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Mediengipfel: Was tun gegen Antisemitismus im Digitalen? | BR24

© dpa/picture-alliance/360-berlin

Der israelisch-europäische Mediengipfel beschäftigt sich heute u.a. mit dem wachsenden Antisemitismus in der Welt.

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    Mediengipfel: Was tun gegen Antisemitismus im Digitalen?

    Tag zwei des israelisch-europäischen Mediengipfels "Start Up Media Tel Aviv": Internationale Experten diskutieren über Antisemitismus, Hate­Speech und Fake News im digitalen Raum – und über Chancen sozialer Medien für das Erinnern an den Holocaust.

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    Von
    • Mike Lingenfelser

    Zum Auftakt des ersten israelisch-europäischen Mediengipfels "Start up Media Tel Aviv" haben Experten debattiert, wie man die Erinnerung an den Holocaust im digitalen Zeitalter wachhalten und was man Leugnern des Massenmordes entgegensetzen kann.

    Social Media vielleicht effektvoller als Zeitzeugengespräche

    Da es immer weniger lebende Zeitzeugen gibt, die ihre Erlebnisse nachwachsenden Generationen erzählen können, spielt Social Media zunehmend eine Schlüsselrolle für diese Zielgruppen. Professorin Ksenia Svetlova von der Hebrew-Universität in Jerusalem beurteilt die neuen Ansätze optimistisch. "Es mag eine unpopuläre Ansicht sein", schickt Svetlova voraus. Aber gerade weil die sozialen Medien so attraktiv für Kinder seien, könnten sie als Vermittler von Information über den Holocaust "sogar einen stärkeren Effekt auf Schüler haben" als manches Zeitzeugengespräch, das für beide Seiten sehr kräftezehrend sei.

    Gutes Beispiel: Instragram-Serie "Eva Stories"

    Die millionenfach geklickte Instagram-Serie "Eva Stories" über die berührenden Tagebucheinträge der jungen Eva Heyman im Holocaust ist ein Beispiel, mit dem der israelische Medienunternehmer Mati Kochavi die Debatte voranbringen will:

    "Stellen Sie sich vor, ich hätte die Gelegenheit gehabt, Eva kurz vor ihrer Ermordung in Auschwitz zu sagen, dass ich zwar ihr Leben nicht retten kann, aber dass 75 Jahre nach ihrem Tod Staatschefs aus aller Welt Briefe an sie schreiben und sagen werden: Nie wieder!" Medienunternehmer Mati Kochavi

    Anknüpfend an den Erfolg von "Eva Stories" will Kochavi die "Tagebücher von Kindern aus aller Welt verfilmen und auf denjenigen Plattformen zeigen, über die jungen Menschen von heute kommunizieren".

    Soziale Netzwerke bieten aber auch Gefahren

    Doch auch die Gefahren der Sozialen Medien beim Umgang mit dem Holocaust und Antisemitismus stehen im Fokus der internationalen Medientagung. Denn auch Rechtsextremisten und Verschwörungstheoretiker nutzen sie als Plattform. "Das Problem ist nicht neu, aber es wird größer, weil es leichter denn je ist, Antisemitismus, Rassismus und Hass weltweit und anonym zu verbreiten und zu teilen", so Markus Spillmann, ehemaliger Chefredakteur der Neuen Züricher Zeitung. Der Schweizer Medienunternehmer Roger Schawinski zeigt sich mit Blick auf die vielen antisemitischen Verschwörungstheorien im Internet pessimistisch: "Können wir mit diesen Menschen in einen Dialog treten? Ich glaube nicht."

    Besser sei es, "diese Leute zu entlarven und ihrer Lächerlichkeit preiszugeben", empfiehlt Benediktiner-Mönch Nikodemus Schnabel. Die Schnelligkeit und Direktheit von Rede und Gegenrede bei der Social-Media-Plattform TikTok sei seiner Erfahrung nach besonders gut geeignet, um gegen Hassredner "in die Arena zu steigen".

    Dass die herkömmliche Aufklärung über den Holocaust und Antisemitismus in Schulbüchern, Vorträgen und klassischen Medienberichten besonders bei jungen Generationen zu kurz greift – darüber sind sich viele beim Mediengipfel einig.

    Schwerpunkt heute liegt auf Antisemitismus

    Heute liegt ein Schwerpunkt der Tagung auf der weltweiten Zunahme des Antisemitismus. Bundesaußenminister Heiko Maas hält eine Keynote-Speech. Prof. Dina Porat von der Universität Tel Aviv hat in einer globalen Internet-Auswertung herausgefunden, dass die Corona-Pandemie eine neue Welle antisemitischer Schmähungen losgetreten hat. Die Bertelsmann Stiftung stellt exklusiv eine neue Studie zur gegenseitigen Wahrnehmung von Europäern und Israelis vor. Ein ernüchterndes Ergebnis: Die befragten Europäer zeigen sich an Israel weitgehend desinteressiert.

    Wegen der Corona-Pandemie muss der erste israelisch-europäische Mediengipfel statt in Tel Aviv nun online abgehalten werden. Doch darin liegt auch ein Vorteil. Via Livestreams können Interessierte weltweit kostenlos teilnehmen und alle Panels über die Homepage www.media-tlv.com mitverfolgen.

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