BR24 Logo
BR24 Logo
Startseite

Mebis-Chaos: Wie laufen die Lernplattformen der anderen Länder? | BR24

© picture alliance / Fotostand | Fotostand / K. Schmitt

Lernplattformen im Vergleich

56
Per Mail sharen

    Mebis-Chaos: Wie laufen die Lernplattformen der anderen Länder?

    Sechzehn Bundesländer, sechzehn Strategien, um virtuell unterrichten zu können. Und nicht nur in Bayern kommt es immer wieder zu Ausfällen und Störungen. Doch die Probleme liegen meist nicht bei den Lernplattformen selbst.

    56
    Per Mail sharen
    Von
    • Gregor Schmalzried

    Sie sollte im zweiten Lockdown dafür sorgen, dass Kinder und Jugendliche in Bayern auch von zu Hause komfortabel lernen können: Stattdessen sorgt die Lernplattform Mebis vor allem für Unruhe und Verwirrung.

    Zum Lockdown-Start Mitte Dezember fiel Mebis aus - und in den Tagen vor den Weihnachtsferien häuften sich die Probleme. Das Bayerische Kultusministerium hat über die Ferien Besserung gelobt - einen reibungslosen Start im neuen Jahr könne man aber trotzdem nicht garantieren. Auch die technische Ausstattung der Schulen wird kritisiert - und die Lernplattform Mebis wird in den sozialen Medien verhöhnt.

    Probleme in vielen Bundesländern

    Im Ländervergleich steht Bayern mit seinen Problemen nicht allein da - auch wenn das Ausmaß im Freistaat besonders viele Schüler betrifft und aktuell wenig Hoffnung auf ein Erholen nach den Ferien besteht.

    In fast jedem der sechzehn Bundesländer kam es seit der Corona-Krise zu größeren Ausfällen und Störungen der Lernplattformen. Besonders der erneute Lockdown kurz vor Weihnachten sorgte für Ausfälle unter anderem in Sachsen-Anhalt, Mecklenburg-Vorpommern, Saarland, Berlin und Sachsen.

    Wie sehen die Lernplattformen aus?

    Die Strategien der Bundesländer unterscheiden sich. Einige, darunter Bayern und Nordrhein-Westfalen, stellen eine eigene Lernplattform zur Verfügung, die auf der freien Plattform Moodle basiert. Andere Länder, darunter Baden-Württemberg und Sachsen-Anhalt, stellen die Basis-Version von Moodle zur Verfügung und regen zur Kombination mit anderen Lern-Tools an.

    Eine weitere Strategie: die Zusammenarbeit mit externen Entwicklern wie dem Hasso-Plattner-Institut, welches in den Bundesländern Brandenberg, Niedersachsen und Thüringen die HPI Schul-Cloud zur Verfügung stellt. Auch die kommerzielle Plattform itslearning wird immer beliebter und ist bereits in Bremen und Schleswig-Holstein flächendeckend im Einsatz.

    Die perfekte Lösung ist nicht gefunden

    Allerdings - perfekt ist keine dieser Lösungen: In der Regel wird für Videokonferenzen eine extra Software benötigt. Datenschutz und Ausschreibungsrecht müssen eingehalten werden. Und selbst die beste Lernplattform-Software nützt nichts, wenn die Server, die Bundesland oder Schulen zur Verfügung stellen, zusammenbrechen - so geschehen in vielen Bundesländern Mitte Dezember.

    Viele Schulen setzen deshalb auf eigene Lösungen und improvisieren. "Eine Grundschule, die ich kenne, arbeitet ganz schlicht mit der eigenen Homepage, wo auf sehr strukturierte Weise die wöchentlichen Anweisungen für jede Lerngruppe präsentiert werden", sagt Thomas Rau, Lehrer an einem bayerischen Gymnasium und Fachdidaktiker für Informatik. "Und eine Realschule, die ich kenne, macht gute Erfahrungen mit Microsoft Teams."

