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Menschen, Rezo, Sensationen: Das war das Internetjahr 2019 | BR24

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Der Youtuber Rezo

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    Menschen, Rezo, Sensationen: Das war das Internetjahr 2019

    Der Youtuber Rezo mischt die CDU auf, Europa streitet um eine Urheberrechtsreform und Facebook steht weiterhin in der Kritik. Das Internetjahr 2019 war reich an Debatten und Kontroversen. Das hier waren die wichtigsten.

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    Fünf Millionen Unterschriften für eine Online-Petition, alleine 40.000 Demonstranten in München, Protest von Wikipedia, Bürgerrechtlern, Startups und zahlreichen Internet-Koryphäen: All das reichte am Ende nicht aus, um die umstrittene EU-Urheberrechtsreform zu stoppen. Besonders Artikel 13 wurde zum Zankapfel. Dieser sieht vor, dass Internet-Plattformen urheberrechtlich geschützte Inhalte nicht wie bisher löschen müssen, sobald sie davon Kenntnis bekommen, sondern dass solche Inhalte gar nicht erst auf die Plattform gelangen dürfen. Kritiker befürchten: Das geht nur mit Hilfe von technischen Maßnahmen, sogenannten Upload-Filtern, die aber eine Gefahr für Meinungsfreiheit und Kreativität im Netz sind.

    Der Streit ums Urheberrecht geht weiter

    Mit dem Ja zur Urheberrechtsreform ist der Streit aber keinesfalls vorüber. Denn bis zum 7. Juni 2021 müssen die Mitgliedstaaten die Richtlinie in nationales Recht überführen und haben hierbei einen gewissen Spielraum. Das Bundesministerium für Justiz und Verbraucherschutz hat hierfür eine Konsultation durchgeführt, über 120 Stellungnahmen von Verbänden und Interessensgruppen gingen ein. Und die zeigen: Die Meinungen, wie die Richtlinie umgesetzt werden soll, gehen weit auseinander. Nächstes Jahr dürfte das Thema also wieder für Diskussionen sorgen.

    Rezos Brandrede

    Vermutlich wird sich dann auch der Youtuber Rezo einmischen. Kein deutsches Video war dieses Jahr auf der Plattform erfolgreicher als seine 55 Minuten lange Philippika, die sich vor allem gegen die Unionsparteien richtete. „Die Zerstörung der CDU“ wurde bis heute über 16 Millionen mal angeklickt. Es handelt sich um eine mediale Anklage der Generation Youtube, die vor allem um die Themen Umweltschutz, Urheberrecht, Frieden und Soziales kreist. Wie groß der „Rezo-Effekt“ bei der, kurz nach dem Erscheinen des Clips stattfindenden, Europawahl wirklich war, ist umstritten. Klar ist jedoch: 2019 wird als das Jahr in Erinnerung bleiben, in dem sich Youtube auch in Deutschland endgültig als wichtiger Raum der politischen Kommunikation etabliert hat.

    Facebook im Kreuzfeuer

    Anders als Youtube gilt Facebook seit schon seit längerem als Plattform, auf der Wahlen entschieden werden. Seit der Wahl von Donald Trump stehen die blauen Seiten in der Kritik, wegen der Verbreitung von Hass und Fake News. Mark Zuckerberg wurde deswegen schon 2018 vor den Kongress geladen. 2019 wiederholte sich das Schauspiel, diesmal allerdings mit deutlich besser vorbereiteten Kongressabgeordneten. Die US-Demokratin Alexandria Ocasio-Cortez beispielsweise stellte Zuckerberg eine Reihe unbequemer Fragen zum Umgang der Plattform mit politischer Werbung.

    Der Umgang Facebooks mit solchen Themen sorgt weiterhin für Kritik, ebenso wie das Projekt des Unternehmens, eine Art Währung namens Libra ins Leben zu rufen. Das Problem: Bislang weiß niemand, wie man Unternehmen wie Facebook politisch regulieren kann. Diese Frage wird vermutlich nicht nur das nächste Jahr bestimmen, sondern sogar das nächste Jahrzehnt.

    Der neue globale Netz-Terror

    Was tun mit Plattformen, auf denen Hass verbreitet wird? Diese Frage stellt sich nicht zuletzt nach den blutigen Terroranschlägen in Christchurch und Halle. Die beiden Täter stehen für eine neue Form des globalisierten Netzterrors, der insbesondere von Image-Boards wie 8Chan und anderen befeuert wird. Die Attentäter nutzen Codes der Netzkultur, fühlen sich als Teil einer eingeschworenen Gemeinschaft, die sie per Live-Stream und Helmkamera an ihren Bluttaten teilhaben lassen.

    Auch als Reaktionen auf diese neue Form der Bedrohung möchte die Politik entschiedener gegen Hass im Netz vorgehen. Die ersten Vorschläge liegen auf dem Tisch und werden das Netz sicherlich im Jahr 2020 beschäftigen.