall ist. Und: Im Laufe des Jahres wird auch O2 sein bislang nur sehr spärlich vorhandenes Netz ausbauen, so dass 5G-Interessierte nicht nur bei den Geräten, sondern auch bei den Netzanbietern mehr Auswahl haben.

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