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Kai-Fu Lee auf der DLD 2019
© DLD 2019

Autoren

Christian Alt
© DLD 2019

Kai-Fu Lee auf der DLD 2019

„Künstliche Intelligenz wird größer als Elektrizität.“ Der chinesische Investor Kai-Fu Lee, der von manchen schon das „Orakel der KI“ genannt wurde, ist um keinen Superlativ verlegen: „KI wird bald in jeder Industrie, in jedem Produkt genutzt werden. Ohne KI kommt keiner mehr aus.“ Der Informatiker entwickelte in den 80ern frühe Spracherkennungssoftware für Apple und arbeitete danach bei Microsoft und Google. In seinem Vortrag auf der DLD, der „Digital, Life, Design“-Konferenz, ging es aber nicht um die gute alte Zeit des Silicon Valley, sondern um die Zukunft. Die liegt für Lee zum einen ganz klar in der Künstlichen Intelligenz. Und zum anderen in China.

China schon heute weit vorne

„China hat heute schon 10 mal mehr Daten als Europa oder die USA“, erzählt Lee. Dieser massive Datenschatz sei die Grundlage dafür, dass China immer mehr zur KI-Supermacht wird. Datenschutz, so Lee, sei auch Mentalitätsfrage - Chinesen würden neue Entwicklungen viel eher annehmen und seien zu Abstrichen im Datenschutz bereit. Hieraus entwickelte Lee auch eine Forderung an die europäische Politik: „Wenn Europa den Datenschutz ausbauen will, dann muss sich die Politik darüber klar sein, dass es den Anschluss in der Künstlichen Intelligenz verlieren wird.“ Optimistisch ist Lee hier aber nicht, vielmehr prophezeit - oder: orakelt - er eine Zukunft, in der wir zwei grundlegend verschiedene Internet-Systeme haben werden. Eins chinesischer Prägung, das sehr einfach zu bedienen, zuvorkommend und hilfreich ist, dafür aber auf den Datenschutz pfeift. Und ein westliches, in dem der Datenschutz gewahrt wird, was aber zu Lasten der Bedienbarkeit und Bequemlichkeit gehen wird.

Aber auch auf anderen Bühnen wird auf der DLD 2019 über Künstliche Intelligenz diskutiert. So meinte zum Beispiel Grazia Vittadini, Chief Technical Officer bei Airbus, dass ihr neuer A350 250.000 Sensoren an Bord haben werde. Die Daten dieser Sensoren könnten dann genutzt werden, um Flugrouten zu optimieren - egal ob mit Künstlicher Intelligenz heute oder mit Quantencomputern in der Zukunft. So will Airbus zum Beispiel das Flugwetter so berechnen können, dass Rückenwind optimal ausgenutzt werden kann, um so Kerosin zu sparen. „Autonomes Fliegen“ schließt Vittadini hingegen aus. Viel wahrscheinlicher ist es aber, dass aufgrund smarter KI-Systeme in Zukunft nur noch ein Pilot fliegt und der Co-Pilot zu Hause bleibt.

Gesellschaftliche Konsequenzen von KI

Genauso wie sich das Thema Künstliche Intelligenz durch scheinbar jede Veranstaltung der DLD zieht, so ist auch das Thema soziale Verantwortung überall. Kai-Fu Lee spricht zum Beispiel von der sozialen Verpflichtung großer Unternehmen, ihre Mitarbeiter entsprechend umzuschulen. Frank Appel, der Chef der Deutschen Post und DHL, spricht hingegen von den Kosten, die eine solche Umschulung mit sich bringen würde. Gerade in Bereichen mit niedrig qualifizierten Angestellten wären die Margen nicht vorhanden, um flächendeckend umzuschulen. Kai-Fu lee mahnt: "Die größte Sorge ist nicht der Verlust von Einkommen, sondern der Verlust von Selbstwertgefühl "