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Leben gefährdet: Ärzte greifen Facebook & Co. wegen Fake News an | BR24

© BR/Fabian Stoffers

Ärzte weltweit sehen die Verbreitung von Fake News über Corona und andere Krankheiten als hochgefährlich an.

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    Leben gefährdet: Ärzte greifen Facebook & Co. wegen Fake News an

    In den sozialen Netzen machen immer mehr Fake News und Verschwörungstheorien rund um Corona die Runde. Das gefährde Menschenleben, fürchten Ärzte weltweit. In einem offenen Brief nehmen sie jetzt Facebook, Twitter und Co. öffentlich in die Pflicht.

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    Eine "Infodemie" gehe um auf der Welt, klagen mehr als 100 Virologen, Ärzte und weiteres medizinisches Personal heute in einem offenen Brief, der unter anderem als ganzseitige Anzeige in der "New York Times" erschien. Nicht nur, aber auch beim Coronavirus würden "durch Fehlinformationen, die sich in den sozialen Medien viral verbreiten, auf der ganzen Welt Menschenleben gefährdet."

    In den sozialen Medien werden laut den Medizinern Inhalte zum Thema Medizin verbreitet, die hochgefährliche Folgen haben. Als Beispiele werden Fake-News über Impfungen genannt. Dass solche Falschinformationen durchaus in der Realität Auswirkungen haben, würden gerade sie als Ärzte und Fachpersonal bemerken. So heißt es in dem Brief, den auch die deutschen Mediziner Christian Drosten und Melanie Brinkmann unterschrieben haben.

    "Wir sind diejenigen, die Kleinkinder mit Masern stationär behandeln - eine vollkommen vermeidbare Krankheit, die in Ländern wie den USA bereits als ausgerottet galt, jetzt aber vor allem dank Impfgegner-Propaganda wieder auflebt." Offener Brief von Medizinern an Facebook

    Ärzte stellen Forderungen

    Vor dem Hintergrund der Corona-Pandemie haben die Ärzte daher klare Forderungen an soziale Medien wie Facebook, Youtube oder Twitter. Diese sollten erstens Falschmeldungen klar als solche kennzeichnen und alle, die damit in Kontakt gekommen seien, auch im Nachhinein warnen.

    Zweitens sollten die Unternehmen dafür sorgen, dass ihre Algorithmen Falschmeldungen an der Ausbreitung hindern anstatt diese durch Netzwerk-interne Kriterien noch weiter zu pushen. "Die Algorithmen konzentrieren sich derzeit mehr darauf, die Benutzer online zu halten, als ihre Gesundheit zu schützen", bemängeln die Mediziner. Darüber hinaus sollten die Inhalte von Wiederholungstätern in Sachen Fake News am besten gar nicht mehr verbreitet werden.

    So werden Fakten gecheckt

    Die bisherigen Bemühungen der Netzwerke bezeichnen die Unterzeichner des Briefes ausdrücklich als nicht ausreichend. Neben speziellen Werbeplätzen für die WHO und Hinweisen zu Corona, nutzt Facebook seine gewohnte Faktencheck-Infrastruktur, um Inhalte zu bewerten. Externe Firmen, in Deutschland etwa Correctiv und die Presseagentur dpa, prüfen Inhalte auf ihre Richtigkeit, Facebook zeigt dieses Urteil der Faktenchecker beim Beitrag an und drosselt die Reichweite des Inhalts.

    Dass zwei Redaktionen die Masse an täglichen Meldungen bei Facebook nicht annähernd erschöpfend prüfen können, dürfte klar sein. Auch eine Analyse des Dienstleisters Newsguard zeigte, dass Facebook bei so gut wie keinem der im Zuge einer Analyse betrachteten Fake-News-Beiträge eine Warnung vor Falschinformation oder weiterführende Informationen hinzugefügt hatte.

    Netzwerke tun etwas - aber ist das genug?

    Gegenüber der "Frankfurter Allgemeinen Zeitung" verweist Facebook darauf, seine Bemühungen im Kampf gegen Fake-News im Zuge der Corona-Pandemie mit zusätzlichem Personal verstärkt zu haben. Außerdem will das Netzwerk künftig Nutzern, die eine Fake-News geliked oder kommentiert haben, darauf hinweisen, dass es sich um eine Falschinformation gehandelt habe. Auch die Entfernung von gefährlichen Inhalten ist für Facebook dabei denkbar.

    Auch Twitter sieht sich auf dem richtigen Weg. Dort werden die Inhalte nicht von externen Firmen, sondern von Twitter selbst geprüft. Gegenüber der "FAZ" gab ein Sprecher von Twitter an, dass man bereits 2.400 potenziell gefährliche Tweets gelöscht habe.

    Netzwerke werden der Masse an Inhalten nicht Herr

    Zur groben Einschätzung: Pro Tag werden weltweit mehrere hundert Millionen Tweets versendet. Man sieht: Die Netzwerke tun durchaus etwas, werden aber der Masse an Inhalten nicht Herr. Ähnliches ist auch bei der Bekämpfung von Hate Speech bekannt. Hinzu kommt die Tatsache, dass die Prüfung von Inhalten Zeit erfordert: Bis es zu einem Faktencheck kommt, können schon unzählige Menschen eine Falschmeldung gelesen oder weiterverbreitet haben – wenn dieser Check denn jemals passiert.

    Erschwerend kommt dazu, dass nicht jede Spekulation oder Vermutung gleich eine eindeutige Fake News ist. Beispiel: Ein C-Promi fragt sich in einem Facebook-Post, ob Corona ein Geheim-Plan der Merkel-NWO-Impflobby-Gates-Soros-Diktatur ist oder nicht. Ist dies schon eine Fake News oder einfach ein Gedankenspiel? Darf, kann und sollte man es löschen? Auch das müssen Faktenchecker oder auch automatisierte Systeme der Netzwerke entscheiden. Sie merken: Ganz einfach ist der Kampf gegen Falschinformationen in sozialen Netzwerken nicht. Wobei diese Anmerkung die Netzwerke nicht von der Verantwortung für Fake News freisprechen sollte.

    Ärzte mit dringendem Appell

    Viele Mediziner bekommen die Folgen solcher Fake News und Verschwörungstheorien zu spüren, wie sie nun in ihrem offenen Brief klar machen. Ihr dringender Appell an Facebook, Twitter, Youtube und CO: "Um Leben zu retten und das Vertrauen in die wissenschaftlich fundierte Gesundheitsversorgung wiederherzustellen, müssen die Tech-Giganten aufhören, die Lügen, Verdrehungen und Fantasien, die uns alle bedrohen, weiter anzufachen."

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