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Die Plattform Twitch steht nach einer New York Times-Recherche in der Kritik

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    Livestream-App Twitch: Vorreiter oder Heimat für Extremisten?

    Im Vergleich zu Facebook und Telegram hat die Livestream-Plattform Twitch ein vergleichsweise gutes Image, wenn es ums Sperren von extremistischen Inhalten geht. Nun zeigt eine Recherche, wie die Plattform von Rechtsextremen in den USA genutzt wird.

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    Von
    • Gregor Schmalzried

    Was soll in den sozialen Medien erlaubt sein - und was nicht? In Bezug auf die Plattformen Twitter, Facebook und YouTube wird das immer wieder diskutiert. Zuletzt etwa im Januar 2021. Da wurden die Accounts des ehemaligen US-Präsidenten Donald Trump, sowie zahlreiche Anhänger der rechtsextremen Verschwörungsideologie QAnon von den großen Plattformen gesperrt.

    Eine Recherche der New York Times richtet jedoch den Fokus auf eine andere Plattform: Twitch. Die Website und App, die dem Amazon-Konzern gehört, ist die weltweit größte Internet-Plattform mit Fokus auf Livestreams. Vor allem Gamer zeigen sich hier live beim Spielen der aktuellsten Games - teilweise mit hunderttausenden Zuschauern, die live kommentieren und sich über das Geschehen austauschen. Seit einigen Jahren setzt Twitch jedoch vermehrt auch auf "Real Life"-Content, in dem ganz ohne Videospiele livegestreamt wird.

    Neue Einnahmequelle für Rechtsextreme

    Bei einigen dieser Streamer handelt es sich nach Recherchen der New York Times um Anhänger von QAnon und anderen Verschwörungsideologien. Einige rechtsextreme Streamer waren zuvor von anderen Plattformen gesperrt worden und fanden auf Twitch eine neue Heimat, wo sie vor tausenden Zuschauern ihre Ideologie verbreiten können.

    Auch haben Twitch-Streams wohl bei rechtsextremen Streamern als Einnahmequelle fungiert. Anders als auf YouTube oder Facebook ist es auf Twitch sehr einfach, den eigenen Stream zu monetarisieren und von Fans Geld in Empfang zu nehmen. Eine Streamerin, die unter anderem ihre Follower dazu aufforderte, Maskenpflichten zu missachten, konnte nach eigenen Angaben wohl Einnahmen im hohen fünfstelligen Bereich verzeichnen.

    Rechtsextreme und Verschwörungstheoretiker im deutschsprachigen Raum fokussieren sich bislang noch auf Telegram und die kontroverse Video-Plattform BitChute, sowie auf YouTube, wo weiterhin zahlreiche Verschwörungsinhalte online sind.

    Twitchs Kampf gegen verbotenen Content

    Twitch hat "schnelle Maßnahmen" gegen Nutzer angekündigt, die gegen die Nutzungsrichtlinien verstoßen. Eine Sprecherin sagte in einem Statement, QAnon-Anhänger seien nur eine "kleine Handvoll" inmitten von sieben Millionen Menschen, die jeden Monat auf Twitch streamen.

    Tatsächlich hat sich Twitch in Sachen Content-Moderation bereits oft als Vorreiter gezeigt. So war Twitch eine der ersten Plattformen, die Maßnahmen gegen Donald Trump ergriff, nachdem auf Trumps offiziellem Account Videos gestreamt wurden, in denen der damalige Präsident Einwanderer aus Mexiko als "Vergewaltiger" beschimpfte.

    Auch hat Twitch, anders als die Konkurrenz, bereits Schritte unternommen, um User auch für Verhalten außerhalb der eigenen Plattform sanktionieren zu können. Nutzer, die Verbrechen oder "ernste Vergehen" begehen, können somit auch von Twitch gesperrt werden, wenn sie diese Inhalte nicht gestreamt haben. So solle sichergestellt werden, dass Twitch eine "sichere und positive" Umgebung bieten könne.

    Livestreams machen die Moderation schwer

    Trotz aller Bemühungen könnte es für Twitch schwer sein, Kontroversen in Zukunft zu vermeiden. Ein Grund dafür ist der Fokus der Plattform auf Livestreams. Diese sind schwerer zu kontrollieren als herkömmliche Uploads, weshalb schwere Verstöße oder kriminelle Inhalte leichter unentdeckt bleiben können.

    So hatte etwa 2019 der antisemitische Attentäter von Halle seinen fehlgeschlagenen Angriff auf eine Synagoge, und den anschließenden Mord an zwei Menschen live auf Twitch gestreamt. Etwas über 2.000 Menschen hatten das Video gesehen, bevor es offline genommen wurde.

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