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Mit Verweis auf SMS: EU-Kommission lehnt Messenger-Reform ab | BR24

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Interoperable Messenger: Nicht jeder findet die Idee sinnvoll.

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    Mit Verweis auf SMS: EU-Kommission lehnt Messenger-Reform ab

    WhatsApp hat eine Marktmacht, die es jeden Datenschutz-Aufschrei unbeschadet überstehen lässt. Mancher fordert auch deswegen die Öffnung für Nachrichten aus anderen Messengern. Die EU-Kommission will das nicht per Gesetz zur Pflicht machen.

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    Von
    • Thomas Moßburger

    WhatsApp kommt wegen Datenschutz bedenken immer wieder ins Gerede und trotzdem bleiben viele bei der Facebook-Tochter. Der Grund: Wechselt man den Messenger, müssen die eigenen Kontakt eigentlich mitwechseln, wenn man ihnen weiterhin schreiben möchte. Doch die eigenen Kinder, Eltern, Großeltern oder Freunde von einem anderen Messenger zu überzeugen, das ist langwierig und kompliziert - zur Freude von WhatsApp.

    Als Ausweg aus diesem Dilemma sehen einige in einer gesetzlich verordneten Interoperabilität der verschiedenen Messenger-Dienste. Darunter versteht man, dass Messenger miteinander kompatibel sein sollen. Ein Signal-Nutzer soll einem WhatsApp-User schreiben können, ein Threema-User einem Signal-Nutzer, ähnlich wie auch Kommunikation zwischen unterschiedlichen E-Mail-Diensten funktioniert.

    Die zuständige EU-Kommissarin Margrethe Vestager hat Hoffnungen darauf jedoch nun in einem Interview mit dem "Handelsblatt" einigen Wind aus den Segeln genommen. Forderungen kamen zuletzt etwa aus dem EU-Parlament - in Bezug auf die Neuregulierung der IT-Wirtschaft im „Digitale-Dienste-Gesetz“ der EU. Ähnliche Vorstellungen finden sich aber auch im Entwurf des Bundestags-Wahlprogramms der SPD.

    Angst um Innovation

    Vestager fürchtet, dass eine solche Regelung Innovationen ersticken könnte. "Denken Sie an die SMS: Die gibt es schon sehr lange, und sie hat sich kaum weiterentwickelt", so die für Wettbewerb und Industriepolitik zuständige Vizepräsidentin der EU-Kommission. Aus ihrer Sicht sei zu befürchten, dass zu Innovationen wie etwa Gruppenchats mit solchen interoperablen Messengern nicht kommen würde.

    "Wenn wir jetzt vorschreiben, dass alle Messenger kompatibel sein müssen, könnte das dazu führen, dass wir eine Art SMS zurückkriegen", so Vestager. Man setze daher auf breitere Ansätze. Eine klare Erklärung, was das in Bezug auf den Messenger-Markt heißen könnte, liefert die Politikerin nicht.

    Das Ziel, die Marktmacht der großen Player, wie eben Facebook mit den Töchtern WhatsApp und Instagram zu verkleinern, betonte die Kommissarin im „Handelsblatt“ jedoch: „Unsere Gesetze sollen dafür sorgen, dass die vorhandenen großen Unternehmen den Markt nicht unter sich aufteilen.“ In Sachen Regulierung hält sie laut dem Interview auch eine Zusammenarbeit mit den USA für denkbar, da sich auch dort der Blick auf die Tech-Riesen verändert habe.

    Bedenken auch bei Datenschützern

    Bedenken gegen eine Pflicht zur Interoperabilität von Messenger-Apps äußerten in der Vergangenheit auch andere Stellen. Hier standen jedoch eher Datenschutz-Bedenken als Angst um Innovationen im Vordergrund. So sind einige Stellen unsicher, ob die aktuell etwa bei WhatsApp übliche Ende-zu-Ende-Verschlüsselung der Inhalte zuverlässig über alle Messenger hinweg funktionieren würde. Auch Bedenken, dass Messenger so an Daten von Personen kommen könnten, die sie eben nicht nutzen, gibt es.

    Kurzum: Eine Umsetzung solcher interoperabler Messenger dürfte, die in Sachen Datenschutz und Technologie zufriedenstellend ist, dürfte sich schwierig gestalten, ist aber wohl möglich, wie der Kollege Bernd Oswald in diesem Beitrag aufzeigt.

    Marktmacht von WhatsApp enorm

    Diskussionen über den Messenger-Riesen WhatsApps gibt es in Deutschland seit Jahren in größere Regelmäßigkeit. Mal ausgelöst von einer Ankündigung von WhatsApp, dass zukünftig mehr Daten mit Mutter Facebook geteilt werden, mal wegen des Vorgehens eines deutschen Datenschutzbeauftragten gegen den Messenger. Immer gibt es kurz Deinstallations-Aufrufe, doch nie änderte sich jedoch nachhaltig etwas an WhatsApps Marktmacht.

    Knapp 80 Prozent der deutschen Internet-user zwischen 16 und 64 Jahren nutzen WhatsApp laut einer aktuellen Untersuchung jeden Monat und machen es damit letztlich "to big to fail". So kann jeder Einzelne zu einem Konkurrenten wie Threema oder Signal wechseln, vielleicht sogar seinen Partner und ein paar Freunde überreden mitzumachen. Solange aber nicht auch die Eltern und Arbeitskollegen und so weiter komplett mitziehen, wird WhatsApp installiert bleiben. Die Chance, dass man jeden relevanten Kontakt zum Wechsel bewegen kann, der dann wiederum seine Kontakte mitziehen müsste, ist gering. Egal, ob dies nun an Bequemlichkeit oder auch fehlender digitaler Kompetenz liegt.

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