    Bundesländer vor Herausforderungen

    Vollständig zufrieden ist aber niemand - und in der ganzen Republik gibt es ähnliche Probleme. In Thüringen wurden Lehrkräfte im Dezember angehalten, Lernaufgaben über den Tag verteilt abzuschicken, um das System nicht zu überlasten. In einigen Bundesländern wird kritisiert, dass die Plattformen zu neu und fehlerhaft seien - in Berlin jedoch gibt es die Plattform "Lernraum Berlin" schon seit 2005 - weshalb sie von manchen als veraltet und umständlich wahrgenommen wird.

    Insgesamt existieren die meisten technischen Lösungen bereits seit einigen Jahren. Es scheint, als seien die Bundesländer durchaus darauf vorbereitet gewesen, eine Lernplattform zur Verfügung stellen zu müssen. Aber nicht darauf, dass sie tatsächlich in großem Stil genutzt werden würde.

    Auch Mebis ist brauchbar

    Trotzdem: Sogar das viel gescholtene Mebis stößt auf Zuspruch. "Wir nutzen Mebis gerne", sagt Fachdidaktiker Thomas Rau. "Mebis ruckelt gelegentlich, die Videobandbreite ist begrenzt. Das ist ärgerlich und frustrierend, aber mit etwas Flexibilität kein Hindernis. Vielleicht nicht gut, aber gut genug."

    Zwar gebe es für einzelne Dienste bessere Alternativen - doch die brächten ihre eigenen Probleme mit sich.

    "Ein Stolperstein bleibt der Datenschutz. So oder so gibt es seit Jahren jede Woche schöne neue Produkte zum gemeinsamen Arbeiten. Die kann man oft nicht nutzen, weil dazu eine mündige Einverständniserklärung vorliegen müsste. Mir reicht es allerdings, eine Lösung zu haben, die einigermaßen funktioniert, auch wenn ich schon auch mit den neuesten Errungenschaften liebäugle." Thomas Rau, Lehrer und Fachdidaktiker für Informatik

    Klassenprimus Bremen?

    Ein Bundesland, in dem aktuell wenig gejammert wird, ist Bremen. Dort läuft die Plattform itslearning bislang weitgehend fehlerfrei und ist bereits seit 2015 verpflichtend in den Schulalltag integriert. Wie die Zeit berichtet, half das enorm bei der Umstellung auf den virtuellen Unterricht dieses Jahr.

    Ein weiterer Pluspunkt in Bremen: Alle Schülerinnen und Schüler sollen dort mit einem eigenen iPad ausgestattet werden. Die Verteilung läuft bereits - noch sind aber nicht alle Schulen komplett versorgt. Im Januar soll es soweit sein, verspricht die Regierung des Stadtstaats.

    Der digitale Wandel steht erst am Anfang

    Einige Stimmen aus Bildung und Politik hoffen nun, dass allmählich Schwung in die Umgestaltung der Schulen kommt. "Corona hat aber – wie in anderen Bereichen auch – die vorhandenen Probleme deutlicher zutage treten lassen", sagt Andreas Kalt. Er ist Lehrer an einem Gymnasium in Baden-Württemberg und Fortbildner für digitale Medien im Unterricht und meint: Auch nach Corona wird noch es noch viel zu tun geben.

    "Die Umgestaltung des Lernens, das Neu-Denken von Schule in einer stark veränderten und sich weiter verändernden Welt sind Aufgaben für die nächsten Jahre, die bisher von der Politik kaum angegangen wurden und vor Ort nur an einzelnen Schulen angepackt werden." Andreas Kalt, Fortbildner für digitale Medien

    "Darüber spricht Bayern": Der neue BR24-Newsletter informiert Sie immer montags bis freitags zum Feierabend über das Wichtigste vom Tag auf einen Blick – kompakt und direkt in Ihrem privaten Postfach. Hier geht’s zur Anmeldung!