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Künstliche Welten: Virtual Reality und 360°-Videos im TV | BR24

© dpa-Bildfunk / Friso Gentsch

Eine VR-Brille liegt in einem Labor des Start-Ups Psycurio. Das Unternehmen hat eine Virtual-Reality Software für die Psychotherapie entwickelt.

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Künstliche Welten: Virtual Reality und 360°-Videos im TV

Ist Fernsehen von gestern und das Eintauchen in virtuelle Welten das Medienerlebnis von morgen? Was Ingenieuren, Zukunftsforschern und Innovationsmanagern einfällt, um das Publikum zu begeistern. Ein Überblick von Sissi Pitzer.

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Hinabsteigen in ein Bergwerk, zum Mars fliegen, das Forum Romanum im alten Rom betreten – viele kennen solche Erlebnisse von Computerspielen oder den Angeboten in Museen, auf Messen und Veranstaltungen. Was man dazu braucht: eine klobige VR-Brille. Das Erlebnis ist oft überwältigend, doch für zwei Stunden vor dem Fernseher unpraktikabel. Das gesteht auch Laura Saenger ein, bei der Produktionsfirma TVN Connect für 360°-Videos zuständig.

"Wir stecken noch in den Kinderschuhen, die Entwicklung von VR-Brillen ist ja noch nicht so alt. Wir haben in den letzten drei Jahren enorme Fortschritte gemacht, was die Tragbarkeit, das Gewicht und die technischen Hürden angeht – aber man möchte sie nicht längere Zeit tragen. Produktionen von maximal 10 Minuten sind da ideal. Bis es leichtere Brillen gibt, wird es wohl noch etwas dauern.“ Laura Saenger

360°-Videos: Vom Zuschauer zum Akteur

Alternativ gibt es die sogenannten Cardboards, eine Art VR-Brille zum Selberbasteln aus Pappe und roter und blauer Folie, oft als Werbegeschenk verteilt – die Qualität ist aber eher bescheiden.

360°-Videos sind eine Art Vorstufe zu den komplett virtuellen Welten, die im Computer generiert werden. Sie werden gedreht mit speziellen Kameras und ermöglichen dem Betrachter einen Rundumblick, er steht mitten in der Szene, wie im richtigen Leben – und das auch ohne Brille:

"Der größte Unterschied liegt darin, dass man als Betrachter selbst zum Akteur wird, man ist im Zentrum des Geschehens, nicht stiller Beobachter. Man fühlt sich von der Handlung und emotional involviert." Laura Saenger

VR im Sport: mittendrin statt nur dabei

Dreidimensionales Erleben statt zweidimensionales Sehen – wo macht das im TV-Alltag Sinn? Kay Meseberg, bei Arte Leiter der "Mission Innovation", nennt vor allem Beispiele aus dem Sport: Beim Fußballspiel einen anderen Blickwinkel einnehmen, den Lieblingsspieler verfolgen, neben dem Formel-1-Fahrer sitzen, dem Biathlon-Schützen in die Augen schauen.

Laura Saenger steuert ein Beispiel für Live-Übertragung in 360°-Technik bei, zum Beispiel bei Rockkonzerten. Da kann man dann auch mal dem Drummer über die Schulter schauen oder sich neben den Sänger stellen. Man hat das Gefühl, live vor Ort dabei zu sein.

Holographie und mehr

Agiert werden kann mit solchen technologischen Spielereien auf einem Fernsehgerät, das ans Internet angeschlossen ist, einem Smart-TV. Oder natürlich am Computer, Laptop, Smartphone. Und das auch ohne Brille, wobei das Eintauchen ins Geschehen dann weniger intensiv ist. Da das Fernsehen der Zukunft immer weniger linear und immer stärker zeitunabhängig und mobil konsumiert wird, steht bei vielen Entwicklungen das Tablet oder Handy im Mittelpunkt.

Der nächste Schritt: Holographie, 3D, das viele aus dem Kino kennen

Wie kann der Fernseher 3D darstellen, ohne dass man eine Brille braucht? Man hat einen Bildschirm, der aus verschiedenen Kacheln besteht, und den Eindruck erweckt, dass beispielsweise ein Baum aus dem TV herauswächst, oder ein Delfin herausspringt. Es gibt also eine gewisse Bewegung um den Bildschirm herum, die einen räumlicher Eindruck vermittelt, ohne dass man eine Pappbrille oder ein VR-Gerät vor der Pupille hat, sondern das wirkt sehr natürlich, sagt Kay Meseberg von Arte

Im Silicon Valley, so hat Meseberg beobachtet, ist das "the next big thing" und für TV- und Videoanbieter in Europa eine spannende Entwicklung, die es zu verfolgen gilt. Allerdings: Solche technologischen Entwicklungen müssten so leicht zu nutzen sein, wie ein Glas Wasser zu trinken, damit man alle Generationen mitnehmen kann, sagt der Arte-Manager.

Begehbare Filme könnten kommen ...

Und irgendwo am Zeit-Horizont wartet dann das volumetrische Video, das heißt der begehbare Film – aber das ist echte Zukunftsmusik. Die beim Symposium des Instituts für Rundfunktechnik (IRT) zu "Next Reality" schon mal aufblitzte.