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EU will künstliche Intelligenz zähmen | BR24

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Was darf eine intelligente Maschine tun - und was nicht? Jetzt gibt es einen ersten Versuch der Europäischen Union, die Macht der KI zu begrenzen. Aber können wir überhaupt kontrollieren, was wir nicht verstehen?

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EU will künstliche Intelligenz zähmen

Was darf eine intelligente Maschine tun - und was nicht? Jetzt gibt es einen ersten Versuch der Europäischen Union, die Macht der KI zu begrenzen. Aber können wir überhaupt kontrollieren, was wir nicht verstehen?

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Das Verhältnis zwischen Mensch und Maschine ist seit jeher ein zwiespältiges. Nicht alle Roboter sind ja so hilfsbereit wie der kleine umtriebige und unterwürfige Blechkasten R2D2 in Star Wars. In Stanley Kubricks Film "2001- Odyssee im Weltall" zum Beispiel: Da entwickelt der Supercomputer HAL ein unberechenbares Eigenleben - eigentlich konzipiert um zu helfen, wendet er sich gegen die Crew seines Raumschiffs.

Grundregeln für Maschinen

Der große Respekt der Menschheit vor Robotern stammt aus einer Zeit als zum Straßenbild in Deutschland noch Pferdekutschen gehörten - an Computer war Anfang der 1940er Jahre noch nicht zu denken. Zu dieser Zeit aber - 1942 - erließ der russisch-amerikanische Science-Fiction-Autor, Isaac Asimov, seine drei Robotergesetze:

  • Ein Roboter darf kein menschliches Wesen verletzen oder durch Untätigkeit zulassen, dass einem menschlichen Wesen Schaden zugefügt wird.
  • Ein Roboter muss den ihm von einem Menschen gegebenen Befehlen gehorchen – es sei denn, ein solcher Befehl würde mit Regel eins kollidieren.
  • Ein Roboter muss seine Existenz beschützen, solange dieser Schutz nicht mit Regel eins oder zwei kollidiert.

Was damals noch - wohlwollend formuliert - ziemlich exzentrisch geklungen haben mag, ist heute Realität. In unserem täglichen Leben haben wir beinahe rund um die Uhr mit Computern, Robotern, Algorithmen und künstlichen Intelligenzen zu tun. Sie sortieren unsere Einkäufe, entscheiden über unsere Kreditwürdigkeit, handeln mit Aktien, fliegen unsere Flugzeuge und sollen in naher Zukunft unsere Autos fahren.

All das ist für uns mittlerweile nichts Besonderes mehr - wir bekommen das eigentlich nur mit, wenn etwas nicht funktioniert: Wenn ein Pilot mutmaßlich sein Flugzeug nicht mehr steuern kann, weil der Computer etwas dagegen hat. Wenn der Algorithmus einen Schluckauf bekommt und die Aktienkurse binnen Sekunden einbrechen und sich wieder erholen. Wenn das selbstfahrende Auto die falsche Entscheidung getroffen hat.

EU-Kommission formuliert Richtlinien

Je mächtiger Künstliche Intelligenzen werden, desto weniger werden wir verstehen, was sie eigentlich tun, wie sie funktionieren. Warum selbstlernende Systeme bestimmte Entscheidungen treffen, wird in Zukunft immer schwieriger nachzuvollziehen sein. Weil nicht mehr wir dem System etwas beibringen, sondern das System sich selbst.

Das klingt jetzt vielleicht furchteinflößend. Muss es aber eigentlich gar nicht. Solange eben klar reglementiert wird, wie viel Spielraum man bei der Entwicklung von künstlichen Intelligenzen zulässt. Genau darüber haben Experten im Auftrag der EU-Kommission monatelang diskutiert. Ihre Ergebnisse haben sie in Richtlinien gegossen. Darin fordern sie eine vertrauenswürdige künstliche Intelligenz.

  1. Deren Funktionsweise soll nicht gegen Gesetze verstoßen.
  2. Sie soll ethische Prinzipien berücksichtigen.
  3. Sie soll auf einem robusten technischen und gesellschaftlichen Rahmen beruhen.

Allerdings ist das mit dem gesellschaftlichen Rahmen so eine Sache. Die technologische Entwicklung ist mittlerweile so schnell, dass die Gesellschaft gar nicht mehr hinterherkommt, ausführlich darüber zu diskutieren, was sie denn eigentlich möchte oder nicht. Geschweige denn einen Rahmen setzen kann.

Ein Beispiel: Facebook gibt es mittlerweile schon 15 Jahre - Datenleaks, Diskriminierung und Hatespeech inklusive. Aber erst seit kurzer Zeit machen wir uns Gedanken darüber, ob wir das, was wir jahrelang unbeschwert konsumierten, überhaupt gewollt haben.