Auftakt der Serie BR24live KI-Talk mit BR-Chefredakteur Christian Nitsche und Roboter Pepper.
Bildrechte: SoftBank Robotics; Montage: BR

BR24live KI-Talk

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Länger leben mit künstlicher Intelligenz?

ChatGPT als Facharzt? Viele KI-Tools sind heute schon gut darin, klinische Diagnosen zu erstellen oder bei ärztlicher Behandlung zu helfen. Im BR24live KI-Talk besprechen Experten die Möglichkeiten und Stolperfallen für KI in der Medizin.

Über dieses Thema berichtet: BR24live am .

Hilft uns künstliche Intelligenz, länger zu leben? Stehen wir vor einer Revolution in der Medizin? Diesen Fragen stellten sich zwei Experten im BR24live KI-Talk. Und tatsächlich könnte Technologie hier einiges in Gang setzen.

KI spielt schon jetzt eine Rolle

"Es gibt Bereiche, wo KI schon teilweise genutzt wird", erzählt Dr. Patrick Rockenschaub vom Fraunhofer-Institut für Kognitive Systeme. "Zum Beispiel in der Vorsorgeuntersuchung, um den Krebs sehr früh zu erkennen."

Auch anderswo sei Technologie in der Medizin kaum noch wegzudenken. "Zum einen gibt es ja schon Operationsroboter", erzählt Rockenschaub im Gespräch mit BR-Chefredakteur Christian Nitsche. "Der DaVinci-Roboter ist einer der bekanntesten. Und der wird auch schon seit mittlerweile zehn, zwanzig Jahren eingesetzt, weltweit."

ChatGPT für Medizin?

Ein Phänomen wie der Chatbot ChatGPT, der rasend schnell die Perspektiven vieler Menschen in Sachen künstlicher Intelligenz verändert, gebe es in der Medizin allerdings noch nicht. Das liegt auch daran, dass ChatGPT zwar Gedichte und Essays schreiben kann, als medizinischer Ratgeber aber noch eher ungeeignet ist.

"Bei ChatGPT kommt oft die Antwort, dass es keine medizinische Auskunft geben darf", erklärt Dr. Patrick Rockenschaub. "Da ist einfach dieser Sicherheitsfilter drin." Möglich wäre in Zukunft aber "eine Art ChatGPT für die Gesundheit, das dann speziell dafür trainiert wurde." Ein solcher Chatbot könnte etwa dabei helfen, einzuschätzen, ob ein Patient sich ins Bett, zum Arzt oder sogar in die Notaufnahme begeben sollte. "Es ist dabei wichtig, dass im Zweifelsfall dann doch an den Arzt verwiesen wird."

Im Live-Test funktioniert das schon jetzt: Fragt man ChatGPT, ob man sich wegen kalten Füßen Gedanken machen sollte, antwortet das Programm: "Es ist schwer, ohne eine körperliche Untersuchung mit dir durchzuführen, eine genaue Diagnose zu stellen. Es könnte jedoch eine Erkrankung des Kreislaufs oder ein Vitaminmangel sein. Wenn du öfters kalte Füße hast, würde ich empfehlen zu deinem Arzt zu gehen und einen Bluttest machen zu lassen, um sicher zu stellen, dass du keine ernsthafte Erkrankung hast."

Was bringt die Zukunft?

Große Hoffnungen setzt Dr. Rockenschaub auch in die KI-unterstützte Forschung: "Wenn es darum geht, neue Therapien für den Krebs zu finden, kann die KI helfen, beispielsweise Moluküle oder neue potenzielle Medikamente früh zu entdecken. Das kann dann wieder in der klassischen Forschung genutzt werden." Hier würde der größte Nutzen darin liegen, die Kenntnisse von Mensch und Maschine zu verbinden.

Prof. Dr. Alena Buyx, Vorsitzende des Deutschen Ethikrats, sieht das ähnlich: "Es gibt im direkten Vergleich schon viele Beispiele von unterschiedlichen KI-gestützten Systemen, die besser sind als Fachärztin und Fachärzte. Aber nur für eine bestimmte Aufgabe. Was schwieriger ist, ist die Einschätzung einer vollständigen klinischen Situation." Die KI könne deshalb in Zukunft leicht für eine zweite Meinung eingeholt werden, den Job des Arztes aber wohl nur in Ausnahmefallen komplett ersetzen.

Störfaktur schleichende Digitalisierung

Klar ist: Richtig eingesetzt könnte künstliche Intelligenz für Gesundheit und Arbeitsbedingungen viel Gutes tun. "Ich habe früher immer gedacht, die erste Anwendung, die kommen sollte, ist eine KI, die Ärztinnen und Ärzten hilft, wieder mehr Zeit mit ihren Patienten zu verbringen", erklärt Prof. Dr. Alena Buyx. "Die diese ganze Dokumentation und diese ganzen langweiligen Dinge macht."

Nur: Damit das umgesetzt werden kann, braucht es einen stabilen Umgang mit Patientendaten. "Aber da ist wirklich noch eine Wegstrecke zu gehen, was die Digitalisierung anbelangt", sagt sie. "Bei uns in München werden da eine Reihe von Piloten gerade entwickelt, die einen hoffnungsfroh machen. Aber dafür brauchen wir tatsächlich insgesamt eine viel durchgreifendere Digitalisierung im Gesundheitswesen."

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