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Alexa soll Beweise liefern: Kritik an Smart-Home-Vorstoß | BR24

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Alexa soll belauscht werden

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Alexa soll Beweise liefern: Kritik an Smart-Home-Vorstoß

Sollen Alexa und Co. in Zukunft dabei mithelfen, Verbrechen aufzuklären? Darüber beraten die Innenminister von Bund und Ländern in Kiel. Netzexperten und Datenschützer sind zumindest alarmiert.

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Kein Zweifel: Smart Speaker wie Alexa sind praktisch. Mit ihnen kann man sich das Wetter ansagen lassen, Musik und Podcasts abspielen, Licht oder Jalousien steuern - und das alles per Sprachsteuerung. Datenschützer sehen die Geräte von Amazon, Google, Apple und Co. aber außerordentlich kritisch. Das liegt auch daran, dass diese Geräte viele Daten zu ihren jeweiligen Firmen in die Cloud schicken. Wer sich die Mühe macht und von Amazon seine eigenen Daten anfordert, der findet darin auch einen Ordner mit mp3-Dateien. Darin enthalten: Aufnahmen, die Amazon Alexa gemacht hat.

Weniger Sicherheit für alle?

Alexa sendet erst dann das Gesprochene an die Cloud, wenn man das Zauberwort "Alexa" sagt und natürlich kann man die Daten löschen lassen, in Zukunft wohl auch bequem per Sprachbefehl. Trotzdem ist klar, dass diese High-Tech-Geräte eine Menge an persönlichen Informationen sammeln. Informationen, die auch bei der Aufklärung von Verbrechen hilfreich sein können.

Anfang 2017 baten US-Ermittler Amazon um Alexa-Daten, um einen Mord aufzuklären. Kein Wunder also, dass sich offenbar auch mancher Innenpolitiker fragt, ob - und wenn ja, wie - man Smart Home-Geräte anzapfen und möglicherweise sogar zu einer echten Wanze umfunktionieren kann, um Personen abzuhören. "Wenn jetzt Behörden anfangen, auf diese Geräte zugreifen zu wollen, dann führt das dazu, dass Hersteller verpflichtet werden könnten, Hintertüren einzubauen", sagt Markus Beckedahl von Netzpolitik.org. Der Netzaktivist befürchtet also nicht nur, dass am Ende neue Überwachungsinstrumente stehen könnte, sondern vor allem, dass die IT-Sicherheit leidern könnte.

Großer Widerstand gegen Smart-Home-Gedankenspiele

Auch der bayerische Landesbeauftragte für Datenschutz, Thomas Petri, ist skeptisch: "Geplant sind damit Zugriffe, die in die intimsten Bereiche der räumlichen Privatsphäre hineinreichen", sagt er. "Deswegen ist das ein ganz schwerwiegender Grundrechtseingriff." Ähnlich äußerte sich der Bundesdatenschutzbeauftragte Ulrich Kelber. Er empfahl den Ermittlern, sich auf die bereits legalen Methoden zu konzentrieren.

Der Widerstand gegen den Zugriff auf Alexa-Daten ist groß. Schon ist die Rede von einem neuen Lauschangriff. Klar ist: Das Grundgesetz garantiert die "Unverletzlichkeit der Wohnung". Die legislativen Hürden, um Smart Home-Geräte zur staatlichen Überwachung einzusetzen, dürften entsprechend hoch sein. Klar ist aber auch: Wenn es darum geht, Zugang zu Smart Home-Daten zu bekommen, die Alexa und Co. speichern, stehen den Behörden schon heute Wege offen.

Lange Forderungsliste

Unterdessen sind im Schatten der Debatte über Kommissar Alexa andere umstrittene Vorhaben in den Hintergrund gerückt. Dabei ist die Forderungsliste lang:

Die Innenminister wollen Messenger wie WhatsApp jederzeit zum Entschlüsseln ihrer Nachrichten zwingen können. Auch beim neuen Mobilfunk-Standard 5G soll die Verschlüsselung aufgeweicht werden. Auf EU-Ebene fordern die Justizminister die umstrittene Vorratsdatenspeicherung. Ein Forderungs-Stakkato, das aber überflüssig und kontraproduktiv sei, findet Markus Beckedahl:

"Was die 'Überwachungsgesamtrechung' angeht, haben wir den Zenit schon längst überschritten." Markus Beckedahl, Netzpolitik.org

Die Behörden müssen ermitteln können, und neue Technologien sollten dem nicht im Weg stehen. Aber auch in Zukunft wird umstritten bleiben, wie weit die Befugnisse der Behörden gehen dürfen.