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Künstliche Intelligenz: Wie der Bund die Fördergelder einsetzt | BR24

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Roboter auf der Internationalen Funkausstellung (IFA) in Berlin

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    Künstliche Intelligenz: Wie der Bund die Fördergelder einsetzt

    Deutschland soll "führender KI-Standort" werden - so steht es in einem Strategiepapier der Bundesregierung. Nun wird erstmals konkreter, wofür die beteiligten Ministerien ihre jeweiligen Gelder einsetzen wollen.

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    Insgesamt drei Milliarden Euro will die Bundesregierung bis 2025 in Projekte investieren, die künstliche Intelligenz (KI) fördern und erforschen. So steht es in der KI-Strategie, die die Bundesregierung vergangenen November vorgestellt hat.

    Im aktuellen Haushalt sind 500 Millionen Euro für 2019 eingeplant, weitere 500 Millionen sind für 2020 vorgesehen. Wie genau die Gelder bis 2022 auf die einzelnen Ministerien verteilt sind, geht es aus einer aktuellen Antwort auf eine schriftliche Anfrage der Grünen-Politikerin Anna Christmann hervor. Sie sitzt auch in der Enquete-Kommission des Bundestags für KI.

    Forschung, Arbeit und Wirtschaft bekommen das meiste Geld

    Demnach geht die höchste Summe - 170 Millionen Euro - an das Forschungsministerium, 147 Millionen an das Wirtschaftsministerium und an dritter Stelle folgt das Arbeitsministerium, dem 74 Millionen zur Verfügung stehen.

    Die Nachrichtenseite Netzpolitik.org hat grafisch dargestellt, wie genau alle bewilligten Gelder verteilt werden. Ob das für 2019 bewilligte Geld auch ausgegeben wird, ist jedoch unklar. Und nicht alle Ministerien tauchen in der Liste auf. So fehlen beispielsweise das Verteidigungsministerium, das Auswärtige Amt und das Familienministerium. Wie Netzpolitik.org schreibt, arbeiten aber beide Ministerien schon mit KI-Systemen oder erforschen ihren Einsatz. Und auch das Bundesamt für Asyl und Flüchtlinge (BAMF) setzt wohl bereits mehrere KI-Systeme ein, unter anderem eine Software, um Dialekte zu erkennen. Die Projekte des BAMF und der beiden anderen Ministerien werden also offenbar nicht aus den drei Milliarden zur KI-Förderung finanziert.

    Wer gibt was wofür aus?

    Was aber machen die anderen Ministerien konkret mit den Geldern? Bildungsministerin Anja Karliczek (CDU) hat angekündigt, die sechs bereits bestehenden KI-Kompetenzzentren in Deutschland und das Deutsche Forschungszentrum für Künstlich Intelligenz (DFKI) finanziell stärker zu fördern. Die ursprüngliche Förderung von 64 Millionen Euro bis 2022 soll verdoppelt werden. Auf diese Weise sollen Forschung und Lehre an den jeweiligen Standorten - unter anderem in Berlin, Dortmund und München - gestärkt werden.

    Allerdings werden von den 100 angekündigten KI-Professuren vorerst wohl nur ein paar wenige entstehen. Karliczek erklärte, dass mit Hilfe der Alexander-von-Humboldt-Stiftung 30 Professuren für KI-Experten aus dem Ausland bis 2024 eingerichtet werden sollen. Für die Stellen sollen nicht nur Forscher*innen aus technischen Fachbereichen nominiert werden, sondern explizit auch solche, die sich "mit den sozio-ökonomischen, ethischen oder rechtlichen Aspekten der Künstlichen Intelligenz befassen."

    Leuchtturm-Projekte im Umweltministerium

    Das Umweltministerium, das 27 Millionen Euro erhält, will das Geld unter anderem in ein Förderprogramm für sogenannte KI-Leuchttürme stecken. Gesucht werden Leute aus der Wirtschaft, Wissenschaft oder Zivilgesellschaft, die KI-Projekte entwickeln und erproben, die zum Beispiel dabei helfen, Klimaschutzziele zu erreichen, nachhaltige Mobilität und Konsum fördern oder Umweltdaten leichter zugänglich machen. Beteiligen sollen sich auch Start-ups oder kleinere und mittelständischen Unternehmen. Umweltministerin Schulze sagte, sie wolle zeigen, wie "digitale Innovationen dem Klima und Umweltschutz nutzen können und wie man KI auf Umwelt programmieren kann."

    Das Wirtschaftsministerium verwendet einen Teil seiner 147 Millionen Euro darauf, KI-Trainer in den sogenannten Mittelstand 4.0-Kompetenzzentren einzusetzen. Kleine und mittelständische Unternehmen und Handwerker sollen beim Einsatz von KI unterstützt und beraten werden. Wirtschaftsminister Altmaier betonte, dass es gelingen müsse, KI nicht nur in großen Unternehmen zu nutzen, sonder überall dort, "wo es Sinn macht und Innovationen fördert."

    Kritik an der Umsetzung der KI-Strategie

    Die Verteilung der Mittel für die Förderung von KI findet die Grünen-Abgeordnete Anna Christmann "zu langsam und planlos", schreibt Netzpolitik.org. Christmann sagte gegenüber der Nachrichtenseite: "Der Anspruch der Bundesregierung, führender KI-Standort werden zu wollen, und die stockende Umsetzung könnten kaum weiter auseinander liegen." Schon für die Verteilung der ersten 500 Millionen auf die Ministerien habe die Regierung Monate gebraucht. Das gleiche Schicksal drohe jetzt der zweiten Tranche für 2020, so Christmann.