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Leben digital: Eine Frage der Ethik | BR24

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Ist Digitalisierung der Schlüssel für ein gelungenes Leben? Oder ein Weg in Abhängigkeit und Unmündigkeit? Darüber wird gestritten.

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    Leben digital: Eine Frage der Ethik

    Wir kommunizieren über Messenger, shoppen online, nutzen den Einpark-Assistenten beim Auto, suchen bei Google Maps nach dem Weg. Digitalisierung ist in unserem Leben eine Selbstverständlichkeit geworden. Nutzen wir sie auch verantwortungsvoll?

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    Digitalisierung hat längst unseren Alltag erreicht. Künstliche Intelligenz und Roboter werden diese Tendenz noch massiv verstärken. Stellt sich die Frage: Ist Digitalisierung der Schlüssel für ein gelungenes Leben? Oder ein Weg in Abhängigkeit und Unmündigkeit?

    Kann die Buchhandlung an der Ecke überleben?

    "Es gibt viel an digitalem Komfort, den wir uns eigentlich nicht leisten können, weder sozial, ökonomisch noch ökologisch", sagt Peter Post, der als Geschäftsführer einer Kreativ-Agentur an der Umsetzung digitaler Ideen arbeitet. Digitalisierung ist für ihn eigentlich positiv besetzt – aber vieles funktioniere noch nicht zum Wohle der Gesellschaft.

    Zum Beispiel Einkaufen im Netz. Es sei einfach und bequem, den Marktführer Amazon zu nutzen – dabei seien viele Produkte in einer Stadt vorhanden und müssten nicht quer durch die Republik aus einem Lager herangekarrt werden. Lokale Alternativen wie das "Kiezkaufhaus", das die Agentur in Wiesbaden ins Leben gerufen hat, könnten dem Einzelhandel das Überleben sichern.

    "Wenn Bürger es schade finden, dass ihr kleiner Metzger, ihr kleiner Buchladen verschwindet, müssen sie sich auch Gedanken machen, wie man da einkaufen kann - auch online," sagt Post. Und sie müssten dafür sorgen, dass es in den Städten solche Angebote gibt, indem sie sie nutzen.

    Garantiert das Elektroauto Mobilität in der Stadt?

    Wenn Leute auf Carsharing umsteigen, bedeutet das nicht weniger Verkehr – im Gegenteil. "In San Francisco ist das schon so, alle lassen sich von Uber rumfahren", so Post. "Das sind Leute, die vorher in der U-Bahn saßen, das geht total in die falsche Richtung." Wenn wir mit intelligenter Mobilität Straßen und Städte entlasten, das Klima schützen und trotzdem gut unterwegs sein wollen, dann gehe das nur, wenn Elektroautos, Carsharing und autonomes Fahren zusammengebracht werden, ist sich Post sicher.

    "Ein Elektroauto ist zwar ein bisschen besser für die Luft, stellt aber genauso die Straße voll. Geteilte Autos, die Schrott sind, bringen’s auch nicht. Und autonome Autos, die Besitzer rumschaukeln, aber genauso 23 Stunden am Tag in der Stadt rumstehen, sind unsinnig." Peter Post, Kreativagentur für digitale Markenführung

    Nur die Kombination dieser drei Elemente bringe Städte, Luft und Bürger weiter. Das müsse die Gesellschaft entscheiden: "Denn wir können uns Individualverkehr in der heutigen Form in der Innenstadt nicht mehr leisten, die Städte müssen das entsprechend fördern. Dabei sind digitale Vernetzung und digitaler Datenaustausch extrem sinnvoll, sonst funktioniert es einfach nicht."

    Einen Schritt früher setzt Simone Dietz beim Thema Mobilität an. Die Professorin für Praktische Philosophie an der Uni Hamburg meint zum vieldiskutierten autonomen Fahren, dass man es hier noch mit einer Zukunftstechnologie zu tun hat, über die dennoch gesagt werde, dass man sie sowieso nicht verhindern könne. "Es wird überhaupt nicht in Erwägung gezogen, dass das doch noch eine gesellschaftliche Debatte ist, welche Kosten hat das für uns, wenn man sowas einführt", so Dietz.

    Können wir das Internet von den Konzernen zurückerobern?

    Dietz, zu deren Schwerpunkten Medienethik und Internet gehören, fordert dazu auf, dass die Gesellschaft sich das Netz zurückerobert, es wieder zu einem demokratischen Interaktions- und Partizipationsmedium macht – im Sinne der Brecht’schen Radiotheorie: Aus Empfängern werden auch Sender, alle kommunizieren gleichberechtigt und ohne kommerzielle Interessen. Sie kritisiert nicht nur, dass die globalen Konzerne wie Google, Facebook, Amazon das Internet dominieren, sie fordert auch ein Umsteuern in Deutschland und in Europa.

    "Wir können nicht einfach mitansehen, dass Suchmaschinen und grundlegende digitale Medien irgendwelchen Firmen gehören, auf die wir nur sehr begrenzt Einfluss haben." Simone Dietz, Professorin für Praktische Philosophie an der Uni Hamburg

    Man dürfe die Hoffnung nicht aufgeben, dass man auch etwas Lokales entwickeln könne, und dass sich das Netz auch lokal gestalten lasse.