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Podcast "Umbruch": Künstliche Intelligenz als Angstgegner | BR24

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KI verspricht ganz neue Möglichkeiten, ruft aber auch viele Ängste hervor.

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Podcast "Umbruch": Künstliche Intelligenz als Angstgegner

Christian Schiffer und Christian Sachsinger erklären im Podcast "Umbruch" technologische Trends so, dass es jede(r) versteht. In der zweiten Folge geht es um Künstliche Intelligenz, die nicht nur Ex-Schachweltmeister Kasparov das Fürchten lehrte.

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1997 verlor Garry Kasparov gegen den Schachcomputer Deep Blue von IBM. Es war der erste Sieg einer Künstlichen Intelligenz über einen Schachchampion und es war vielleicht ein Startschuss. Seitdem macht KI atemberaubende Fortschritte. Inzwischen - 20 Jahre später - ist hier neben IBM Google eines der wichtigsten Unternehmen. Google hat eine Maschine erschaffen, die sich zum Beispiel selbst in nur drei Tagen das asiatische Brettspiel Go so gut beibrachte, dass sie 2016 den weltbesten Spieler bezwang.

Maschinen werden immer undurchschaubarer

In der Partie passierte dabei etwas Seltsames: Die künstliche Intelligenz erfand plötzlich Züge, die keiner kannte, die sie sich also selbst ausgedacht hatte. Und spätestens seitdem ist die Beunruhigung groß - Computer agieren nicht mehr wie bisher nach vorhersehbaren Regeln, nach Algorithmen, die ihnen vorher eingegeben worden waren, sondern sie lernen selbständig. Dokumentierten Softwarecode – wie früher – gibt es nicht mehr.

Von Weltuntergangsängsten bei Künstlicher Intelligenz

Undurchschaubare Computer … das befeuert eine Urangst, nämlich die, dass intelligente Maschinen außer Kontrolle geraten könnten und dabei die Menschheit - ob absichtlich oder nur aus Versehen – auslöschen. Experten halten von solchen Katastrophenszenarien allerdings wenig und geben sich eher pragmatisch.

"Das Szenario geht von einer sehr, sehr mächtigen KI aus. Wir beschränken die KI aber immer auf kleinere Aufgaben, z.B. auf Verkehrszeichenerkenung. Und da wird es dann schon schwer, sich vorzustellen, dass die KI die Menschheit bedrohen will." Georg Nürenberg vom bayerischen Forschungsinstitut Fortiss

KI-Bedenken sind nicht grundlos

Was nicht heißen muss, dass Künstliche Intelligenz gänzlich unbedenklich wäre. Beispiel Stimmmanipulation: der US-Softwarekonzern Adobe und der chinesische Rivale Baido brüsten sich mit KI-Programmen, die anhand weniger Stimmproben angeblich lernen, eine Person akustisch perfekt zu imitieren. Das Ganze wird schon mal als Photoshop für Audio bezeichnet – auch wenn es die Software bislang noch nicht gibt … und Konkurrenzprodukte – wie Lyrebird - noch wenig überzeugend sind.

KI verhindert Ausnahmen und Abenteuer

Auch Künstler setzen sich zunehmend mit KI und den Konsequenzen auseinander, sei es in den eigenen Arbeiten oder auch in Debatten, wo man zunehmend auch auf ihre Bedenken hört. Die Künstlerin Susanne Steinmassl etwa befürchtet:

"Wenn man das autonome Auto, den fahrerlosen Bus in den Verkehr bringt, den Supermarkt ohne Verkäufer, dann sind Ausnahmen nicht mehr erwünscht, das würde unsere Gesellschaft wohl radikal verändern. Der Busfahrer, der die alte Dame zwischen zwei Stationen rauslässt, weil er sie gekannt hat, den gibt es nicht mehr. Es gibt einfach ein Raster und danach wird gelebt." Susanne Steinmassl, Regisseurin & Künstlerin

Und so muss sich die Gesellschaft wohl überlegen, wie weit sie sich verändern will und ob die Ausnahmen, der Zufall und das Abenteuer wirklich verschwinden sollen, zugunsten einer durchrationalisierten, KI-gesteuerten Welt, in der es angeblich verlockend bequem sein und problemfrei sein wird.

Alle vier Wochen ein neuer "Umbruch"

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Die zwei Hosts von "Umbruch"

Christian Schiffer und Christian Sachsinger setzen sich alle vier Wochen in "Umbruch", dem Digitalpodcast des B5 Computermagazins mit den großen technologischen Trends auseinander und erklären sie so, dass sie jeder versteht. In der ersten Folge ging es um die Meisterleistungen von KI, diesmal um die Sorgen und Ängste. Den Podcast gibt´s hier.