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Die Lernplattform Mebis war zum Start des bayernweiten Lockdowns am Mittwochmorgen ausgefallen.

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    Mebis-Probleme: Schulen weichen auf stabilere Alternativen aus

    "Bitte entschuldigen Sie..." - die zentrale bayerische Lernplattform Mebis hat nach wie vor mit Performance-Problemen zu kämpfen. In ihrer Not greifen Schulen zu Alternativen, die stabiler laufen. Die Folge: ein Flickenteppich an Tools.

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    Von
    • Bernd Oswald

    Seit Mittwoch sind die Schulen in Bayern geschlossen. Nun sollte eigentlich wieder die Stunde der Lernplattform Mebis schlagen, doch wie schon im Frühjahr ist das System dem großen Nutzeransturm vor allem in den Morgenstunden nicht gewachsen. Und das, obwohl das bayerische Kultusministerium die Serverkapazität in den letzten Monaten verachtfacht hat, wie Kultusminister Michael Piazolo im Interview mit dem BR gesagt hat. Seinen Angaben zufolge handelt es sich wohl um ein Softwareproblem, nicht um eine Überlastung der Serverkapazität.

    Gesellschaft für Informatik vermutet Kapazitätsproblem

    Daniel Krupka, Geschäftsführer der Gesellschaft für Informatik, kann die Performance-Probleme der Lernplattformen nicht nachvollziehen: "Wenn die Lernplattformen gut aufgesetzt sind, dürfte ein Nutzeransturm nicht das Problem sein, das lässt sich skalieren, man muss Serverkapazitäten zur Verfügung stellen." Da die Plattformen vor allem morgens in die Knie gingen, scheine es sich vermutlich doch um ein Kapazitätsproblem zu handeln.

    Nachdem Mebis gerade nach wie vor nicht immer zuverlässig erreichbar ist, hat Kultusminister Piazolo die Schulen dazu aufgerufen, sich breit aufzustellen und einen Mix verschiedener Möglichkeiten für die Vermittlung von Inhalten zu nutzen. Neben Mebis könnten auch Microsoft Teams verwendet werden sowie andere Videokonferenztools oder Cloud-Lösungen.

    Schulen entscheiden selbst, welche Lerntools sie verwenden

    Dieser Mix sieht tatsächlich bei jeder Schule anders aus, was zu einem Flickenteppich an Tools führt. Das Adam-Kraft-Gymnasium in Schwabach verwendet den cloud-basierten Dienst LoNet, um Lehrmaterial bereit zu stellen. Für die Kommunikation per Video verwendet man den Microsoft Teams-Account der Stadt. “Diese Kombination funktioniert gut”, sagt Schulleiter Harald Pinzner zu BR24.

    Die Pfaffenhofener Berufsschule setzt auf die in Ingolstadt entwickelte Lernplattform Studypoint, die alle Funktionen, die eine Schule für den Distanzunterricht benötigt, unter einem Dach vereint: Lernmaterial hochladen, Kurse erstellen, Videokonferenzen abhalten. Und das datenschutz-konform, da die Server in Ingolstadt stehen. Denn gerade die Nutzung von Microsoft Teams wird aus Datenschutz-Sicht problematisch gesehen, weil persönliche Daten in die USA übermittelt werden und dort nicht ausreichend vor dem Zugriff der dortigen Sicherheitsbehörden geschützt sind.

    BR24 erfuhr sogar von einem Gymnasium, an dem ein Schülervater selbst eine Lernplattform aufgesetzt hat.

    Mebis wegen zentraler Serverstruktur in der Kritik

    Auch wenn gerade niemand genau sagen kann, warum die alternativen Lernsysteme stabiler laufen als Mebis, so liegt eine Vermutung auf der Hand: weil sie von weniger Lehrkräften und Schülern gleichzeitig genutzt werden.

    Die zentrale Serverstruktur von Mebis ist einer der Hauptkritikpunkte. Mebis läuft zwar auf verschiedenen Servern, die werden aber alle im gleichen Rechenzentrum gehostet. Das nennt man Server-Cluster.

    Moodle lässt sich lokal installieren

    Dabei wäre eine dezentrale Lösung zumindest mit einer Mebis-Komponente möglich. Mebis basiert auf der Open-Source-Lernplattform Moodle. Es wäre also möglich, Moodle auf lokalen Schulservern zu installieren. Diese Lösung hat ein Chaos-Computer Club-Mitglied schon im April im Gespräch mit BR24 vorgeschlagen. Schon damals hatte Mebis mit großen Performance-Problemen zu kämpfen.

    Auch Daniel Krupka, Geschäftsführer der Gesellschaft für Informatik, begrüßt dezentrale Lösungen. Er weist aber auch darauf hin, dass dann die Netzwerk-Administration Aufgabe der Schule wäre. Oft würden die Informatik-Lehrer auch noch zu Netzwerk-Administratoren ernannt. Für diese zeitintensive Aufgabe würde ihnen gerade mal eine Stunde Unterricht nachgelassen.

    Krupka verweist in diesem Zusammenhang auf die neue "Zusatzvereinbarung Administration" zum Digitalpakt Schule, die 500 Millionen Euro zur Förderung von IT-Administratoren bereitstellt. Bislang sei aber nur ein Bruchteil dieser Mittel abgerufen worden. “Die Schulverwaltungen haben sich da noch nicht genügend Gedanken gemacht. Es wäre auch ein Pool von IT-Systemadministratoren möglich.”

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