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Mit dem Handy gegen Corona: Die wichtigsten Fragen und Antworten | BR24

© Edith Geuppert/Picture Alliance

Wie funktioniert das Tracing-System eigentlich und welche Daten werden erhoben?

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    Mit dem Handy gegen Corona: Die wichtigsten Fragen und Antworten

    Im April noch könnte der Startschuss für eine Tracing-App fallen. Gerade hat ein europäisches Team von Wissenschaftlern und IT-Experten ein datenschutzfreundliches System vorgestellt. Wir beantworten dazu die wichtigsten Fragen.

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    Es kommt nicht oft vor, dass Politiker, Mediziner, Programmierer, Hacker und Datenschützer sich weitgehend einig sind. Aber seit einigen Tagen kann man diesen seltenen Konsens tatsächlich beobachten. Egal, wer sich äußert: Alle sind sich sicher, dass es eine technische Möglichkeit gibt, Corona zu bekämpfen und zugleich hohe Standards an Anonymität und Datenschutz zu wahren. Bald schon könnten unsere Mobiltelefone uns sagen, ob wir zu jemandem Kontakt hatten, der mit Corona infiziert war. Die Geräte in unserer Hosentasche könnten eine Waffe sein gegen die tückischste Eigenschaft von COVID-19: Dass wir das Virus in uns tragen und andere anstecken, ohne das zu wissen und zu wollen.

    Coronavirus: Alles Wissenswerte finden Sie hier.

    Mit dem Smartphone gegen das Virus

    Mit Hilfe des Smartphones könnte es möglich sein, die Corona-Kurve flach zu halten, auch und vor allem in der Zeit nach dem Lockdown. Seit dieser Woche liegt unter dem etwas sperrigen Namen PEPP-PT hierzu eine konkrete Idee auf dem Tisch. Es ist ein Konzept, das auf Tracing setzt, nicht auf Tracking. Ein wichtiger Unterschied, der weiter unten erklärt wird.

    Die auf PEPP-PT basierenden Apps legen keine Bewegungsprofile der Nutzer an, führen nicht Buch darüber, wer sich wann wohin bewegt und sich wo aufgehalten hat. Stattdessen wird nur das gespeichert, was zu Corona-Bekämpfung notwendig ist: Wer hatte Kontakt zu wem? Oder genauer: Welches Mobiltelefon befand sich in der Nähe eines anderen Mobiltelefons? Gespeichert wird diese Information dezentral und verschlüsselt auf dem eigenen Gerät.

    Akzeptanz durch Datensparsamkeit und Transparenz

    Es ist vermutlich sogar so, dass eine Anti-Corona-App freiwillig sein muss, damit sie von möglichst vielen Bürgern akzeptiert wird. Denn auf Akzeptanz kommt es an, denn eine solche Lösung kann nur funktionieren, wenn möglichst viele mitmachen. Umso wichtiger ist es, dass man versteht, wie PEPP-PT funktioniert. Noch gibt es keine konkreten Programme, die auf PEPP-PT basieren und die man sich herunterladen kann, aber das wird sich in wenigen Wochen ändern. Wir werden hier Sie hier bei BR24 in den nächsten Wochen laufend und umfassend zu den konkreten Apps informieren. Zu den grundlegenden Funktionsweisen beantworten wir hier heute schon die wichtigsten Fragen:

    Gibt es schon eine fertige App?

    Nein. Vielmehr handelt es sich bei dem Konzept der Pan European Privacy Protecting Proximity Tracing (PEPP-PT)-Initiative um eine umfassende Plattform, die an den jeweiligen Bedarf eines Landes angepasst werden kann. Genutzt wird dennoch ein gemeinsames System.

    Nach Angaben der Macher ist die Plattform technisch bereits soweit, dass man ein User-Interface für eine App anlegen könnte. Aus Kreisen der Bundesregierung heißt es, das Konzept sei “vielversprechend”. Eine Entscheidung darüber, ob genau dieses Konzept dann aber auch Unterstützung von der Regierung erfährt, um als App veröffentlicht zu werden, wird es aber wohl nicht vor Ostern geben.

    Was wäre der Sinn einer solchen App?

    Mit einer App bzw. dem nun vorgestellten System soll es möglich sein, potenzielle Infektionsketten schnell nachzuvollziehen. Wenn dadurch einzelne Infizierte und Verdachtsfälle besser identifiziert, getestet und isoliert werden, können womöglich andere Maßnahmen zur Einschränkungen des öffentlichen Lebens wieder gelockert werden. Die Infektionskurve könnte flach bleiben, auch ohne dass das öffentliche Leben heruntergefahren werden muss.

    Wer steckt hinter dem System?

    Ein interdisziplinäres Team von rund 130 Mitarbeitern aus 17 Instituten, Organisationen und Firmen in Europa, darunter zahlreiche wissenschaftliche Einrichtungen wie das Fraunhofer Institute, die Technischen Universitäten Berlin und Dresden, die Universität Erfurt, die Schweizer Universität ETH Zürich und staatliche Einrichtungen wie das Robert Koch Institut. Auch Technologiefirmen wie Vodafone und arago, aber auch die Bundeswehr sind in die Entwicklung und Tests mit einbezogen. Das Konzept wurde “bottom up”, also von den Wissenschaftlern selbstständig entworfen, und nicht von einer Behörde oder einer Regierung in Auftrag gegeben.

