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Bildrechte: picture alliance/AP Photo | T. Bourry

Der Roboter Cimon lebt aktuell auf der Internationalen Raumstation. Entwickelt wurde er zum Teil in Bayern.

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    Künstliche Intelligenz: Bayerns Betriebe nutzen Chancen nicht

    Eine Anhörung im Landtag zeigt: Wenn es um KI geht, steht Bayern gut da. Doch nur bei Forschung und Start-Ups. Bei der Umsetzung in der Wirtschaft sieht es schlecht aus. Dabei könnten viel mehr bayerische Unternehmen schon heute von KI profitieren.

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    Von
    • Gregor Schmalzried

    Künstliche Intelligenz gilt als eines der Zukunftsthemen des 21. Jahrhunderts. Und auch wenn die europäische Wirtschaft im internationalen Vergleich ins Hintertreffen gerät, bestehen Chancen im Wettbewerb - auch bei kleinen und mittelständischen Unternehmen: Das war der Tenor einer Sachverständigenanhörung im Bayerischen Landtag am Mittwoch, bei der Expertinnen und Experten aus Wirtschaft und Forschung geladen waren.

    KI: Die große Transformation

    "Künstliche Intelligenz leitet die seit 100 Jahren größte Transformation ein, die wir in der Wirtschaft und im Arbeitsleben sehen", sagte Philipp Gerbert vom Innovationszentrum UnternehmerTUM in Garching. Schon jetzt findet sich künstliche Intelligenz in zahlreichen Bereichen Anwendung: Ob öffentlichkeitswirksam beim autonomen Fahren, oder hinter den Kulissen bei der Optimierung von Fertigungsprozessen.

    Doch im internationalen Vergleich stehen Bayern, Deutschland und Europa schlecht da. "Wir sind heute eine digitale KI-Kolonie der Westküste der USA", so Gerbert. Bedeutet: In Sachen Künstliche Intelligenz sind bayerische Unternehmen oft noch auf Technologien aus dem Ausland angewiesen.

    KI made in Bavaria funktioniert

    Woran es hier mangelt? Jedenfalls nicht an der Kreativität des Standorts Bayern, so wurde in der Expertenrunde immer wieder betont. "Wir haben Pläne, Konzepte und Ideen, aber wir scheitern an deren Umsetzung", sagte Sami Haddadin, Professor an der Technischen Universität München.

    Dies sei kein neues Phänomen: Schon in der Vergangenheit habe sich gezeigt, dass in Bayern technologische Weltneuheiten entstehen können, von denen der Wirtschaftsstandort dann aber nur begrenzt profitiert. Haddadin nannte als Beispiel das MP3-Format, welches in den 90er-Jahren vom Fraunhofer-Institut entwickelt wurde. Andrea Martin von IBM verwies zudem auf "Cimon", einen Roboter, der aktuell auf der Internationalen Raumstation eingesetzt wird und seinen Ursprung ebenfalls in Bayern hat.

    Forschung genügt nicht

    Auch in der Forschung sei Bayern gut aufgestellt. "Bayern hat in den letzten Jahren beeindruckende Initiativen angeschoben, ist damit auch Vorreiter in Deutschland", so Haddadin. Dazu gehört die bayerische "Hightech-Agenda", welche 1.000 neue Professuren im Technologie-Bereich schaffen soll.

    Das Problem, so Philipp Gerbert von UnternehmerTUM, sei jedoch nicht die Forschung, sondern "die Translation der Forschung in neue Geschäftssysteme". Bayerische Universitäten und Start-Ups seien oft ganz vorne mit dabei, könnten dann jedoch nicht mit den Mitteln der Konkurrenz mithalten und sich zu internationalen Playern entwickeln.

    Deutsche Start-Ups sind oft nicht konkurrenzfähig

    Dagmar Schuller, Geschäftsführerin des KI-Startups audEERING, verwies auf den enormen Druck, dem deutsche Unternehmen im internationalen Vergleich ausgesetzt seien. “Und deswegen steht man da, mit diesem wunderbaren Prototypen, weiß, dass es eigentlich funktioniert und wird gebremst", sagte Schuller. "Außer man geht zu chinesischen oder amerikanischen Investoren. Und das sollte nicht der Fall sein. Wir sollten hier in Bayern die Möglichkeit besitzen, diese Potentiale, die wir schaffen, selbst zu nutzen.”

    Dass junge Unternehmen und Technologien in Bayern zwar entwickelt werden, aber nicht ausreichend wachsen können, liege auch an außerordentlichen Regelungen in Sachen Datenschutz. KI-Systeme sind darauf angewiesen, von großen Datenmengen zu lernen, doch sei es in Bayern und Deutschland oft außerordentlich schwierig, solche Datenmengen zu bekommen. Weil die Herausgabe in anderen Ländern einfacher sei, führe der Datenschutz zu weniger Souveränität, da "wir uns auf Lösungen, die aus den USA oder Asien kommen, verlassen müssen."

    Dagmar Schuller forderte mehr Vertrauen von Politik und Investoren in lokale Talente und Unternehmen. Zudem könne sie sich ein KI-Gütesiegel "Made in Bavaria" oder "Made in Germany" vorstellen.

    Unternehmen können von KI profitieren

    Doch nicht nur neue Technologien sollen in Bayern entwickelt und vorangetrieben werden. Auch alteingesessene Unternehmen können von künstlicher Intelligenz profitieren. "Maschinelles Lernen und KI ist zweifelsohne ein Thema, was zur Verbesserung aktueller Prozesse, Fertigungsprozesse, Qualitätssicherung, aber auch bei der Energieeffizienz einen Mehrwert bieten kann, soll und auch muss, damit wir als Wirtschaftsstandort weiter kompetitiv sein können", so Christian Dremel, Wirtschaftsinformatiker bei der Brose Fahrzeugteile GmbH & Co. KG in Bamberg.

    Oft sei Unternehmen allerdings nicht bewusst, wie viel in der Zukunft von künstlicher Intelligenz bestimmt sei. "In größeren Unternehmen, insbesondere in DAX50-Unternehmen, ist das absolut schon erkannt", so Dremel. "Ich sehe aber da insbesondere in den eher kleineren Unternehmen noch Handlungsbedarf."

    Dremel forderte die Politik auf, KI-Bildung schon in den Schulen anzubieten. Zudem solle das Wissen, dass in Universitäten und Lehrstühlen in Sachen künstlicher Intelligenz gefördert werde, bayerischen Unternehmen besser zur Verfügung stehen.

    In den Unternehmen selbst fehle oft noch ein Verständnis dafür, dass für eine gelungene KI-Strategie eines Unternehmens weit mehr als eine IT-Abteilung notwendig macht: "Ich muss mir überlegen: Was sind denn mögliche Inputfaktoren die mein KI-System beachten sollte, um meine Zielvariable, zum Beispiel einen Ausschuss, zu optimieren. Und allein das kann kein Data Scientist, kann aber auch kein ITler, sondern es kann nur die Fachabteilung." Die Zusammenarbeit von Fachleuten aus Ingenieurswesen und Data Science sei hier ausschlaggebend.

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