BR24 Logo
BR24 Logo
BR24 - Hier ist Bayern
© BR / Messe Erfurt
Bildrechte: BR /Messe Erfurt

Wegen der Pandemie findet die MAG-2021, bei der sich Fans von Games, Cosplay, Anime oder Mangas am Wochenende in Erfurt treffen wollten, nur virtuell statt. Doch was als Online-Notlösung begann, könnte künftig das Messegeschehen nachhaltig verändern.

2
  • Artikel mit Audio-Inhalten

MAG 2021 nur online - wie finden Messen in Zukunft statt?

Menschenmassen in stickiger Luft dicht gedrängt auf Messeständen: Angesicht der aktuellen Corona-Zahlen wirkt das wie aus der Zeit gefallen. Dennoch startet an diesem Wochenende die Community-Messe MAG 2021 in Erfurt – als Online-Veranstaltung.

Von
Wolfgang ZehentmeierWolfgang Zehentmeier
2

Die Messe Erfurt will der Anime- und Manga-Community mit der MAG 2021 das gemeinsame Erlebnis nicht vollkommen nehmen, auf das sich viele gefreut haben. Eine reine Online-Messe war der einzige Ausweg. "Wir haben uns entschieden, die Messe und die Ausstellung quasi in einem Online-Game abzubilden", sagt Diana Keucher von der Messe Erfurt. "Man kann durch die verschiedenen Hallen und Welten laufen und die Aussteller besuchen und in Kombination dazu wird es die Live-Stream-Show aus der Messe Erfurt geben."

Preisgekrönte deutsche Entwicklung

Die Technik für die Online-Messe-Plattform kommt aus Hamburg. Super Crowd Entertainment heißt die Firma mit einer Vorgeschichte als Games-Entwickler. Sie hat für die GamesCom im vergangen Jahr die Indie-Arena Booth entwickelt, eine Plattform auf der sich unabhängige Gaming-Studios präsentieren konnten. Dafür hat die Firma im Frühjahr dieses Jahres die Sonderauszeichnung beim Deutschen Computerspielpreis bekommen. Das Besondere ist, dass die Online-Besucher sich mit einer Spielfigur, einem Avatar, durch virtuelle Messehallen bewegen und mit den anderen Besuchern chatten können.

Vorbild MMOPGs wie World of Warcraft

Vorlage für dieses interaktive Messeprogramm waren große Massively Multiplayer Online Role Playing Games, wie das bekannte Spiel World of Warcraft. Auch dort erstellt man einen Charakter und erschließt sich online neue Spielwelten. Und ähnlich wie bei diesen Spiele ist auch die interaktive Messeplattform technisch auf einen großen Zugriff von mehreren 10.000 Besuchern ausgelegt: "Das Ganze wird technisch so gemacht, dass man in den einzelnen Hallen, den einzelnen Welten bis zu 150 Besucher drin haben kann," erklärt Wolf Lang von Super Crowd Entertainment. "Wenn eine Halle mal voll sein sollte, wird eine weitere Instanz geschaltet von dieser gleichen Halle. Dadurch können quasi unendlich viele Leute auf dieser virtuellen Messe mit dabei sein."

International erfolgreich

Mit der Plattform hat die Deutsche Firma international Beachtung gefunden. "Ich bin stolz, dass so eine Innovation ausnahmsweise mal aus boring Germany kommt", sagt Lang. "Wir werden jetzt auch nach San Francisco zu den großen Leitmessen eingeladen, um zu erzählen, wie wir es machen und nicht umgekehrt."

Messespiel mit zwei Fraktionen

Inhaltlich setzen die Entwickler aus Hamburg mit den Games-Entwickler-Wurzeln auf Gamifizierung. Das bedeutet, dass sie eine an sich eher trockene Veranstaltung, wie eine Messe durch Spiel-Elemente interessanter gestalten wollen. Konkret: Bei der MAG 2021 schließen sich die Online-Besucher zu Beginn ihres virtuellen Messebesuchs einer von zwei Spielfraktionen an. Anschließend bekommen sie für ganz unterschiedliche Aktivitäten - zum Beispiel den Besuch an Messeständen - Punkte, und sammeln diese für die eigene Fraktion. Daraus erwächst eine Challenge, die beispielsweise auch in den Live-Shows fortgesetzt wird, wenn Moderatoren der beiden Fraktionen gegeneinander spielen. Zum Ende der Messe werden die Punkte zusammengerechnet. "Und dann ist die große Frage: Gewinnt Team rot oder gewinnt Team blau. Das wird, glaub ich, ein schönes Live-Momentum und man wird sich sehr als Gemeinschaft fühlen, was uns ja allen dann doch so fehlt jetzt aktuell," ist Lang überzeugt.

