Humanoider Roboter tippt sich mit Finger an die Stirn.
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Künstliche Intelligenz.

    Macht uns künstliche Intelligenz alle arbeitslos?

    Bilder erkennen, Daten durchwühlen, Sprache übersetzen: Künstliche Intelligenz kann viele Aufgaben schneller und billiger erledigen als wir Menschen. Das hat auch Auswirkungen auf den Arbeitsmarkt. Wieviel Angst müssen wir also um unsere Jobs haben?

    Katja Lipps hat die Konkurrenz durch die künstliche Intelligenz nicht kommen sehen. Sie betreibt ein kleines Schreibbüro. Eine ihrer wichtigsten Einnahmequellen war lange Zeit das Transkribieren von Texten. Doch seit einigen Jahren werden die Aufträge weniger. Der Grund: KI-gestütze Transkriptionsdienste wie Trint, Happyskribe oder Sonix erledigen diese Arbeit vielleicht nicht unbedingt besser, aber schneller und vor allem wesentlich billiger. Bei Katja Lipps kostet das Abtippen von gesprochenem Text in der Länge von einer Stunde 66 Euro, bei mehreren Gesprächsteilnehmern kommt ein Aufpreis hinzu. Eine Stunde KI-Transkription kostet hingegen nur acht Euro, einen Bruchteil also.

    KI nimmt der Schreibstube die Aufträge weg

    Und so kämpft das kleine Schreibbüro ums Überleben. Immer mehr Kunden sind verschwunden, haben sich nicht mehr bei Katja Lipps gemeldet. Ein paar Mal habe sie nachgefragt, warum es keine Aufträge mehr gibt und erklärt bekommen, dass die KI nun ihre Arbeit macht.

    "Und dann war mir aber auch irgendwann klar, dass da natürlich auch der Zahn der Zeit irgendwie nagt an meinem kleinen Schreib-Büro", sagt Lipps.

    Was künstliche Intelligenz besonders gut kann

    Webstühle, mechanische Bohrer, Roboter in Autofabriken: Bisher waren es eher Jobs, bei denen körperliche Arbeit gefragt war, die durch Maschinen ersetzt wurden. Jetzt aber droht künstliche Intelligenz auch Schreibtisch-Berufe zu verdrängen. Denn manche Dinge könne sie einfach besser als wir Menschen, sagt Mads Pankow, Politikberater, Autor, Experte für Künstliche Intelligenz, der unter anderem den Podcast Mensch, Maschine! betreibt.

    💡 Christian Sachsinger und Christian Schiffer sprechen im Techpodcast Umbruch diesmal über Künstliche Intelligenz und wie diese den Arbeitsmarkt beeinflussen könnte. Zu finden ist die aktuelle Umbruch-Folge ab sofort hier.

    Immer, wenn es darum gehe, aus sehr großen Datensätzen Dinge herauszulesen, können KIs das besonders gut, sagt Pankow. Oder um es etwas anschaulicher zu beschreiben: Überall, wo man Menschen dransetzen würde, die sich inhaltlich nicht auskennen, die aber sehr viel Zeit mitbringen, um etwa tausende Akten zu durchforsten, können nun Maschinen zum Einsatz kommen.

    Prognosen sind mit Vorsicht zu genießen

    KI wird bestimmte Tätigkeiten automatisieren - und das wird Auswirkungen auf den Arbeitsmarkt haben. Die Frage ist nur, wie sehr. Der Ökonom John Maynard Keynes prophezeite im Jahr 1930, dass wir 2030 nur noch 15 Stunden pro Woche arbeiten würden. In einem Aufsatz mit dem Titel the "Economic Possibilities for our Grandchildren" schrieb der Brite, dass sich dank der Automatisierung eine neue Klasse herausbilden würde, nämlich die Freizeitklasse, welche irgendwann die Arbeiterklasse ablöst.

    Es sieht gerade nicht so aus, als würde Keynes Prognose in nächster Zeit Realität werden. Man sollte laut Mads Pankow ohnehin vorsichtig sein, wenn es um darum geht, vorherzusagen, wie sehr sich KI auf den Arbeitsmarkt auswirken wird. Er hält Prognosen darüber, welche Jobs ersetzbar sind und welche nicht, grundsätzlich für Quatsch. Aber er ist auch überzeugt, dass alle Jobs auf die ein oder andere Weise von KI und Robotik betroffen sein werden. Assistenzsysteme werden seiner Ansicht nach immer besser und in allen Arbeitsbereichen einzelne Tätigkeiten oder Aufgaben übernehmen. Aber es bleibe aber immer ein Rest.

    "Es bleibt immer der Teil, für den wir Reflexion brauchen, für den wir Bewusstsein brauchen. Und das ist etwas, was die Maschinen nicht können." KI-Experte Mads Pankow

    Auch in Zukunft wird es also noch etwas für uns Menschen zu tun geben. Und vielleicht können wir uns sogar mehr auf das konzentrieren, was uns in einem Beruf wirklich erfüllt. Katja Lipps hat inzwischen übrigens umgesattelt – anstatt Texte abzutippen, arbeitet sie nun als Selbständige im Qualitätsmanagement.

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