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Libra: Kann man bald mit Facebook bezahlen? | BR24

© picture alliance/ZUMA Press

Facebooks Währung Libra will ein neuer Standard werden - trotz Kritik

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    Libra: Kann man bald mit Facebook bezahlen?

    Facebooks neue Kryptowährung Libra will eine stabile Internet-Währung sein. Aber gegen die Pläne regt sich Widerstand. Kann Facebook sein Projekt durchziehen - und wie soll Libra eigentlich funktionieren?

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    Facebook will für immer verändern, wie wir im Internet bezahlen: Deshalb hat das Unternehmen letzte Woche den "Libra" vorgestellt - seine eigene Währung. Das Versprechen: "Eine einfache globale Währung und eine finanzielle Infrastruktur, die Milliarden von Menschen neue Chancen bietet." Eine klare Ansage - aber was bedeutet das eigentlich? Und wie wahrscheinlich ist, dass das alles so klappt?

    Wie sich Facebook das vorstellt

    Libra soll eine Kryptowährung auf Basis der Blockchain sein und nächstes Jahr starten. Anders als die bekannteste Kryptowährung Bitcoin soll Libra aber nicht starken Kursschwankungen ausgesetzt sein, sondern sich stattdessen am Wert von "analogen" Währungen wie dem Euro und Dollar orientieren. Geld in Libra umzutauschen soll sowohl per digitaler Überweisung aber auch per analoger Einzahlung (etwa an einem Automaten oder an einer Tankstelle) möglich sein.

    💡 Was ist die Blockchain?

    Eins der großen Trend-Themen in Tech- und Finanzwelt. Eine Blockchain ist eine dezentrale Datenbank, in der Informationen nicht nur auf einem Rechner, sondern tausendfach gespeichert werden. Die Technologie verspricht Sicherheit und eine Revolution des Internets - wird auch kritisch gesehen: Noch gibt es nämlich wenige nützliche Anwendungen der Blockchain, außerdem verbraucht sie im Moment sehr viel Energie und gilt deshalb als umweltschädlich.

    Wenn alles so umgesetzt wird wie von Facebook angekündigt, würde das Versenden von Libra so einfach gehen wie das Versenden einer WhatsApp-Nachricht. Deshalb soll die Libra-Funktion auch in alle Produkte von Facebook integriert werden: Facebook, Facebook Messenger und WhatsApp, womöglich auch Instagram. Schnell digital Geld versenden geht heute auch schon - etwa per PayPal oder in den USA per Venmo. Für Libra soll man immerhin kein Bankkonto benötigen.

    Facebook trägt das Projekt - aber scheinbar wenig Verantwortung

    Obwohl die Währung auf der Blockchain-Basis stattfindet, wird Libra nicht so dezentral sein wie andere Kryptowährungen. Stattdessen wird sie von einer Art "Zentralbank" kontrolliert. Facebook selbst möchte hier nach zahlreichen Fällen des Datenmissbrauchs in der letzten Zeit bewusst nicht alle Verantwortung selbst schultern, und hat für diese Zentralbank andere Unternehmen mit ins Boot geholt, darunter PayPal und Visa. Der Sitz dieses Libra-Rates soll in der Schweiz sein.

    Außerdem verspricht Facebook: Die Daten von Libra-Zahlungen sollen nicht zu den anderen Daten fließen, die Facebook über seine Nutzer speichert. Ob man das dem Unternehmen, das immer wieder durch Unehrlichkeit aufgefallen ist, glauben darf? Das ist eine andere Frage.

    Wird Facebooks Vorhaben noch gestoppt?

    Seitdem Facebook seine Pläne für Libra letzte Woche vorgestellt hat, ist von einigen Seiten Kritik laut geworden - vor allem aus der Politik. Der US-Senat wird bei einer Anhörung Zeugen vorladen, die das Projekt rechtfertigen sollen. Senator Sherrod Brown war einer der ersten, die eine strenge Regulierung von Libra forderten:

    Auch aus Europa kommt Kritik: Der französische Finanzminister Bruni Le Maire sagte, Libra dürfe keine souveräne Währung werden. Und Joachim Wuermeling, Vorstand der deutschen Bundesbank, äußerte in der Franfurter Allgemeinen Sonntagszeitung Sorgen: "Bisher wirft das Projekt mehr Fragen auf, als es Antworten gibt."

    Nächstes Jahr soll Libra an den Start gehen. Dann wird sich zeigen, ob die Kryptowährung von der Politik eingeschränkt und reguliert wird, oder ob sie - ähnlich wie Facebook, Google und andere heute schon - weitgehend frei agieren dürfen.