Online 65 Prozent mehr Erstbesucher

Trotz der Sehnsucht nach persönlichen Treffen auf einer Präsenz-Messe hat eine reine Online-Messe auch große Vorteile. Das wird an Zahlen aus dem vergangenen Jahr deutlich, als die MAG ebenfalls pandemiebedingt nur online stattfand. 65 Prozent Neu- und Erstbesucher habe die Messe da verzeichnet, sagt Lang.

Einfache Lokalisierung

Dazu trägt sicher auch bei, dass die Onlinemesse ähnlich wie bei der Lokalisierung eines Videospiels, in ganz unterschiedlichen Sprachen in viele Länder portiert werden kann. "Dann kann", so Lang, "auf einmal so eine lokale Veranstaltung wie die MAG international unglaublich viel Reichweite ziehen."

Weniger Barrieren

Auch Menschen mit körperlichem oder psychischem Handicap können eine Online-Messe wesentlich leichter genießen und sich einbringen. Und die Aussteller tun sich bei Präsentationen oder wenn es darum geht, den Besucher Demos zum Ausprobieren zur Verfügung zu stellen, wesentlich leicht: Wo man auf einer Präsenzmesse schon mal einige Stunden anstehen muss, können hier hunderte oder tausende virtuelle Messebesucher gleichzeitig schauen oder spielen.

Online ist auch für Aussteller günstiger

Dazu kommt ein Faktor, der es auch kleinen Firmen wie dem Gaming-Startup Firesplash Entertainment aus Bayreuth erlaubt, auf einer Messe, wie der MAG 2021 präsent zu sein: Die wesentlich geringeren Kosten. Denn die Aussteller haben keine Ausgaben für den Messestand, die Anfahrt, das Stand-Personal, Werbeflyer und ähnliches, rechnet Alexander Täffner von Firesplash Entertainment vor. "Das heißt effektiv liegen wir mit allen Kosten gerechnet vielleicht bei ungefähr zehn Prozent, die wir jetzt online haben, im Vergleich zu den, die wir in Präsenz hätten."

Messeveranstalter: Auch künftig "in echt, live und in Farbe"

Doch so groß die Vorteile einer Online-Messe auch sein mögen, sowohl Aussteller, wie Veranstalter sind überzeugt, dass reine Online-Veranstaltungen nur ein Übergangsprodukt für die Zeit der Pandemie sein werden. Die Messeveranstalter setzen aus verständlichen Gründen weiter auf Präsenzmessen: Was die Veranstalter an Kosten bei Online-Messen sparen, fließt bei Präsenzmessen zu einem erheblichen Teil in die Kasse der Messeveranstalter. So überrascht es nicht, dass Diana Keucher von der Messe Erfurt "fest an das Modell der Messe glaubt" und betont: "Wir treffen uns in echt und live und in Farbe."

Online-Messen werden Präsenzveranstaltungen verändern

Trotzdem werden die Online-Veranstaltungen künftige Präsenzmessen verändern. Von Zusatzinformationen mittels Smartphone und Augmented Reality beim Messerundgang über QR-Codes, Geo-Hunting oder Geo-Tracking wie bei Pokeman Go, sieht Wolf Lang viele Möglichkeiten, Präsenzveranstaltungen aufzupeppen. Und das übrigens nicht nur bei Games- oder Publikumsmessen. Er setzt darauf, dass sich auch Veranstalter von Fachkongressen oder Business-Messen dazu entschließen werden, Ihre Veranstaltungen durch Gamifizierung mittels Online-Elemente interessanter und unterhaltsamer zu gestalten. Zwar seien deutsche Firmen derzeit noch zögerlich, aber einige Firmen im Ausland seien hier bereits sehr interessiert.

Mischangebot – auch ein Modell für kleinere Aussteller

Und auch kleine Aussteller, wie Alexander Täffner würden sich eine Kombination aus Präsenz- und Online-Messe wünschen. Er können sich in Zukunft durchaus eine Art Mischmesse vorstellen, bei der man zum Beispiel einen kleinen PC-Stand am Messestandort aufbaut und dazu noch ein Online-Angebot schaltet. "Im Idealfall käme das vom Messeveranstalter selbst", sagt Täffner. "Dann hat mal alles an einem Platz und holt im Prinzip alle ab, sowohl die, die zuhause bleiben wollen, als auch die, die vor Ort den persönlichen Kontakt suchen."

"Hier ist Bayern": Der BR24 Newsletter informiert Sie immer montags bis freitags zum Feierabend über das Wichtigste vom Tag auf einen Blick – kompakt und direkt in Ihrem privaten Postfach. Hier geht’s zur Anmeldung!

Sendung

Computermagazin & Umbruch

Schlagwörter