    Datenschutz und Sicherheit

    • Wer hat meine Daten und sind die dort sicher? Das System ist abgeschlossen, die Daten werden dabei lokal auf dem eigenen Smartphone gespeichert - und verschlüsselt. Dritte können darauf nicht zugreifen. Aber auch die Nutzer selbst können die Daten nicht einsehen.
    • Wird mein Standort geortet oder Bewegungsprofile von mir erstellt? Nein. Es wird lediglich anonymisiert erfasst, mit wem man nach einer gewissen Mindestdauer in einem bestimmten Abstand Kontakt hatte. Dann werden die IDs der Nutzer ausgetauscht. Ein “Geo-Tracking” findet nicht statt.
    • Bleibe ich als Nutzer anonym? Als Nutzer bekommt man eine zeitlich begrenzte ID zugewiesen, die alle 30 Minuten erneuert wird. Außer dieser ID werden keine weitere Daten erfasst und damit auch keine personenbezogenen Daten.

    💡 “Tracking vs. Tracing”

    Spricht man von Bewegungsdaten, bezeichnet Tracking das Erfassen genau solcher Daten. Heißt: Der Aufenthaltsort einer Person kann mit Hilfe von Standort- bzw. Geodaten (z.B. GPS, Funkzelle) bestimmt werden. Wird auch noch der zeitliche Verlauf erfasst, also wer wann wo war, lassen sich sogar Bewegungsprofile von Personen oder Gruppen erstellen.

    Im Gegensatz dazu soll durch Tracing lediglich nachvollzogen werden können, ob ein Kontakt stattgefunden hat, etwa zwischen einer Person A und einer Person B. Standort-Daten oder andere persönliche Daten sind dafür nicht unbedingt nötig. Ein solcher Kontakt kann technisch z.B. mit Hilfe von Bluetooth-Technologie festgestellt werden.

    Wie schützt man das System vor Missbrauch oder Trolling?

    Fehlalarme oder Falschmeldungen können nicht ohne weiteres einfach so ausgelöst werden. Denn die Idee ist: Wenn ein Nutzer ein positives Testergebnis auf SARS-CoV-2 bekommt, dann erhält er von den zuständigen Gesundheitsbehörden auch einen TAN-Code, ähnlich wie beim Online-Banking. Erst damit kann man den zuständigen zertifizierten Betreiber des PEPP-PT-Systems informieren, um potenziell gefährdete Personen, zu denen man Kontakt hatte, zu warnen. Alle Personen bleiben dabei anonym und wissen nichts über die Identität der anderen. Diese Meldung ist aber kein Automatismus, sondern eine freiwillige Entscheidung des Nutzers.

    Kann eine solche App erfolgreich sein?

    Ideal wäre es, wenn 60 Prozent der Bevölkerung oder mehr das System verwenden. Dann wäre das ein großer Erfolg, so Marcel Salathé, Leiter des Labors für Digitale Epidemiologie (EPFL, Schweiz). Aber auch niedrigere Zahlen würden schon helfen, Infektionsketten nachzuvollziehen.

    Was dafür spricht, dass sich viele Bürger eine solche App installieren werden: Jeder, der andere Menschen schützen möchte, kann das auf diesem Wegen tun. In Österreich wurde eine ähnliche App in den ersten Tagen etwa 200000 mal heruntergeladen.

    Ist Bluetooth überhaupt präzise genug?

    Ja. Technisch gesehen ist während der ersten zwei Minuten des Kontakts das “Rauschen” noch etwas erhöht, aber danach ausreichend präzise, so die Wissenschaftler.

    Muss ich das verwenden?

    Nein. Das Warnsystem basiert auf freiwilligen Nutzern, niemand ist verpflichtet eine entsprechende App zu nutzen.

    Welche Rolle spielt die Bundeswehr bei der Entwicklung?

    Die Bundeswehr unterstützt die Forschung des Fraunhofer-Instituts, indem sich Soldaten als Testpersonen nach genauen Vorgaben in einem bestimmten Areal der Berliner Julius-Leber-Kaserne bewegen. So soll im Freien und in Gebäuden geprüft werden, ob die App tatsächlich tauglich ist, Kontakte in einer bestimmten zeitlichen oder räumlichen Intensität festzustellen. Die Soldaten werden dabei nach Angaben der Bundeswehr Schutzausstattung tragen, um eine Ansteckungsgefahr auszuschließen.

    Was sind die Unterschiede zur App "TraceTogether" aus Singapur?

    Im Gegensatz zu "TraceTogether" wird bei PEPP-PT keine Handynummer verwendet, die Nutzer bleiben komplett anonym und ihre ID wird alle 30 Minuten geändert. Singapurs "TraceTogether" gibt die Handynummern aller Betroffenen und Nummern potenzieller Kontakte an die Behörden in Singapur weiter.

    PEPP-PT kann Roaming - was heißt das? Geht das also auch im Urlaub?

    Ja. Das System soll Roaming-fähig sein. Dadurch wird es möglich, dass länder- und grenzübergreifend Infektionsketten nachvollzogen werden können, wenn Reisen möglich sind. Damit sollen Auflagen und Abläufe durch die Behörden vor Ort genauso wie der anonyme Daten-Austausch gewährleistet bleiben.

    Ich habe kein Bluetooth-fähiges Smartphone oder kann keines nutzen - gibt es andere Geräte?

    Möglicherweise können auch Bluetooth-fähige Armbänder, vergleichbar mit Fitness-Armbändern, an das System angebunden werden. Dadurch könnten ältere Menschen ohne Smartphone oder Menschen mit Behinderung das System ebenso nutzen.

    Welche Probleme gibt es?

    Das System funktioniert nur, wenn es mit allen anderen Maßnahmen sinnvoll zusammenspielt. Vor allem die Kapazitäten, potenziell infizierte Personen zu testen, müssen verfügbar sein. Denn es bringt nichts, diese mit Hilfe des PEPP-PT-System zu identifizieren, wenn anschließend nicht ausreichend Tests durchgeführt werden können. Außerdem sollte eine App dann auch von ausreichend vielen Nutzern verwendet werden, damit so ein System funktionieren kann.

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